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Plausch statt Angriff: Frank Schleck (r.) unterhält sich mit Konkurrent Contador während der Etappe © getty

Vor der dritten Tour-Woche glänzen die Schlecks und Contador mit taktischem Geplänkel. Bei den Deutschen herrscht Ernüchterung.

Von Annette Bachert

Montpellier/München - Zwei Drittel der 98. Tour de France sind um und noch immer üben sich die Favoriten in Zurückhaltung.

Weder der dopingverdächtige Alberto Contador, noch die Schleck-Brüder oder der Australier Cadel Evans fahren im Gelben Trikot des Gesamtführenden.

Mit dem Sieg auf Teilabschnitt vier kann Evans als einziger der Favoriten überhaupt ein Erfolgserlebnis vorweisen.

Stattdessen trägt die französische Überraschung der Tour, Thomas Voeckler (Team Europcar), das "maillot jaune" bereits seit sieben Etappen (428286DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Halbherziger Angriff

Die letzte Woche führt das Feld nun in die Alpen, und hier wird es für Voeckler scheinbar unmöglich, die Gesamtführung zu verteidigen. Dort werden die vermeintlichen Hauptdarsteller richtig angreifen.

Und angreifen müssen sie, denn das war bisher kaum der Fall.

Dem Italiener Ivan Basso gab diese defensive Fahrweise Anlass zur Kritik: "Wenn Andy und Frank die anderen abschütteln wollen, müssen sie viel früher am Berg Druck aufbauen."

Auf dem schwersten Pyrenäen-Teilstück auf der 15. Etappe ließen sich die Brüder von Edehlhelfer Jens Voigt in den Schlussanstieg führen. Erst knapp 16 Kilometer vor dem Ziel griffen Andy Schleck, Basso und Evans an, doch nicht mit letzter Konsequenz.

"Einzige Chance auf das gelbe Trikot"

Bei den kommenden Anstiegen auf den Galibier und nach Alpe d'Huez, Berge der höchsten Kategorie, dürfen sich die Fahrer nun keine Schwächephase mehr erlauben (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Nach eigener Aussage will auch Titelverteidiger Contador endlich sein Potential ausschöpfen: "Ich werde es versuchen und attackieren. Ich bin sicher, dass ich stärker sein werde als in den Pyrenäen", sagte der Saxo-Bank-Kapitän.

Teamchef Bjarne Riijs sieht in den Alpen die letzte Chance für Contador: "Das ist unsere einzige Chance auf das gelbe Trikot. Alberto und das Team sind bereit für den Kampf."

Evans gilt als Favorit

Und beim Team Leopard Trek sollten sich die Schlecks möglicherweise auf einen Kapitän einigen, sind die sich die Experten einig. Denn mit ihrer selbstlosen und brüderlichen Fahrweise laufen sie Gefahr, dass am Ende keiner von beiden ganz oben steht.

Zumal Evans der bessere Zeitfahrer in Lauerstellung (17 Sekunden hinter Fränk, neun Sekunden vor Andy) liegt und sich zum Favoriten auf den Gesamtsieg mausert (DATENCENTER: Die Tour de France).

Kampfansage von Klöden

Von den deutschen Tour-Hoffnungen ist dagegen wenig zu sehen.

Der Tour-Zweite von 2004 und 2006 Andreas Klöden gab nach mehreren Stürzen und unter großen Schmerzen auf der 13. Etappe auf (Bericht).

Wenige Tage nach seinem Tour-Aus ließ der Radioshack-Fahrer seiner Enttäuschung umgehend eine Kampfansage folgen: "Ich hatte die Beine von 2004 und weiß, dass ich ein gutes Resultat herausfahren kann, wenn ich gesund bin. Ich komme 2012 wieder."

Cavendish lobt das Team

Der zweite deutsche Hoffnungsträger Tony Martin hat vor der Schlusswoche bereits knapp 30 Minuten Rückstand auf die Spitze und damit kaum mehr Chancen auf die von ihm angestrebte Top-Ten-Platzierung.

Dafür ist ihm der Dank des HTC-Highroad-Kapitäns und vierfachen Etappen-Siegers Mark Cavendish? sicher: "Ich stehe zwar auf der Siegerliste, aber ich wäre nichts ohne mein Team. Alle haben sich für mich geopfert", sagte der 27-Jährige.

"Vielleicht versucht er noch mal etwas"

Und ein wenig Hoffnung auf Zählbares bleibt Martin noch beim Einzel-Zeitfahren auf der vorletzten Etappe.

Zudem kündigte Teamchef Rolf Aldag an, dass mit seinem Schützling vielleicht auch schon vorher zu rechnen sein wird: "Sich jetzt sechs Tage nur auf das Zeitfahren zu konzentrieren geht auch nicht. Das wird seinen Ansprüchen nicht gerecht. Vielleicht versucht er an anderer Stelle noch mal etwas."

Gerdemann unterstützt Schlecks

Der zweitbeste Deutsche im Gesamtklassement, Linus Gerdemann, rangiert mit fast 40 Minuten Rückstand gerade noch in den Top 50.

Doch auch er opfert sich für andere auf und trägt großen Anteil daran, dass seine Leopard-Trek-Kollegen Fränk und Andy Schleck mit Platz zwei und vier gute Ausgangspositionen für die letzte Tour-Woche haben.

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