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Andy Schleck (h.) fuhr bei der letzten Frankreichrundfahrt auf den zweiten Platz © getty

Die Brüder wollen den Tour-Sieg, doch nur einer kann in Paris Gelb tragen. Die Führungsposistion wird in den Bergen entschieden.

Gap - Frank und Andy Schleck ist die familiäre Verbundenheit anzumerken. Nicht nur äußerlich ähneln sich die Brüder, auch der Fahrstil der Kapitäne, die sich prächtig verstehen, gleicht sich.

Beide Profis vom Radteam Leopard Trek verfolgen zudem dasselbe sportliche Ziel - den Sieg bei der 98. Tour de France. Das Dilemma: Nur einer von ihnen kann in Paris auf dem Podium ganz oben stehen (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile) .

"Wir wissen, dass wir nicht beide die Tour gewinnen können, zumindest nicht im selben Jahr. Ich sehe nur einen von uns auf dem Podium, aber dann in Gelb", sagte Andy Schleck, der jüngere der beiden Luxemburger.

Man sei nicht hier, um Zweiter und Dritter werden: "Es ist uns lieber, einer gewinnt das Rennen und der andere kommt unter die besten 30".

Einer stellt sich in den Dienst des Anderen

Um das große Familienziel zu erreichen, wird jedoch einer der Brüder auf seinen Traum verzichten und sich in den Alpen in den Dienst des Anderen stellen müssen.

Der 31 Jahre alte Frank sieht den Frieden im Hause Schleck dadurch aber nicht gefährdet: "Andy und ich verstehen uns sehr, sehr gut. Wenn es dazu kommt, dass sich einer von uns für den anderen opfern muss, werden wir das ohne Zögern tun. Wir werden nicht gegeneinander kämpfen".

Wer von beiden wann und wo zurückstecken wird, sei noch nicht entschieden.

Tagesform ist ausschlaggebend

"Natürlich sprechen wir über Taktik und bestimmte Szenarien. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Zeit für eine Entscheidung gekommen ist, werden wir sie treffen. Vielleicht werde ich es sein, vielleicht wird es Frank", sagte Andy Schleck.

Gut möglich, dass die Tagesform auf einer der schweren Alpenetappen den Ausschlag geben wird. Denn die Schlecks scheinen derzeit absolut ebenbürtig.

Auf dem Weg nach Luz-Ardiden am vergangenen Donnerstag war Frank davongezogen, Andy schien am Limit zu fahren und wirkte im Ziel erschöpft.

Konsequente Attacken sind Pflicht

Auf der Fahrt zum Plateau de Beille ging dagegen Andy in die Offensive, präsentierte sich in besserer Verfassung als sein Bruder und machte auf den letzten Metern immmerhin noch zwei Sekunden auf die Konkurrenz gut.

Mit 26 Sekunden Vorsprung auf Andy scheint Frank Schleck derzeit die besseren Karten zu haben.

Egal, auf wen die Entscheidung am Ende aber fällt, er wird aufgrund der Schwäche im Zeitfahren noch konsequenter als in den Pyrenäen attackieren müssen.

Dort hatten sich die Schlecks perfekt organisiert und versucht, mittels abwechselnder Attacken die Konkurrenz um Titelverteidiger Alberto Contador (Saxo Bank) zu zermürben und abzuhängen. Große Zeitgewinne blieben aber aus.

Evans als großer Konkurrent

Rund zwei Minuten Rückstand haben die Schlecks auf den derzeit führenden Franzosen Thomas Voeckler (Europcar). Zu einem noch größeren Problem dürfte jedoch der Australier Cadel Evans werden.

Der Kapitän vom Team BMC Racing ist als Dritter des Gesamtklassements zwischen den Schlecks platziert und konnte bisher alle Antritte des Bruderpaars kontern (431256DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Mit eigenen Offensivaktionen hielt sich der starke Zeitfahrer wie Contador jedoch zurück.

Verbesseung im Zeitfahren

"Ich habe manchmal das Gefühl, als ob Evans und Contador nur auf das Zeitfahren warten. Bisher haben nur wir das Rennen animiert. Ohne uns wäre das Rennen langweilig", sagte Frank Schleck.

"Sie sollten nicht zu viel spielen. Wir werden nicht mehrere Minuten im Zeitfahren verlieren", ergänzte Andy (DATENCENTER: Die Tour de France).

Schon vor dem Start der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hatte der 26-Jährige angekündigt, man habe sich im Zeitfahren verbessert.

Entscheidung in den Alpen

Allerdings habe der Fokus in der Vorbereitung am weiteren Ausbau der Stärken in den Bergen gelegen: "Da wird die Tour entschieden".

Die Fans erwartet in jedem Fall ein Spektakel in den Alpen.

Denn nicht nur mit erneuten Angriffen der Schlecks ist zu rechnen.

Auch Contador, der bereits bei einem Massensturz auf der ersten Etappe über eine Minute auf die Schlecks eingebüßt hatte, kündigte am Montag das Ende seiner Zurückhaltung an: "Ich werde es versuchen und attackieren".

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