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Evald Boasson Hagen hat bei der Tour bereits die sechste Etappe gewonnen © getty

Der Sky-Fahrer holt sich seinen zweiten Etappensieg. Voeckler macht einen Ausflug und verliert Zeit. Gelb behält er trotzdem.

Pinerolo - Waghalsiger Alberto Contador, kampfstarke Schleck-Brüder:

Vor den alles entscheidenden Etappen der 98. Tour de France haben die Tour-Favoriten beim Abstecher nach Italien Kopf und Kragen riskiert (431256DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Edvald Boasson Hagen hat derweil den Wikinger-Festspielen der Frankreich-Rundfahrt einen weiteren Akt hinzugefügt und auf der 17. Etappe den insgesamt vierten norwegischen Tagessieg errungen.

Titelverteidiger Contador zeigte nach seiner Attacke vom Dienstag erneut, dass er bereit ist, jede Gefahr einzugehen, um doch noch seinen vierten Tour-Sieg zu holen.

Todesmutig in die Abfahrt

Der Spanier von Team Saxo Bank stürzte sich beinahe todesmutig in die tückische Abfahrt vom Cote de Pramartino, dem letzten zu bewältigenden Gipfel des Tages. An seine Seite hatte sich der als bestechender Abfahrer bekannte Samuel Sanchez (Euskaltel) gesetzt.

Die Brüder Andy und Frank Schleck (Leopard Trek) waren dadurch wie der Australier Cadel Evans (BMC Racing) zu einer Reaktion gezwungen. Mit großem Einsatzwillen und Kämpferherz schlossen sie die Lücke wenige Meter vor der Ziellinie im italienischen Pinerolo.

Frank Schleck: "Sehr gefährlich"

"Jeder hat sehen können, dass es wieder sehr gefährlich war", sagte Frank Schleck. "Contador ist sehr schnell gefahren. Ich wollte nicht zu viel riskieren, denn es kommen noch wichtigere Tage. Ich bin froh, heil unten angekommen zu sein", sagte Andy Schleck.

Evans ergänzte: "Es war sehr schwer einzuschätzen wegen der engen Kurven und dem Schatten. Es war es nicht wert, krampfhaft vorbeizugehen" (DATENCENTER: Die Tour de France).

Ein Überraschungsangriff wie am Dienstag sei es diesmal nicht gewesen, sagte Contador: "Alle wussten Bescheid". In Gap sei es auch aufgrund des schlechten Wetters schwieriger gewesen, ihm zu folgen, fügte der 28-Jährige an.

Voeckler in einer Hauseinfahrt

Der Franzose Thomas Voeckler (Europcar) verteidigte nach 179 km sein Gelbes Trikot mit 1:18 Minuten Vorsprung auf Evans und hatte Glück im Unglück. Auf der schmalen Straßen hinunter vom Pramartino konnte er sein Rad nicht auf der Strecke halten und hüpfte in eine Hauseinfahrt neben der Straße.

Dadurch büßte der 32-Jährige im Ziel 27 Sekunden auf die Konkurrenz ein.

Generalkritik aus Luxemburg

Frank Schleck nahm das tückische Finale zum Anlass, eine Generalkritik loszuwerden. "Leider hat wieder jemand Zeit oder sogar die Tour wegen einer Abfahrt verloren. Niemand will so eine Entscheidung haben und vom Pech der Anderen profitieren", sagte der 31-Jährige.

Er meinte Voeckler und ging auch noch einmal auf die schweren Stürze der ersten Woche ein: "Ich würde jetzt gerne gegen Alexander Winokurow und Jürgen Van den Broeck fahren. Es geht nicht um gute oder schlechte Form, wir brechen uns hier die Knochen. Das ist falsch."

Winokurow und Van den Broeck gehörten zu einigen aussichtsreichen Fahrern, die nach schweren Stürzen das Rennen aufgeben mussten.

Hagen setzt sich ab

Hagen (Sky) gewann als Solist überlegen, nachdem er sich aus einer Spitzengruppe am Cote de Pramartino abgesetzt hatte. Für ihn war es der zweite Tagessieg bei der Tour 2011 und mit den zwei Erfolgen von Weltmeister Thor Hushovd der bereits vierte norwegische Etappensieg.

"Ich wollte die Etappe unbedingt gewinnen", sagte der 24-Jährige (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Die Tour-Favoriten fuhren den letzten Anstieg des Tages mit hohem Tempo an. Das Team BMC Racing übernahm zunächst die Verantwortung und reduzierte das Peloton zusehends.

Contadors Angriff scheitert

Nach dem Überraschungsangriff am Col dem Manse hatte Contador auch am Mittwoch einen Trumpf im Ärmel, doch diesmal konnte der Spanier seine Konkurrenten nicht distanzieren. Zeitverlust musste hingegen der Italiener Ivan Basso (Liquigas) hinnehmen, der 27 Sekunden auf die Favoriten einbüßte.

Am Donnerstag und Freitag wird die Tour nun ihr großes Finale erleben. Auf dem Galibier und in Alpe d'Huez dürfte es ein Spektakel geben. Die Schlecks gehen mit Selbstvertrauen ins Rennen. "Die Stimmung und die Motivation ist gut", sagte Frank, gestand aber die Niederlage am Dienstag ein:

"Das war erstmals ein Schlag ins Gesicht". Die Brüder gehen nun mit Rückstand in die "Königsetappen" der Großen Schleife. Frank liegt vier Sekunden hinter Evans, Andy 1:18 Minuten.

Voigt erwartet "Kampf um jede Sekunde"

"Ich erwarte einen Kampf um jede Sekunde. Das Rennen ist offener denn je. Niemand kann eine Prognose wagen", sagte ihr deutscher Teamkollege Jens Voigt.

Die 18. Etappe bietet am Donnerstag Stoff für einen Eintrag in die Geschichtsbücher.

Auf den 200,5 Kilometern von Pinerolo führt der Weg über drei Bergwertungen der Ehrenkategorie hinauf zum Col du Galibier, der zum höchstgelegenen Etappenziel der Historie wird (BERICHT: Jubiläum für einen gefürchteten Giganten).

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