vergrößernverkleinern
Alberto Contador bereitete sich im Juni auf den Anstieg zum Galibier vor © getty

An den schier endlosen Serpentinen verzweifelt nicht nur Jan Ullrich. In diesem Jahr wird der Galibier zum 100. Mal überquert.

Pinerolo - "Pirat" Marco Pantani holte bei klirrender Kälte und strömenden Regen 1998 am Col du Galibier zum Angriff aus.

Damit zerstreuten sich Jan Ullrichs Träume von der Titelverteidigung bei der Tour de France in den heftigen Winden des legendären Alpenpasses.

Fast neun Minuten hatte Ullrich aufgrund eines Hungerastes im Ziel in Les Deux Alpes auf den inzwischen verstorbenen Italiener verloren.

Ein Stück Tour-Geschichte, geschrieben auf den schier endlosen Serpentinen des Galibier. Auf der 18. Etappe jährte sich seine erste Überquerung bei der Tour zum 100. Mal.

"Regen, Ulle abgehängt, Tour verloren"

"Immer wenn ich an den Galibier denke, dann an die Tour 98. Regen, Ulle abgehängt, Tour verloren", sagte Rolf Aldag, der damals als Helfer von Ullrich im Team Telekom unterwegs war.

"Die Abfahrt runter bei Pissregen und ich habe nur gedacht, hoffentlich klappt das alles und dann war Ulle zwei Minuten vor mir im Ziel". Der Galibier hat sich eingebrannt im Gedächtnis des heutigen Sportdirektors von HTC-Highroad. Damit ist Aldag aber nicht allein.

Schon bei der Jungfernfahrt im Jahr 1911 hinterließ der Galibier bleibenden Eindruck. Damals erreichte der Franzose Emile Georget als Erster die höchste Stelle und ließ dort seinen Frust über den unmenschlichen Anstieg im Vorbeifahren an Tour-Gründer Henri Desgrange aus.

Garrigou poltert gegen Verantwortlichen

Auch der damalige Tour-Sieger Gustav Garrigou polterte gegen den Verantwortlichen und nannte ihn einen "Banditen". "Das ist kein Sport mehr, das ist kein Rennen mehr, das ist brutale Arbeit", kommentierte Eugene Christophe, der 1912 den Galibier als Erster bezwang, den Höllenritt auf der damals holprigen Schotterpiste.

Desgrange dagegen, der den Galibier als ersten Alpenpass der Tour auserkoren hatte, galt schon nach der Premiere als glühender Verehrer.

"Oh Sappey! Oh Laffrey! Oh Col Bayard! Oh Tourmalet! Ich werde mich nicht um meine Pflicht drücken, zu proklamieren, dass ihr neben dem Galibier nichts als blasse Babys seid. Vor diesem Giganten können wir nur den Hut abnehmen und uns verneigen", schrieb Desgrange in seiner Zeitschrift "L'Auto", dem Vorgänger der berühmten Sporttageszeitung "L'Equipe".

Schattenseiten in der Geschichte

Zu Ehren des damaligen Renndirektors wird der Bewzinger des Galibier noch heute mit der Henri-Desgrange-Trophäe ausgezeichnet, auf der Straße zum Gipfel wird mit einem Denkmal an ihn gedacht.

Der Geschichte des Galibier hat jedoch auch ihre Schattenseiten. 1935 forderte der Galibier den ersten Toten während des Rennens. Der Spanier Francisco Cepeda kam auf der Abfahrt von der Straße ab und stürzte in eine Schlucht.

Dabei zog er sich schwere Kopfverletzungen zu, denen er drei Tage später in einem Krankenhaus in Grenoble erlag. Drei Jahre zuvor hatte sich der spätere Tour-Sieger Andre Leduq ein zweifelhaftes Andenken mitgebracht:

Er war den Pass im Schneesturm ohne Handschuhe gefahren und behielt bis an sein Lebensende einen erfrorenen Finger.

Auf beiden Seiten hinauf

Von zwei Seiten ist der heute 2646 Meter hohe Pass zu befahren. 23 Kilometer misst die Strecke auf den Galibier auf der einen, 34 Kilometer auf der anderen Seite. Schmerzhaft ist sie jedes Mal. Bei der 98. Tour de France werden anlässlich des Jubiläums gleich beide Seiten befahren.

Auf der "Königsetappe" stand zunächst der kürzere von beiden an - mit dem Novum, dass hier erstmals eine Etappe endet.

Höhenrekord des Galibier

Damit stellt der Galibier einen neuen Höhenrekord auf. Noch nie endete ein Tagesabschnitt der Tour an einem höher gelegenen Ort. Er wird den Col du Granon (2413 m) ablösen, der 1986 auf dem Programm stand.

Eine Ehrerbietung für den Galibier (57 Überquerungen), der nach dem Col du Tourmalet (75) der am zweithäufigsten befahrene Gipfel der Frankreich-Rundfahrt ist.

Unter welchen Umständen die Fahrer der diesjährigen Tour den Galibier überstehen müssen, ist derzeit aber noch unklar. Während der vergangenen Tage trieben schwere Schneestürme Sorgenfalten auf die Gesichter der Verantwortlichen der Großen Schleife.

Das Wetter sollte sich am Donnesrtag aber bessern.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel