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Andy Schleck gewann 2010 zwei Etappen bei der Tour de France © getty

Auf der 18. Tour-Etappe fährt Andy Schleck allen auf und davon und holt sich den Tagessieg . Für Contador ist fast alles vorbei.

Galibier Serre-Chevalier - Andy Schleck träumt nach einem Husarenritt durch die Alpen von seinem ersten Triumph bei der Tour de France, die Hoffnungen von Alberto Contador auf eine erfolgreiche Titelverteidigung werden dagegen immer kleiner.

Die Königsetappe der Frankreich-Rundfahrt auf den legendären Col du Galibier hat die 98. Auflage noch nicht entschieden, aber klare Sieger und einen eindeutigen Verlierer hervorgebracht (DATENCENTER: Die Tour de France).

Um den Tour-Sieg kämpfen wohl nur noch vier Fahrer, der Spanier Contador scheint aus dem Rennen.

Mit einer Attacke, die in die Geschichtsbücher eingehen wird, hat der Luxemburger Andy Schleck (Leopard Trek) die 18. Etappe gewonnen, das Gelbe Trikot aber um wenige Sekunden verpasst (431256DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Schleck schrammt knapp an Führung vorbei

"Ein Traum ist wahr geworden. Das ist der schönste Sieg, den ich erreichen konnte. Ich bin sehr, sehr stolz", sagte Schleck, der am "maillot jaune" von Thomas Voeckler (Europcar) 15 Sekunden vorbeifuhr und jetzt Zweiter ist.

60,4 km vor dem Ziel stürmte Schleck am Col d'Izoard der Konkurrenz davon und startete seinen epischen Angriff.

"Ich wollte Gelb haben"

Der 26-Jährige wollte nicht nur den Sieg, sondern auch das Führungstrikot erobern. "Ich wollte Gelb haben", sagte Schleck, der diesmal aufs Ganze ging. "Viele haben an meiner Form gezweifelt, ich aber nicht", sagte er.

Schleck biss hinauf zur höchsten Ankunft der Tour-Geschichte auf die Zähne, ballte nach seinem dritten Tour-Etappensieg im Ziel entschlossen die Faust und schrie seine Freude heraus.

"Ich hatte im Kopf, dass ich in Paris nicht Vierter sein möchte. Ich wollte alles riskieren, auf Biegen und Brechen. Vor dem Verlieren habe ich keine Angst".

Voeckler verteidigt das Gelbe Trikot

Das Gelbe Trikot blieb nach 200,5 km aber weiter auf den Schultern von Voeckler, der in verblüffender Weise fast bis zum Ziel am Hinterrad der Allerbesten blieb und Tagesfünfter wurde.

Der französische Liebling hat somit weiter das Podium in Paris im Visier. Er wäre seit Richard Virenque (1997) der erste Franzose, dem dies gelänge. "Ich werde um das Gelbe Trikot kämpfen", sagte der 32-Jährige.

Kraftloser Contador fällt ab

Alberto Contador kann indes seinen vierten Tour-Sieg wohl abschreiben. Die Kräfte des Spaniers waren etwa zwei Kilometer vor dem Gipfel aufgebraucht.

Der Kapitän vom Team Saxo Bank musste seine Herausforderer fahren lassen und hatte im Ziel 3:50 Minuten auf Andy Schleck verloren. 4:29 Minuten müsste Contador nun auf Schleck aufholen, 4:44 Minuten liegt der 28-Jährige hinter Voeckler.

Contador war bereits am Col Agnel, mit 2744 Metern Höhe das Dach der Tour 2011, am Ende des Pelotons zu sehen. Zu dem Zeitpunkt war noch offen, ob dies ein Zeichen von Schwäche oder Teil eines Pokerspiels sein würde. Im Ziel herrschte Klarheit.

Der Titelverteidiger hatte kein Ass mehr im Ärmel und kam abgeschlagen auf Rang 15.

Schleck-Brüder feiern Doppelsieg

Platz zwei holte sich, 2:07 Minuten hinter seinem Bruder, Frank Schleck. "Alles lief perfekt. Es hat für uns als Brüderpaar geklappt, das ist das Wichtigste", sagte der 31-Jährige. "Wir haben gezeigt, dass wir eine große Mannschaft sind".

Acht Sekunden danach erreichte der Australier Cadel Evans (BMC Racing) Platz drei. Evans ist mit einem Rückstand von 1:12 Minuten auf Voeckler weiter in einer glänzenden Position.

"Er ist für mich der Tour-Favorit", sagte Voeckler. Ohnehin kommen nach dem Donnerstag wohl lediglich noch vier Fahrer in Frage. Neben den Schleck-Brüdern, sind dies Voeckler und eben Evans.

Fragwürdige Strategie

Hinter Andy Schleck herrschte im Finale zunächst Uneinigkeit unter den anderen Sieganwärtern. Evans verfügte über ausreichend Energie, doch wollte er zunächst nicht allein die Verantwortung für die Verfolgung übernehmen.

Diese taktische Malaise ließ die Lücke zunächst immer weiter ansteigen. So musste Evans schließlich alles riskieren und holte im Alleingang Sekunde um Sekunde auf.

Perfekte Teamarbeit

Über zwei Minuten hatte Schleck bereits am Gipfel des Izoards auf die Konkurrenz herausgefahren. In der Abfahrt wartete Edelhelfer Maxime Monfort (Belgien) auf seinen Kapitän und schleppte ihn bis zum Fuße des Galibier.

Vor dem Beginn der letzten von drei Steigungen der höchsten Kategorie betrug der Abstand des Luxemburgers mehr als drei Minuten und Schleck trug virtuell das "maillot jaune".

19. Etappe: kurz und schwer

Die letzte Bergetappe der Tour ist am Freitag mit 109,5 Kilometern zwar mit Abstand die kürzeste, dennoch hat sie es in sich (BERICHT: Jubiläum für einen gefürchteten Giganten).

Dem 34 Kilometer langen Weg auf den legendären Col du Galibier, folgt rund 14 Kilometer vor dem Ziel der Schlussanstieg nach Alpe d'Huez. Der Galibier wird dabei anlässlich seiner Erstbezwingung vor 100 Jahren zum zweiten Mal bei der Tour 2011 überquert (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Das Feld der Titelaspiranten wird sich weiter reduzieren. "Es wird ähnlich hart", prognostizierte Andy Schleck.

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