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Alberto Contador hat am Galibier 3:50 Minuten auf Andy Schleck verloren © getty

Der Spanier muss auf der Königsetappe die schwerste Niederlage seiner Karriere einstecken und sieht unruhigen Wochen entgegen.

Alpe d'Huez - Schon am Anstieg zum Col Agnel schien Alberto Contador den Tränen nahe.

Weit vor dem Ziel der "Königsetappe" der 98. Tour de France am Donnerstag war der dreimalige Tour-Sieger in erhebliche Schwierigkeiten geraten (BERICHT) und hatte am Ende des Pelotons um den Anschluss kämpfen müssen.

Waren es die Schmerzen, die Contador die Verzweiflung ins Gesicht trieben? Oder war es die böse Vorahnung dessen, was am Col du Galibier (BERICHT: Jubiläum für einen gefürchteten Giganten) noch folgen sollte?

Dort, an den Hängen des legendären Alpenpasses, wurden die Befürchtungen des Spaniers wenig später zur traurigen Gewissheit: Er wird seinen seinen Tour-Titel in diesem Jahr verlieren. (431256DIASHOW: Die Bilder der Tour)

"Sieg unmöglich"

"Der Sieg ist jetzt unmöglich", sagte Contador, nachdem er auf den letzten beiden Kilometern der 18. Etappe völlig eingebrochen war. (DATENCENTER: Die Tour de France)

3:50 Minuten auf den Tagessieger und großen Herausforderer Andy Schleck eingebüßt, das Gelbe Trikot außer Reichweite - Contador suchte verzweifelt nach Erklärungen.

"Ich hatte einen schlechten Tag. Ich habe mich unglaublich schlapp gefühlt und weiß nicht, warum. Ich war nicht in der Lage, selbst zu attackieren und das Rennen so zu fahren, wie ich es wollte", sagte der 28-Jährige und ergänzte: "Ich bin solche Situationen wie heute nicht gewohnt".

Wie im falschen Film

Doch nicht nur auf der schweren Alpenetappe, sondern bereits während der gesamten Tour 2011 muss sich der sieggewohnte Contador wie im falschen Film vorkommen. (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile)

Ausgebuht vom französischen Publikum, bohrenden Fragen bezüglich seines Dopingfalls aus dem vergangenen Jahr ausgesetzt und mehrfach gestürzt - Contador ist die gewohnte Lockerheit auf dem Rad abhanden gekommen.

Begibt Contador sich auf Ursachenforschung, fällt bei ihm schnell das Wort "Giro". Die Italien-Rundfahrt sei alles andere als eine optimale Tour-Vorbereitung gewesen.

Giro schuld?

Auch seine Knieprobleme, die aus den diversen Stürzen in der ersten Tour-Woche resultierten, hätten ihm immer wieder zugesetzt. Als Ausrede für seine Schlappe am Donnerstag wollte er dies aber nicht gelten lassen.

"Andy hat seine Karten gut ausgespielt. Dass er zwei seiner Leute in der Spitze positioniert hatte, war ein sehr intelligenter Schachzug. Man muss den Hut vor ihnen ziehen", sagte Contador.

Schleck habe seinen Job gut erledigt: "Wir müssen ihm gratulieren".

Schleck wohl uneinholbar

Den Rückstand auf den Luxemburger vom Team Leopard Trek hält Contador vor dem Schlusswochenende der Tour für nicht mehr aufholbar: "Er hat bewiesen, dass er sehr stark ist. Er hat ein ordentliches Polster und ich denke, er kann es verteidigen".

Faire und anerkennende Worte eines Mannes, der in der Vergangenheit nicht immer als echter Sportsmann aufgetreten ist.

Aktionen wie die des "Chaingate" bei der Tour 2010, als er einen technischen Defekt Andy Schlecks zu einer Attacke nutzte, haben ihn viele Sympathien gekostet.

Ärger am Horizont

Im Moment seiner schweren Niederlage beweist Contador jedoch Größe: "Ich habe schon andere Situationen überstanden und um die Wahrheit zu sagen, ist das nicht der traurigste Tag meines Lebens."

Ein trauriger Tag könnte Anfang August bevorstehen.

Dann muss er sich vor dem Internationalen Sport-Gerichtshof CAS in Lausanne für seinen positiven Clenbuterol-Test bei der letztjährigen Tour verantworten.

Lange Sperre droht

Contador hatte den Befund mit dem Verzehr von kontaminiertem Rindfleisch begründet. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm eine zweijährige Sperre.

Zudem würden ihm alle Siege seit seinem positiven Test aberkannt, einschließlich der Erfolge bei der Tour 2010 und beim Giro d'Italia 2011.

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