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Cadel Evans hat bei der Tour de France 2011 die vierte Etappe gewonnen © getty

Der Australier erobert die Champs-Elysees und wird in der Heimat als "Legende" gefeiert. Evans lobt seinen deutschen "Helden".

Paris - Cadel Evans weinte ungehemmt.

Ein "trauriger Clown" sollte er sein, einer, der niemals die Tour de France gewinnen würde - nun stand er eingehüllt in die australische Flagge vor dem Triumphbogen und ließ seinen Emotionen freien Lauf.

Ein Aussie erobert die Champs Elysees und stürzt eine sportverrückte Nation in einen Freudentaumel (431256DIASHOW: Die Bilder der Tour).

"Ich habe es noch nicht richtig kapiert, aber eben hat es mir meine Frau noch einmal gesagt: Ich habe die Tour gewonnen!", sagte Evans, der so gar nicht das Bild eines typischen Australiers abgibt.

Sieg für den verstorbenen Trainer

Er ist nicht laut, er ist nicht wild, er wirkt zurückhaltend und auf seinen Job fokussiert. Manchmal hat er tatsächlich den Blick eines traurigen Clowns, wie er einmal von der "L'Equipe" genannt wurde. Er ist kein Mann der großen Gesten.

Bei seinen Danksagungen galt Evans' erster Gedanke seinem Trainer und Mentor Aldo Sassi, der im Dezember 2010 an einem Gehirntumor gestorben war.

"Aldo hat letztes Jahr zu mir gesagt: Jetzt, wo du Weltmeister geworden bist, bist du ein kompletter Rennfahrer. Du kannst eine große Rundfahrt gewinnen, und hoffentlich ist es die Tour de France," erzählte Evans: "Es wäre für ihn etwas ziemlich Großes gewesen, wenn er mich heute hätte sehen könnte."

Armbruch 2010

Evans ist der Weg zum Tour-Sieg nicht leicht gefallen. 2007 und 2008 hatte er den großen Wurf nur knapp verpasst.

Erst fehlten 23 Sekunden auf den Spanier Alberto Contador, dann 58 Sekunden auf dessen Landsmann Carlos Sastre. 2009 enttäuschte er. 2010 hatten ihn die Leiden der Tour im Griff. Evans brach sich bei einem Sturz den Ellbogen und quälte sich schwer gezeichnet bis nach Paris.

Nun haben dem Australier seine Allrounder-Qualitäten und seine Opferbereitschaft zum Gesamterfolg verholfen.

"Du bist eine Legende"

Vater Paul Evans sagte dem australischen Fernsehen, sein Sohn habe sehr viel auf sich genommen, um die Tour de France zu gewinnen: "Er hat mir erzählt, dass nicht der physische Schmerz und das Training die größten Opfer sind. Es ist die lange Zeit weg von der Familie. Er lebt im Grunde seit 20 Jahren aus dem Koffer."

Große Anerkennung erhielt Evans von anderen australischen Radprofis.

Matthew Goss twitterte, Evans habe die australische Flagge auf dem Gipfel des Mount Everest platziert.

"Du bist eine Legende", schrieb Cameron Mayer. "Spiel, Satz und Sieg. Erster Aussie Gesamtsieger", ergänzte Richie Porte.

Aber auch die direkten Konkurrenten erwiesen sich als faire Verlierer (DATENCENTER: Die Tour de France).

"Gratuliere Cadel, du hast es verdient. Es war eine großartige Schlacht, und ich bin schon total gespannt auf nächstes Jahr", sagte Andy Schleck, der Gesamtzweiter wurde.

Burghardt der "Held"

Einen wesentlichen Anteil am Triumph seines Kapitäns hatte ein Deutscher. Der gebürtige Zschopauer Marcus Burghardt stellte sich immer wieder als Zugpferd in den Dienst des Australiers und war häufig schuftend an der Spitze des Pelotons zu sehen.

Als seinen "Helden" bezeichnete Evans Burghardt - da hatte ihn der Deutsche gerade zum Etappensieg an der Mur-de-Bretagne geschleppt (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Parade durch Melbourne

Daheim in Down Under schnappten sie komplett über. Das ist immer so, wenn einer ihrer Landsleute eine besondere Leistung vollbringt.

Ein Abgeordneter des Parlaments kam gleich auf die Idee, einen inoffiziellen nationalen Feiertag einzurichten. Eine Ehre sei das, sagte Evans, vergaß aber nicht, vielsagend zu schmunzeln: "Wenn's der Wirtschaft nicht schadet, hab ich kein Problem damit."

In frühestens zwei Monaten wird Evans in seine Heimat fliegen. Ein große Siegerparade durch Melbourne ist schon geplant. In der Nähe der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria liegt Barwon Heads, die Heimatstadt von Evans. Selbst über eine Evans-Statue macht sich Victorias Sportminister Hugh Delahunty Gedanken.

Weitere Ideen sind jederzeit willkommen.

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