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Tony Martin gewann 2011 vor Andreas Klöden den Klassiker Paris-Nizza © dpa Picture Alliance

Freud und Leid bei den deutschen Teilnehmern: Tony Martin siegt im Zeitfahren, enttäuscht aber dennoch. Die Helfer überzeugen.

Paris - Enttäuschte Hoffnungen, zwei glückliche Etappensieger und wackere Domestiken:

Die 98. Tour de France hat aus deutscher Sicht die Erwartungen nicht ganz erfüllt, aber es gab durchaus Lichtblicke.

Hinter den Möglichkeiten blieb Tony Martin, der in die Top Ten wollte, sich aber zumindest mit dem Sieg im Zeitfahren trösten konnte. (BERICHT: Martin: "Ich könnte die ganze Welt umarmen")

Andreas Klöden hatte Sturzpech und schied aus. Top-Sprinter Andre Greipel hatte seinen großen Glücksmoment. Jens Voigt und Marcus Burghardt ragten aus der Riege der Edelhelfer heraus.

Als Klassementfahrer wollte sich Martin dieses Jahr positionieren, doch als es ernst wurde, musste der gebürtige Cottbuser die Konkurrenz ziehen lassen. 431256(DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Martin bricht ein

"Ich wollte an meinen Qualitäten als Gesamtfahrer arbeiten, das ist mir nicht gelungen. Die Tour ist nicht so gelaufen, wie ich mir das erhofft hatte", sagte er.

Schon auf der ersten großen Bergetappe nach Luz-Ardiden in den Pyrenäen rückte sein Ziel außer Reichweite. (DATENCENTER: Die Tour de France)

Wie bei der Tour 2010 brach der 26-Jährige ein, obwohl er genau dies eigentlich verhindern wollte: "Es ist total enttäuschend. Für einen selbst, aber auch für die vielen Fans am Fernseher oder an der Strecke. Auf einmal fährt man hinterher".

Befreiungsschlag im Zeitfahren

Dabei hatte der Profi von HTC-Highroad extra seine Vorbereitung umgestellt, fuhr das Criterium du Dauphine statt der Tour de Suisse.

Martin hielt sich dort weitgehend zurück, um sich seiner Topform in den ersten Tour-Tagen stetig zu nähern. Im Zeitfahren in Grenoble gelang ihm zumindest noch ein Befreiungsschlag (Bericht).

Martin muss sich nun eine Diskussion um seine künftigen Ambitionen gefallen lassen. Sein Sportdirektor Rolf Aldag hatte vor der Tour gesagt, er müsse sich als Klassementfahrer positionieren - das hat er nicht geschafft.

"Man muss abwägen"

Jetzt wird sich zeigen, ob sein Team weiter Vertrauen in ihn setzt oder ob Martin sich nicht doch als Zeitfahrspezialist und Mann für kürzere Rundfahrten sehen sollte.

"In den kommenden Wochen werde ich mit der sportlichen Leitung und dem Trainer zusammensitzen und die Zukunft bereden. Man muss abwägen, was wichtiger ist", sagte Martin dazu:

"Ich denke aber auch an Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Ich würde mich ungern im Zeitfahren verschlechtern." 423786(DIASHOW: Die Etappen-Profile)

Pechvogel Klöden

Großes Pech hatte Andreas Klöden. Der 36-Jährige war als einer von vier Kapitänen des Teams RadioShack ins Rennen gegangen. Nach diversen Stürzen seiner Kollegen war der gebürtige Sachse dann die klare Nummer eins, bis er selbst Bekanntschaft mit dem Asphalt machte.

In den schweren Massensturz der 9. Etappe verwickelt, plagten ihn fortan starke Rückenschmerzen, die nach dem Start der 13. Etappe zur Aufgabe führten. (BERICHT: Tour-Aus für Klöden - Tristesse bei Martin)

Klöden, 2004 und 2006 Zweiter der Tour, hatte sich bis dahin in glänzender Verfassung präsentiert und war schon als Geheimfavorit auf den Gesamtsieg gehandelt worden.

Greipels Traum wird wahr

Ein Traum wurde für Top-Sprinter Andre Greipel (Omega Pharma-Lotto) wahr. Der 29-Jährige erfüllte sich bei seiner Debüt-Tour seinen größten Wunsch und gewann die 10. Etappe in Carmaux (Bericht).

Greipel schlug dabei auch seinen Dauerrivalen Mark Cavendish um eine Radlänge. Wie sehr Greipel seine erste Große Schleife genoss, zeigte er auf seiner persönlichen Internetseite.

Dort berichtete er mit humorigen, virtuellen Postkarten vom "ersten Frankreich-Urlaub" seines Lebens.

Deutsche Edelhelfer glänzen

Die Zuverlässigkeit in Person waren die deutschen Edelhelfer. Besonders Routinier Jens Voigt (Leopard Trek) und Marcus Burghardt (BMC Racing) traten dabei in Erscheinung.

Als der 39-jährige Voigt für Andy und Frank Schleck am Col du Tourmalet das gesamte Peloton auseinanderfuhr, staunte die Radsportwelt nicht schlecht. "In dem alten Hund steckte noch Leben", ließ Voigt später wissen.

Er nahm zum 14. Mal an der Tour teil und stellte damit den deutschen Rekord von Erik Zabel ein. Und er hat noch lange nicht genug, sondern hängt noch ein Jahr dran und will auch bei der Tour 2012 starten (News).

Burghardt schleppt Evans zum Sieg

Burghardt wurde zwischenzeitlich zum Held seines Kapitäns Cadel Evans, als er ihn an der Mur-de-Bretagne zum Etappensieg schleppte.

Der Zschopauer war häufig an der Spitze des Pelotons zu sehen und schuftete hart für Evans' Traum vom ersten australischen Tour-Sieg (BERICHT: Anti-Aussie Evans macht sich unsterblich).

Nach dem finalen Showdown in Grenoble erwähnte der BMC Racing-Kapitän den Deutschen ganz bewusst noch einmal.

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