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Andre Greipel gewann die 10. Etappe der Tour de France 2011 vor Mark Cavendish © getty

Deutschlands Topsprinter plant mit Lotto Belisol 2012 den großen Angriff. Erzrivale Cavendish packt schon die Giftpfeile aus.

Brüssel - Der Fehde-Handschuh ist geworfen, der Erzrivale fest ins Visier genommen, doch im verbalen Duell hält sich Andre Greipel entgegen seiner sportlichen Natur mächtig zurück.

"Ich respektiere Mark Cavendish, er respektiert mich. Punkt", sagt Deutschlands Topsprinter.

Seine Kampfansage in Richtung des Kontrahenten hat der 29-Jährige ohnehin schon eindrucksvoll mit den Beinen gemacht: Mit drei Etappensiegen bei der Tour Down Under bescherte er dem neuen Team Lotto Belisol einen Traumstart (BERICHT: Greipel zum Dritten - Gerrans holt Gesamtsieg).

Interessenskonflikt offensichtlich

Greipel und Cavendish, das passte allzu selten.

Fünf Jahre waren beide Teamkollegen, zuletzt 2010 bei HTC, richtig grün waren sie sich nie. Hier der eher ruhige Deutsche, dort der extrovertierte Brite, beide zudem mit dem Anspruch, Sprinter Nummer eins zu sein - der Interessenkonflikt drohte zu eskalieren.

Keine Feindschaft

Cavendish keilte öffentlich aus.

"Ich bin schneller als Greipel, sogar wenn ich außer Form bin. Wenn ich unbedingt Siege bei beschissenen kleinen Rennen wollte, dann würde ich irgendwelche beschissenen kleinen Rennen bestreiten", pöbelte der Engländer, als Greipel Sieg um Sieg einfuhr.

"Das ist natürlich nicht schön, wenn man so etwas von einem Kollegen zu hören bekommt", sagt Greipels Edelhelfer und Kumpel Marcel Sieberg, neben dem Sprintass der zweite Deutsche bei Lotto Belisol, "eine Feindschaft sehe ich da aber nicht."

Viele direkte Duelle

Das Duell Greipel vs. Cavendish wird sich wie ein roter Faden durch die gesamte Radsport-Saison 2012 ziehen:

Der erste Schlagabtausch bei der am Sonntag beginnenden Katar-Rundfahrt, wo Cavendish sein Debüt für das britische Sky-Team feiert, fällt allerdings flach, da Greipel wegen einer Magen-Darm-Grippe kurzfristig passen musste.

Spätestens bei Mailand-San Remo Mitte März kreuzen beide die Klingen auf höchstens Niveau, im Juli dann tagtäglich bei der Tour de France, schließlich bei der WM in Limburg/Niederlande - ein Jahr nachdem Cavendish in Kopenhagen Weltmeister wurde und Greipel sich mit Bronze begnügen müssen.

Mit Anfahrer und Adjtutant Sieberg

Und natürlich bei Olympia in London, gefühlt ein Duell vor Cavendishs Haustür.

"Mit Olympia kann ich mir einen Kindheitstraum erfüllen, auch wenn es für Sprinter ein immens schwieriger Kurs ist", sagt Greipel, der sich beim Kampf um Gold den treuen Gehilfen Sieberg an seiner Seite wünscht: "Das wäre sehr, sehr wichtig, in taktischer, aber auch in mentaler Hinsicht. Er hilft, wenn es mir schlecht geht, ist die ideale Ergänzung."

Greipel zufrieden im Team

Im neuformierten belgischen Team Lotto Belisol, das sich trotz reduzierten Etats am Mittwoch in erstaunlich noblem Rahmen vor großer Kulisse im Brüsseler Jubelpark präsentierte, spielt Greipel endlich die ersehnte Rolle an vorderster Front.

Bei HTC stand er im Schatten von Cavendish, im Vorjahr bei Omega Pharma-Lotto hinter Philippe Gilbert (DATENCENTER: Die Rennen 2012).

Der Klassiker-Spezialist, in Belgien geradezu vergöttert, fährt künftig für das BMC-Team von Tour-Sieger Cadel Evans.

"Er hat damit seine Entscheidung getroffen, ich meine für Lotto. Ich bin glücklich, so wie es jetzt ist", sagt Greipel.

"Langweilig wird's da nie"

Dies gilt auch uneingeschränkt für seine sportliche Heimat.

"In Deutschland hinkt der Radsport öffentlich weit hinterher. Für die Belgier ist hingegen jeder Profi ein kleiner Gott", sagt Greipel, der zudem als frischgebackener Wahl-Schweizer der Bundesrepublik zumindest vorerst komplett den Rücken gekehrt hat.

Letzteres aber vor allem aus praktischen Erwägungen: "In Hürth hatte ich einfach keine Trainingspartner mehr. In der Schweiz sind wir mit neun, zehn Fahrern, darunter Andreas Klöden, Bert Grabsch, Marcus Burghardt. Langweilig wird's da nie."

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