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Der Tour-Sieg 2007 wurde Alberto Contador (v.) durch die Dopingsperre nicht aberkannt © getty

Nach dem Urteil im Fall Contador kritisieren spanische Medien den CAS scharf. In anderen Ländern wird die Verfahrensweise gerügt.

München - Die Dopingsperre gegen Radprofi Alberto Contador hat in Spanien für Empörung gesorgt. (BERICHT: CAS sperrt Contador)

Die Sporttageszeitung "Marca" bezeichnete den Schiedsspruch als "skandalös und unerklärlich".

Der Internationale Sportgerichtshof CAS habe sein Rechtsbewusstsein verloren. "Dieses Urteil lässt uns wie ein Land dastehen, in dem Doping toleriert wird", schrieb "AS".

"El Mundo" sieht einen "Millionenschaden für Contador" (EINWURF: Spätes Signal an alle Betrüger).

Empörung über Dauer des Verfahrens

In Italien richtete sich die Kritik eher gegen die Dauer des Verfahrens.

Die "Gazzetta dello Sport" findet die Verspätung "unbegreiflich" (STIMMEN: "Jemand möchte den Tod des Radsports").

"Das schreckliche und unglaublich verspätete Urteil kommt nach 18 absurden Monaten, in denen der Angeklagte stets auf dem Rad war. Wie ein Dieb, der auf freiem Fuß gelassen wird, aber doch das Gestohlene zurückgeben muss: Ein Tour und ein Giro-Sieg, nicht gerade Krümel!", schrieb "Repubblica".

Die internationalen Pressestimmen in der Übersicht:

SPANIEN

"Marca": "Der CAS verliert das Rechtsbewusstein. Höchststrafe ohne Beweise. Ein skandalöses und unerklärliches Urteil. Die Begründungen grenzen an Surrealismus".

"AS": Verdammtes Clenbuterol! Der CAS akzeptierte die Version des kontaminierten Filetstücks nicht. Contador wird am 6. August wieder zurückkehren und bei der Vuelta dabei sein können. Contador hatte sein Beweisstück verschlungen. Dieses Urteil lässt uns wieder wie ein Land dastehen, in dem Doping toleriert wird" (Contadors Tour der Anhörungen).

"El Mundo": "Millionenschaden für Contador! Er könnte um die zehn Millionen Euro an Einnahmen verlieren. Zwei Jahre Strafe, Contador bleibt jetzt nur noch, vor ein ordentliches Gericht zu gehen. Es war unnötig, 600 Tage zu warten, um an diesen Punkt zu kommen".

"El Pais": "Das Gewicht des Gesetzes fällt über Contador. Die Vergangenheit, die Zukunft und der sportliche Wert von Contador, des besten Radsportlers der Welt und eines der großen spanischen Sportler des 21. Jahrhunderts, wurden definitiv verletzt".

"Superdeporte": "Contador ist fertig mit den Nerven. Das Urteil des CAS ist ungerecht, da keine Beweise vorgelegt wurden" ("El Pistolero" hängt weiter in der Luft).

FRANKREICH

"L'Equipe": "Donnerwetter: Contador zwei Jahre gesperrt! 565 Tage nach der Dopingkontrolle eine Strafe, die die globale Hierarchie des Radsports stört. Diese Warnung muss nun im Fahrerfeld von denen gehört werden, die weiterhin gegen die Windrichtung in die Pedale treten. Aber auch jenseits einer Disziplin, die sich mehr als jede andere in einem schweren Kampf engagiert".

ITALIEN

"Gazzetta dello Sport": "Was unbegreiflich ist in diesem Fall, ist die Verspätung dieses Urteils. Seit Contator am 21. Juli 2010 positiv getestet wurde, sind 565 Tage vergangen. Zu viele. Warum hat man dem Radfahrer erlaubt, an Rennen teilzunehmen, und sie zu gewinnen, wenn jetzt das Ergebnis gestrichen werden muss? Dieser Beschluss ist unbegreiflich für einen Großteil der Tifosi und hat gravierende Folgen für die Organisatoren."

"Corriere dello Sport": "Die Justiz hat wieder ein weiteres Opfer gefordert, das bekannteste: Alberto Contador, der jetzt Tour, Giro und sein Ansehen verliert. Jetzt wird er erst nach den Olympischen Sommerspielen zurückkehren können".

"Tuttosport": "Ein unerwarteter und rückwirkender Schlag für Contador. Mit der Sperre für Contador, den Spitzenprofi, will man allen anderen ein Beispiel geben. Da stecken auch politische Motivationen dahinter".

"Repubblica": "Contador, der gedopte König. All seine Siege sind gelöscht worden. Das schreckliche und unglaublich verspätete Urteil kommt nach 18 absurden Monaten, in denen der Angeklagte stets auf dem Fahrrad war. Wie ein Dieb, der auf freiem Fuß gelassen wird, aber doch das Gestohlene zurückgeben muss: Ein Tour und ein Giro-Sieg, nicht gerade Krümel!"

"Corriere della Sera": "Das, was in diesem Fall beeindruckt, sind die Verzögerungen durch die Sportjustiz. Es ist jedoch offenkundig, dass die Situation anders gewesen wäre, wenn der spanische Verband nicht in aller Eile das Verfahren eingestellt hätte. Man muss eine internationale und unabhängige Behörde einrichten, die direkt, schnell und nach Kriterien urteilt, die für alle gültig sind."

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