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Jan Ullrich hat die Einnahme von Dopingmitteln bis heute stets bestritten © getty

Der Internationale Sportgerichtshof sieht als erwiesen an, dass Jan Ullrich gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hat.

Lausanne/München - Jan Ullrich ist vom internationalen Sportgerichtshof CAS schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben.

Der einzige deutsche Tour-de-France-Gewinner wurde am Donnerstag wegen der Verwicklung in die Affäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt.

Das höchste Sportgericht in Lausanne annullierte zudem sämtliche Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 bis zu seinem Karriereende.

Bach hofft auf Erklärung von Ullrich

Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wurde das Urteil von Präsident Thomas Bach als "deutlich" beurteilt.

"Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, um von sich aus Klarheit zu schaffen. Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt."

"Dieses Urteil hat gerade im Zusammenhang mit der Contador-Entscheidung abschreckende Signalwirkung", sagte Bach (Ullrich: "Contador ist toll für die Branche").

Tour-Sieg ' 97 nicht tangiert

Abgelehnt hat der CAS indes den Antrag des Radsportweltverbandes UCI, Ullrich als Wiederholungstäter mit einer lebenslangen Sperre für alle Tätigkeiten im Radsport zu belegen.

Der erste Dopingvergehen des gebürtigen Rostockers im Jahr 2002 sei durch eine Einnahme von Amphetaminen außerhalb der Wettkampfzeit zu erklären. Eine Verstoß sei hier aber nur gegeben, wenn dies während der Wettkampfzeit geschehe, schrieb der CAS in der Urteilsbegründung.

Ullrich verliert durch den Schiedsspruch seinen dritten Platz bei der Tour de France 2005, dazu den Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006 und Etappensiege bei der Tour de Suisse 2005 und der Deutschland-Tour im selben Jahr.

Die Frankreich-Rundfahrt hatte Ullrich 1997 gewonnen. Für die Zukunftspläne des 38-Jährigen, der seine Laufbahn im Februar 2007 beendet hatte, ist das Urteil nicht von Bedeutung.

Schiedsspruch dreimal hinausgeschoben

Der CAS sah es nach Ansicht der UCI-Unterlagen als erwiesen an, dass Ullrich "mehrfach in die Nähe von Dr. Fuentes" gereist sei, "persönlichen Kontakt" gehabt und "80.000 Euro für nicht näher genannte Dienst" bezahlt habe.

Außerdem habe eine DNA-Analyse gezeigt, dass Ullrichs genetisches Profil mit dem in bei Fuentes gelagerten Blutbeuteln übereinstimmte. Ullrich habe "zur Überraschung" des CAS weder die "Richtigkeit der Beweise", noch "sonstige wesentliche Aspekte" des Falls infrage gestellt.

Mit dem Urteil ist nach mehr als fünf Jahren der Fall des einstigen deutschen Radstars beendet.

Seine Verwicklung in die als Operacion Puerto bekannt gewordene Affäre war einen Tag vor dem Start der Tour de France 2006 aufgedeckt worden. Der CAS hatte den Schiedsspruch in den letzten Monaten dreimal hinausgeschoben.

"Das ist ein Glückstag für mich"

Im Vorfeld hatte Ullrich das Urteil regelrecht herbeigesehnt. "Das ist ein Glückstag für mich, ich bin froh, dass die Entscheidung kommt. Ich warte seit fast sechs Jahren auf eine Entscheidung, ich habe viel leiden müssen bis hin zum Burn-out. Ich will die ganze Etappe abschließen", sagte Ullrich am Mittwoch.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zeigte sich in einer Reaktion "froh", dass das Verfahren nach jahrelangen Verhandlungen endlich sein Ende gefunden hat.

"Wir konzentrieren unsere Kräfte nun voll auf die Zukunft des deutschen Radsports und die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele", sagte Vizepräsident Udo Sprenger.

UCI-Einspruch stattgegeben

Zuvor hatte der CAS einem Einspruch des Radsportweltverbandes UCI gegen den Schweizer Verband und das Schweizer NOK Swiss Olympic Ende November 2011 stattgegeben.

Swiss Olympic hatte die Ermittlungen gegen Ullrich 2009 mit der Begründung eigestellt, keine "Disziplinargewalt" zu haben.

Der CAS hatte allerdings befunden, dass Swiss Olympic auch nach dem Karriereende für Ullrich, der zuletzt eine Schweizer Rennlizenz besaß, zuständig sei.

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