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An der Seite von Udo Bölts (l.) fuhr Jan Ullrich 1997 zum Tour-Sieg © getty

Nach dem CAS-Urteil gegen Jan Ullrich sorgen sich zwei Wegbegleiter um den Ex-Rad-Star und fordern eine zweite Chance für ihn.

München - Freunde und alte Weggefährten sorgen sich um den psychischen Zustand von Ex-Radidol Jan Ullrich.

"Man soll endlich mit dieser Hetzjagd aufhören. Nach außen wirkt er immer so, als habe er ein dickes Fell. Aber Jan ist sehr emotional. Das ist wie bei einem Schwamm, der sich vollsaugt. Irgendwann passt nichts mehr rein", sagte der frühere Radcross-Weltmeister und Ullrich-Kumpel Mike Kluge der "Sport Bild".

Sein einstiger Edelhelfer Udo Bölts, der Ullrich mit dem Ausruf "Quäl dich, du Sau" zum Tour-Sieg 1997 trieb, führt die Burn-out-Erkrankung des gebürtigen Rostockers im August 2010 ebenfalls auf die andauernde Kritik zurück.

Bölts hofft auf Nachsicht

"Die Hetzjagd muss irgendwann vorbei sein", sagte Bölts, der selbst 2007 Doping zugegeben hatte.

Jeder habe im Leben eine zweite Chance verdient - nur bei Jan Ullrich habe man den Eindruck, dass sie ihm nicht gegeben werde.

"Wie lange will man ihn noch ächten?", fragte Bölts.

Ergebnisse annulliert

Der 38 Jahre alte Ullrich war am 9. Februar wegen der Verwicklung in die Affäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt worden (BERICHT: Doping! CAS spricht Ullrich schuldig).

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte Ullrich schuldig gesprochen, gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen zu haben und sämtliche Ergebnisse vom 1. Mai 2005 bis zum Karriereende Ullrichs im Februar 2007 annulliert.

Kluge betont Loyalität

Nach dem Urteil hatte Ullrich in einer Stellungnahme zwar Kontakt zu Fuentes eingeräumt, aber kein Dopinggeständnis abgelegt (BERICHT: Ullrich hakt Vergangenheit ab - ohne Geständnis).

Nach Kluges Einschätzung habe Ullrich dies aus Loyalität zur Radfahrer-Familie unterlassen.

"Jan war immer ein Kumpeltyp. Jetzt will er die alten Kollegen nicht ans Messer liefern. Leider ist er am Ende der Dumme, das ist umso betrüblicher", sagte Kluge, der glaubt, dass Ullrich in seiner Karriere immer nur eins wollte: "den Erwartungen gerecht werden, gewinnen".

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