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Linus Gerdemann wechselte vor der Saison von Team Columbia zu Milram © getty

Linus Gerdemann verlangt bei der Milram-Präsentation sauberen Sport und weiß was ein Dopingfall für das Team bedeuten würde.

Dortmund - Als beim Team Milram der Startschuss für die Reise ins Ungewisse erfolgte, redete der neue Hoffnungsträger Linus Gerdemann nochmal allen eindringlich ins Gewissen.

"Jeder muss sich der Verantwortung bewusst sein. Es darf keine Schlampereien und Fehltritte geben."

"Der Weg ist eindeutig. Wenn wir diesen nicht einschlagen, hat der Radsport in Deutschland keine Zukunftschance", betonte der Deutschland-Toursieger auf der Mannschaftspräsentation in Dortmund und forderte von sich und seinen 24 Kollegen sauberen und ehrlichen Sport ein.

Ein Dopingfall wäre das Ende des Radports

Eines dürfte klar sein: Ein Dopingfall im Team wäre wohl gleichbedeutend mit dem Ende des letzten verbliebenen deutschen ProTour-Rennstalls.

"Unsere Haltung ist klar. Wer dopt, der fliegt. Wenn das Ganze größeres Ausmaß annimmt, kommt das Engagement sofort auf den Prüfstand", mahnte Claus Fischer als kommissarischer Marketingchef des Hauptsponsors Nordmilch.

Rückzugspläne schon in der Schublade

Doch auch so steht das rund acht Millionen Euro teure Engagement auf wackligen Füßen. Vertrag bis 2010 hin oder her, eine Bestandsgarantie für das Team Milram gibt es nur für ein Jahr. (Milram vorerst gerettet)

Im Zuge der Dopingskandale, des Ausstiegs von ARD/ZDF aus der Tour-Live-Berichterstattung und der Einstellung zahlreicher deutscher Rennen liegen die Rückzugspläne bereits in der Schublade.

Totale Transparenz

"Totale Transparenz" heißt das Motto bei Milram. "Unsere Tür steht jeden Tag offen. Auch im Bus, wir haben nichts zu verbergen", sagte Teamchef Gerry van Gerwen.

Das im Vorjahr selbst auferlegte strikte Anti-Doping-Programm hat weiterhin Bestand. Das gibt dem Team die Möglichkeit, schon im Verdachtsfall einen Fahrer zu kündigen.

Mit der Situation kann Gerdemann gut leben. "In der heutigen Zeit ist doch alles ungewiss. Aber ich denke, dass wir einiges bewegen und Vertrauen zurückgewinnen können", sagte der 26-Jährige, der seinen sicheren Arbeitsplatz beim Columbia-Rennstall genauso wie Sprint-Star Gerald Ciolek aufgegeben hat, um bei Milram eine Führungsrolle zu übernehmen.

Ciolek gefordert

Doch nur ausschließlich für sauberen Sport will man bei Milram nicht stehen. "Ein gutes Image, verbunden mit Erfolg - nur so kann es gehen", sagt Gerdemann. Teamchef van Gerwen hat 25 Saisonsiege als Ziel ausgegeben.

2008 waren es noch enttäuschende 16 Erfolge. Deshalb ist insbesondere Ciolek als Kapitän der Sprinter-Abteilung gefordert. "Er vereint alle Ausnahmequalitäten in sich", sagt van Gerwen.

Gerolsteiner-Clique heuert bei Milram an

Der Teamchef setzt auf die Gerolsteiner-Fraktion. Nach der Auflösung des langjährigen Erfolgsteams haben Robert Förster (Markkleeburg), Markus und Thomas Fothen (beide Kaarst), Johannes Fröhlinger (Freiburg), Matthias Ruß (Oberried), Ronny Scholz (Herrenberg), Fabian Wegmann (Freiburg), Peter Wrolich (Österreich) und Sportdirektor Christian Henn (Heidelberg) bei Milram eine neue Heimat gefunden.

Insgesamt 14 Neuzugänge fahren für Milram und sorgen nach dem Ende der "Ära Erik Zabel" für ein komplett neues Gesicht. Das nun 25-köpfige Team setzt in seiner vierten Saison mehr denn je auf einheimische Fahrer, 17 Profis kommen aus Deutschland.

Rundfahrten werden ins Auge gefasst

Mit den neuen Fahrern hat sich die Ausrichtung der Mannschaft gewandelt. War das Team in den zurückliegenden Jahren mit Zabel und dem des Dopings überführten Italiener Alessandro Petacchi nur auf Sprintankünfte ausgerichtet, sollen künftig auch Rundfahrten ins Auge gefasst werden.

Und da will Gerdemann vor allem bei der Tour de France für Positiv-Schlagzeilen sorgen. "Ich werde mich auf die Gesamtwertung der Tour konzentrieren", sagte der Wahl-Schweizer, der im Vorjahr nach einem Beinbruch in Frankreich fehlte.

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