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Lance Armstrong erhielt im Herbst 1995 die Diagnose fortgeschrittener Hodenkrebs © getty

Der Rummel um den "Tourminator" vor der Tour Down Under drängt den Dopingverdacht fort. Lance Armstrong ist sportlich gerüstet.

Adelaide/Melbourne - "Your chance to see Lance!" - ihre Gelegenheit, Lance zu sehen! - seit Wochen schon wirbt die Website der Tour Down Under mit dem prominentesten Fahrer, der jemals an dem Radrennen in Australien teilgenommen hat.

Lance Armstrong, der siebenmalige Tour-de-France-Sieger, der Krebs-Bezwinger, für viele

der beste Radprofi aller Zeiten, Lance Armstrong also hat sich für sein Comeback nach über dreieinhalb Jahren ein Rennen in Südaustralien ausgesucht. Am Sonntag ist es so weit.

Der Premier reist an

Der Hype um den Amerikaner nimmt in Südaustralien mit jedem Tag zu. Geheim wollte er in Sydney ankommen, es gelang nicht. (Armstrong erlebt "Staatsempfang")

Bodyguards und Polizeieskorte federn den größten Rummel ab. Südaustraliens Premier Mike Rann ließ es sich nicht nehmen, bei der ersten Pressekonferenz dabei zu sein.

Im Radio: Armstrong, im Fernsehen: Armstrong, in den Zeitungen: Armstrong und am Flughafen von Adelaide prangt ein übergroßes Poster von? Genau.

Dopingverdacht kein Thema

Die Kalkulation mit dem Aufmerksamkeitsfaktor geht also auf. Noch nie haben sich so viele Journalisten für den Auftakt der Saison in Australien angemeldet wie in diesem Jahr.

Das Thema Dopingverdacht spielt dabei bislang keinerlei Rolle, weder die ominösen Proben von 1999 noch Anschuldigungen ehemaliger Weggefährten.

In Australien tritt der Gutmensch Armstrong auf, der den Kampf gegen den Krebs propagiert. "Meine Stiftung hat erkannt, dass international Platz für unsere Botschaft ist", erklärte Armstrong seine Motivation für die Rückkehr. "Ich fühle mich verpflichtet, hier zu sein, für meine Gemeinschaft von Menschen, die den Krebs überlebt haben."

Wohltätigkeits-Dinner für 135 Euro

"Livestrong" heißt seine Stiftung. Über 60 Millionen Menschen haben weltweit eines dieser symbolischen gelben Gummiarmbänder gekauft, die knapp einen Euro kosten und deren Erlös der Stiftung zu Gute kommt.

Armstrongs Australien-Start lässt angeblich eine weitere halbe Million Dollar in die Stiftung fließen.

Zu seinen ersten Aktivitäten gehörte der Besuch einer örtlichen Krebsstation. Am kommenden Samstag nimmt Armstrong als Ehrengast an einem Wohltätigkeits-Dinner teil, für das Gäste etwa 135 Euro zahlen.

Kriterium mitten in Adelaide

Armstrong ist der Kampf gegen den Krebs angesichts seiner eigenen Erkrankung 1996 ein ernstes und ehrliches Anliegen.

Es gab deshalb auch keinen Zweifel, dass er am Sonntag in Adelaide bei dem nur 51 Kilometer langem Kriterium mitten in der City wieder aufs Rad steigt.

Auch dieses "Kirmesrennen" steht unter dem Motto "Kampf gegen den Krebs" und zählt noch nicht offiziell zur Tour, die am Dienstag beginnt.

Härter als je zuvor vorbereitet

"Ich bin etwas unsicher und nervös", räumte Armstrong ein, "hoffentlich werde ich nicht zu sehr verprügelt."

Das ist natürlich ein wenig kokett, denn Lance Armstrong lässt sich nicht verprügeln. Der Texaner hat sich seine Rückkehr in den Profisport schließlich genau überlegt und ist sie entsprechend angegangen:

"Ich bin in der Trainingsvorbereitung weiter als zum gleichen Zeitpunkt bei meinen Toursiegen", sagt er, "ich habe mich aber auch härter als je zuvor vorbereitet."

Die Show kann beginnen

Offenbar erfolgreich: Bei einem letzten internen Härtetest mit seinem Team Astana am brutalen Anstieg des Old Willunga Hill bei Adelaide ließ er seine Mitfahrer hinter sich wie einst Jan Ullrich in Alpe d'Huez.

Armstrong ist bereit - die Show kann beginnen.

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