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Lance Armstrong gewann die Tour de France sieben Mal © getty

Der Rückkehrer lässt es bei seinem ersten Wertungsrennen nach über drei Jahren ruhig angehen, der Rummel ist dennoch riesig.

Adelaide - Platz 64 unter 133 Fahrern, kein Ausreißversuch, keine Spitzenposition - die Legende radelte im Feld mit.

Das Comeback von Lance Armstrong am Sonntag in Adelaide erregte sportlich weitaus weniger Aufsehen als das Drumherum vor dem Rennen.

Nach rund dreieinhalb Jahren, exakt 1274 Tagen, kehrte der 37 Jahre alte Texaner tatsächlich in den Rennzirkus zurück.

138..000 Zuschauer wollten den siebenmaligen Tour-de-France-Champion dabei live erleben.

Sie hatten Mühe, ihn im Feld auszumachen.

23 Sekunden Rückstand

"Es hat Spaß gemacht, wieder dabei zu sein", sagte Armstrong nach dem 1:04:32 Stunden dauernden Rennen über 51 Kilometer, "ich habe mich aber sicherer im hinteren Teil des Feldes gefühlt. Unter den ersten 50 gab es doch einige Positionskämpfe."

Dort brachten sich die Sprinter immer wieder für Zwischenwertungen und den Schlusssprint in Stellung.

Am Ende triumphierte Lokalmatador Robbie McEwen, Vorjahressieger Andre Geipel aus Rostock wurde zeitgleich Vierter. Armstrong hatte 23 Sekunden Rückstand - egal.

Volksfest-Stimmung in Adelaide

Schon über zwei Stunden vor dem Start drängelten sich Zehntausende an der Absperrung entlang des Kurses rund um den Rymill Park mitten im Zentrum der Millionenstadt.

In den zahlreichen Bars in der nahen Rundle Street floss das Bier in Strömen, Straßenmusiker heizten mit Gitarrenpop ein.

Es herrschte Volksfestatmosphäre, ein strahlend blauer Himmel und auch am Abend noch etwa 30 Grad trugen ihren Teil dazu bei.

"Fahre mit einem Anliegen"

Bei der Fahrerpräsentation auf einer Bühne im Park war die Stimmung schon ausgelassen. "Ich habe hier eine fantastische Woche erlebt und freue mich unglaublich auf die kommenden Tage", sagte Armstrong.

Er wurde als Sportheld gefeiert, die Dopingproblematik im Radsport und seine eigenen ominösen Proben von 1999 spielten nur eine untergeordnete Rolle (Doping-Bekämpfer Armstrong: "Auch über Fußball reden") .

"Früher habe ich nur einen Job gemacht", sagte Armstrong zu seiner Rückkehr, "jetzt fahre ich, weil ich ein Anliegen habe." Seine Stiftung für den Kampf gegen Krebs wird bekannt und bekannter.

Da verbindet einer offenbar erfolgreich seine Mission mit seiner sportlichen Passion. (In Australien fährt der Gutmensch Armstrong)

"Chance, die wir nutzen müssen"

Auch Andre Greipel, der mit der Startnummer 1 ins Rennen ging, wurde bejubelt.

Der 26-Jährige stand beim Start neben Armstrong in der ersten Reihe. "Man hat gesehen, dass Adelaide wegen Lance im Ausnahmezustand ist", sagte Greipel, "für den Radsport ist das eine große Chance, die wir nutzen müssen." (Lance als Heilsbringer)

Südaustraliens Premier Mike Rann ließ sich die Chance nicht entgehen, das Rennen zu starten, und griff dabei ganz tief in die Rhetorikkiste: "Wenn Sie Ali nie haben kämpfen sehen, wenn Sie Pele nie haben Tore schießen sehen, jetzt haben Sie die Gelegenheit, Lance Armstrong zu sehen."

Da musste sogar der selbstbewusste Texaner lächeln, als er sich bei diesen Worten den Helm aufsetzte.

Elf Rennen in dieser Saison

Elf Rennen will Armstrong in diesem Jahr für das Team Astana bestreiten, ohne Salär. Er lässt sich durch Antrittsgeld finanzieren, etwa eine Million Euro hat sich die Tour Down Under angeblich Armstrongs Erscheinen kosten lassen.

Es hat sich ausgezahlt. Für das Rennen, das nie eine größere Aufmerksamkeit erfahren hat - und für Armstrong, der vor allem als edler Krieger im Kampf gegen den Krebs wahrgenommen wird.

Auch auf Platz 64.

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