vergrößernverkleinern
2009 fährt Lance Armstrong erstmalig den Giro d'Italia und die Tour de France in einem Jahr © getty

Lance Armstrong gilt als lebende Legende des Radsports. Manche feiern ihn gar als Retter. Doch nicht jeder vertraut ihm.

Adelaide - Australiens Medien jubeln Lance Armstrong (56423Die Bilder des Comebacks) zum "Supermenschen" hoch, für die Radprofis ist sein Start eine Ehre. Doch einige Fans und manche Journalisten bleiben skeptisch.

Vor dem Start der Tour Down Under (DATENCENTER: Zwischenstände und Ergebnisse) am Dienstag hat die Charme-Offensive des siebenmaligen Tour-Siegers noch nicht alle Skeptiker überzeugt.

Bei der Teampräsentation gab es sogar einen lautstarken Störenfried.

"Tatsächlich ein lautes Buh"

"Als letztes Team kam Astana mit Lance und - man glaubt es kaum - es war tatsächlich auch ein lautes Buh zu hören", schreibt Milram-Profi Ronny Scholz in seinem Internet-Tagebuch für "Radsport-News.com". ad

Die Verwunderung des Herrenbergers Scholz hatte vor allem mit der geschickt agierenden PR-Maschine des Weltbürgers Armstrong zu tun, in der ein lautes Buh nicht einkalkuliert ist.

Mit Hochdruck

Armstrong und seine Gehilfen arbeiten mit Hochdruck am reibungslosen Ablauf des Comebacks.

Über jeden Zweifel soll der Champion erhaben sein. Geduldig lässt der Texaner stundenlange Pressekonferenzen über sich ergehen. Freundlich lächelnd tingelt er im Namen seiner Krebsstiftung von einem Wohltätigkeits-Auftritt zum nächsten (In Australien fährt der Gutmensch Armstrong).

Pünktlich zum Start der Rundfahrt hat er sich selbst sogar das "umfassendste Anti-Doping-Programm in der Geschichte des Sports" auferlegt (Doping-Bekämpfer Lance) . Bereits bei seiner Comeback-Ankündigung im September hatte Armstrong gelobt, seine Blutwerte auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Zu sehen ist davon bis heute allerdings nichts.

Der globale Profi

Doch das ist nur ein kleines Nebengeräusch, das unten in Australien nicht so richtig wahrgenommen wird. "Armstrong ist einer der größten Athleten des 21. Jahrhunderts", stellte die Herald Sun überschwänglich fest. Zumindest leicht kritische Töne liest man weiter unten: "Aber er war nie ein Wettbewerber um die größte Popularität."

Das soll sich schleunigst ändern.

An seiner Beliebtheit arbeitet Armstrong am anderen Ende der Welt penibel und nutzt alle sich ihm bietenden Medien - vor allem aber seine Internetseite. Freizügig gibt er dort Einblicke in sein Privatleben.

Ob das abendliche Bier mit Kumpel George Hincapie, der Besuch beim früheren Roubaix-Sieger Stuart O'Grady oder die Video-Konferenz mit Sohn Luke. Überall ist Armstrongs Foto-Handy und damit auch die ganze Welt dabei.

Everybody's Supermensch

Armstrong gibt Everybody's Darling in Perfektion, im Peloton fühlt man sich "geehrt" oder findet es "einmalig", mit so einer Lichtgestalt in einem Rennen zu radeln (Die Legende radelt im Feld mit).

Die "Herald Sun" schreibt, Armstrong sei in gewisser Weise größer als je zuvor und in der Redaktion des "Australian" hat man sich offenbar in die Muskeln des Fitness-Fanatikers verguckt: "Körperlich ist er ein Supermensch."

Nachfolger gesucht

Immerhin "lockte seine Aura ein Rekordpublikum nach South Australia" (Adelaide Advertiser).

Und so hat der von Armstrong selbst veranstaltete Wirbel um die eigene Rückkehr den positiven Nebeneffekt, dass vielleicht das nächste Supertalent an der Strecke stand und sich aus Begeisterung über die Lance-Show selbst auf das Rennrad setzt.

Dann hätte Armstrongs Rückkehr dem Radsport vielleicht doch geholfen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenzurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel