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Johan Museeuw sorgt mit seiner Buchveröffentlichung für neuen Zündstoff © getty

Eine Buch-Veröffentlichung rückt die Republik wieder in ein schlechtes Licht. Ebenso kontrovers: Kohl akzeptiert seine Sperre, Schumacher nicht.

München - "Bergkönig" Bernhard Kohl hat einen sauberen Schlussstrich unter seinen Dopingfall gezogen. Stefan Schumacher kämpft dagegen weiter auf juristischem Wege gegen eine mögliche Zwei-Jahres-Sperre an.

Das einstige Gerolsteiner-Erfolgsduo geht bei der Vergangenheitsbewältigung im Zuge der positiven Proben bei der Tour de France völlig unterschiedliche Wege.

Unterdessen ist Deutschland in Sachen Doping wieder in ein schlechtes Licht gerückt. Der als Dopingsünder überführte Klassiker-König Johan Museeuw hat sich offenbar in Köln mit verbotenen Mitteln eingedeckt.

Das schilderte der Belgier, der jüngst zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, in seinem nun veröffentlichten Buch.

Ermittlungen gegen Funtes

Außerdem wurde auch ein Buch über die Operacion Puerto geschrieben, juristische Urteile blieben dagegen Mangelware.

Deshalb begrüßte Pat McQuaid als Präsident des Radsport-Weltverbandes (UCI) die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Skandal um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes.

Ivan Basso, einer der wenigen Fahrer, die für ihre Verstrickung bislang bestraft wurden, will derweil seine Blutwerte im Internet veröffentlichen.

Neuanfang nach Sperre

Kohl erklärte, dass er keine Rechtsmittel gegen die verhängte Zwei-Jahres-Sperre einlegen und 2010 womöglich einen Neuanfang starten werde.

Zur weiteren Aufklärung des Falls will der Österreicher aber nicht mehr beitragen, Namen der Hintermänner werde er nicht nennen.

"Einige Teile der Begründung sind zwar für meinen Rechtsanwalt rechtlich nicht nachvollziehbar. Dennoch werde ich auf Rechtsmittel verzichten und das Urteil in seiner mir überlassenen Form akzeptieren", sagte Kohl in einer Stellungnahme.

Sperre bis Juli 2010

Am 15. Januar hatte der 27-Jährige das schriftliche Urteil von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Österreichs erhalten.

In Absprache mit seinem Anwalt verzichtet Kohl auf weitere juristische Auseinandersetzungen.

Damit ist der frühere Gerolsteiner-Profi bis zum 3. Juli 2010 gesperrt. Kohl war bei der Tour positiv auf den EPO-Nachfolger CERA getestet worden.

Das traf auch auch auf Schumacher zu. Der zweimalige Etappensieger will aber eine Sperre mit allen juristischen Mitteln bekämpfen.

Schumacher kämpft

Sein Anwalt Michael Lehner geht gar von einer baldigen Lizenzerteilung für seinen Mandanten aus. "Sportrechtlich liegt momentan nichts vor", sagt der Rechtsbeistand.

Derzeit laufe weiter der Schriftverkehr mit der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, die beim früheren Gerolsteiner-Profi zwei positive A-Proben bei der Tour de France in den nachträglichen Tests ermittelt hat.

Im Schumacher-Lager ist man zuversichtlich, dass das Verfahren eingestellt wird. (Doping-Bekämpfer Lance)

Start für Quick Step

Bei erfolgreicher Lizenzerteilung könnte Schumacher dann für den belgischen Radrennstall Quick Step, bei dem der WM-Dritte 2007 vor der Bekanntgabe der positiven A-Proben einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, an den Start gehen.

"Natürlich gibt es Unsicherheiten, aber der Vertrag mit Quick Step besteht", so Lehner.

"Habe viele Menschen enttäuscht"

Kohl, der auf die Öffnung der B-Probe verzichtet hatte, will auch gar nicht erst juristisch eine Verkürzung der Strafe erwirken.

"Ich habe viele Menschen in und außerhalb Österreichs schwer enttäuscht. Ich habe mich bereits mehrfach hierfür öffentlich entschuldigt und möchte dies einmal mehr tun", teilte Kohl weiter mit.

"Aufgrund meiner Verfehlung steht mir letztlich eine zweijährige Sperre zu. Ich war nicht auf eine kürzere Bestrafung aus, hatte aber gehofft, dass das Strafausmaß für einen geständigen Sportler nicht mit jenem eines leugnenden Sportlers gleichgesetzt wird."

Keine Hintermänner

Er werde keine Hintermänner nennen, stellte Kohl klar.

"Ich habe stets gesagt, dass ich umfassend von der Beschaffung bis zur Vereinnahme aussagen werde. Dies ist so auch geschehen. Die Benennung der Person, die mir das Dopingpräparat übergab, hätte weder einen Doping-Ring aufgedeckt, noch ein Doping anderer Sportler zu Tage gebracht. Als Einzeltäter kann ich nichts erfinden, was nicht gewesen war."

Das sagte der Kletterspezialist, der nach eigener Aussage auch kein Schweigegeld erhalten hat.

Kohl als Schornsteinfeger

Eine Rückkehr in den Radsport ist für Kohl vorstellbar. Bis zum Ablauf der Sperre werde er sich fit halten.

"Fakt ist aber auch, dass ich mit meinen 27 Jahren noch ein komplettes Berufsleben vor mir habe und meine finanziellen Rücklagen es nicht erlauben, jetzt eineinhalb Jahre nur zu trainieren", so Kohl.

Er werde in den nächsten Wochen versuchen, in ein geregeltes Berufsleben einzusteigen. Kohl ist gelernter Schornsteinfeger.

Einkaufstour in Köln

Museeuw schilderte in seinem Buch Einzelheiten.

"Ich war in Köln, habe in einer Tiefgarage geparkt und anschließend eine Apotheke betreten. Ich habe dem Apotheker auf einem Papier gezeigt, was ich brauche. Der Apotheker sagte mir etwas, was ich nicht verstanden habe, und gab mir ein kleines Paket."

Und weiter: "Ich zahlte in bar, zwischen 50 und 100 Euro. Der Apotheker wollte von mir nichts weiter haben. Offensichtlich sind EPO und Aranesp in Deutschland frei erhältlich gewesen", schreibt der 43-Jährige, der in seiner Karriere je dreimal die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix gewann.

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