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Peter Sagan sammelte auf den ersten sechs Etappen der Tour bereits 209 Punkte © getty

Andre Greipel geht auf der 6. Etappe zweimal zu Boden, sprintet aber um den Sieg. Den schnappt sich am Ende der Slowake.

Metz - Mit wieder eingerenkter Schulter und blutenden Wunden hat Andre Greipel den Etappen-Hattrick bei der Tour de France (täglich im LIVE-TICKER) hauchdünn verpasst.

Der nach zwei Stürzen schwer gezeichnete Rostocker kam am Freitag in Metz zwar noch auf einen starken zweiten Platz, sprintete aber auch an einem Eintrag in die Geschichtsbücher der Tour de France vorbei. Noch nie hat ein deutscher Profi drei Teilstücke in Folge gewonnen.

Der Sieg auf der sechsten Etappe ging an den slowakischen Überflieger Peter Sagan (Liquigas-Cannondale), der bei seinem Tour-Debüt bereits seinen dritten Tagessieg feierte.

Sofort nach der Zieldurchfahrt stieg der 29 Jahre alte Greipel humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Mannschaftsbus und wurde vom Teamarzt untersucht. Am Abend wurde Greipel zur näheren Diagnose ins Krankenhaus gebracht.

Sieberg muss Greipel überreden

"Beide Male ist er auf seine operierte linke Schulter und das Handgelenk gefallen, eigentlich wollte er gar nicht mehr mitsprinten. Greg Henderson und ich haben ihn dann aber überredet", sagte Greipels Teamkollege Marcel Sieberg: "Ich habe ihm gesagt, solange du den Lenker halten kannst, probiere es. Wir sind schließlich bei der Tour de France."

Greipel war bei Kilometer 35 erstmals zu Fall gekommen, hart auf die linke Seite geschlagen und hatte sich dabei Schürfwunden an Knie und Arm zugezogen 580249(DIASHOW: Die Bilder der Tour).

"Da hat er mir schon gesagt, dass die Schulter ausgekugelt gewesen sei und wieder eingerenkt worden war", sagte Sieberg.

62 Kilometer vor dem Ziel stürzte Greipel erneut und musste von seinem Team an das Hauptfeld herangeführt werden.

Sagan nicht zu halten

Trotz der Blessuren schonte sich Greipel im Massensprint nicht und stand kurz vor dem großen Coup.

Nachdem seine Teamkollegen von Lotto-Belisol den Sprint erneut perfekt vorbereitet hatten, ging der Rostocker in Führung liegend auf die letzten Meter.

Dem Antritt Sagans hatte Greipel aber nichts entgegenzusetzen.

Erst elf Fahrer in der 109-jährigen Geschichte haben das Kunststück fertig gebracht, drei Etappen in Folge zu gewinnen.

In den vergangenen 60 Jahren war dies nur Lance Armstrong (2004) und Mario Cipollini (1999) gelungen.

Quartett steigt aus

Greipels britischer Rivale Mark Cavendish (Sky) war durch einen Massensturz rund 25 Kilometer vor dem Ziel erneut ausgebremst worden und hatte nicht in den Showdown der Sprinter eingreifen können. Bereits am Mittwoch in Rouen war der Weltmeister kurz vor dem Ziel gestürzt.

Tom Danielson (USA/Garmin), Mikel Astarloza (Spanien/Euskaltel), Wouter Poels (Niederlande/Vacansoleil) und Davide Vigano (Italien/Liquigas) mussten die Tour aufgeben.

Im Gegensatz zum Vortag, als die letzten Ausreißer erst 200 m vor dem Ziel gestellt wurden, kontrollierte auch das nach dem Sturz ausgedünnte Peloton den Abstand zu den vier Flüchtligen um den Amerikaner David Zabriskie (Garmin-Sharp) souverän und holte das Quartett knapp drei Kilometer vor Rennende ein.

Cancellara verteidigt Gelb

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte Prologsieger Fabian Cancellara erfolgreich (SERVICE: Das Ranking der Favoriten).

Er führt weiter mit sieben Sekunden Vorsprung auf den britischen Mitfavoriten Bradley Wiggins (Sky), dürfte es am Samstag auf der ersten Mittelgebirgsetappe in den Vogesen aber deutlich schwerer haben, das "maillot jaune" zu verteidigen.

Der australische Vorjahressieger Cadel Evans (BMC Racing) liegt mit 17 Sekunden Rückstand auf Platz sechs.

Bester Deutscher ist als Neunter Andreas Klöden (Mittweida) mit 19 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen Cancellara.

Martin erneut am Ende des Feldes

Tony Martin (Cottbus/QuickStep) bot das inzwischen gewohnte Bild und hielt sich am Ende des Pelotons auf.

Der Zeitfahr-Weltmeister, der nach einem Sturz am vergangenen Sonntag an einem Kahnbeinbruch in der linken Hand laboriert, rollte erneut im Schongang ins Ziel.

"Es war das Übliche, es ging wieder ganz gut", sagte Martin recht gelöst.

Erste Berge erwarten das Feld

Mit der Ankunft in Metz endete vorerst die Zeit der Sprinter, am Samstag steht nach 199 Kilometern in La Planche de Belles Filles die erste Bergankunft der 99. Tour de France auf dem Programm (578701DIASHOW: Die Etappenprofile).

Auf dem 5,9 Kilometer langen und im Schnitt 8,5 Prozent steilen Weg zur Skistation in 1035 Metern Höhe werden sich die Favoriten belauern.

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