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Pierre Roland schob sich mit seinem Sieg auf der 11. Etappe auf Rang zwei der Bergwertung vor © getty

Auf der 11. Etappe geht es drunter und drüber. Pierre Roland reißt aus und siegt. Cadel Evans wird zum großen Verlierer.

La Toussuire - Cool, cooler, Bradley Wiggins: Mit einer taktischen Meisterleistung hat der Dominator der 99. Tour de France (täglich im LIVE-TICKER) auch den Showdown in den Alpen beherrscht und ist dem ersten Gesamtsieg eines Briten ein großes Stück näher gekommen.

Beim Sieg des Franzosen Pierre Rolland auf dem knüppelharten 148 km langen Teilstück mit Bergankunft in La Toussuire parierte der Brite sämtliche Attacken mit teils stoischer Gelassenheit und nahm schließlich seinem schärfsten Rivalen Cadel Evans 1:26 Minuten ab.

"Das war die bislang härteste Etappe, meine Erleichterung ist groß. Ich habe Cadel mehr Zeit abgenommen als erwartet. Für das Team war es erneut ein großartiger Tag", sagte Wiggins, der als Tagessechster 57 Sekunden hinter Sieger Rolland ins Ziel auf 1705 m Höhe kam.

Wiggins verteidigt Gelb

In der Gesamtwertung führt Wiggins nun mit 2:05 Minuten Vorsprung auf seinen Sky-Gefährten und Landsmann Christopher Froome, Dritter ist der Italiener Vincenzo Nibali (Liquigas/2:23).

Der australische Vorjahressieger Evans (BMC) ist mit 3:19 Minuten Rückstand nur noch Vierter und kann die Hoffnung auf das Gelbe Trikot fast schon begraben (SERVICE: Das Ranking der Favoriten).

Gesamtführender bleibt gelassen

Auf dem 18 km langen Schlussanstieg ins Skiressort hatten aus der Favoritengruppe zunächst Janez Brajkovic (Slowenien/Astana), Thibaut Pinot (Frankreich/FDJeux) und Jurgen Van den Broeck (Belgien/Lotto) attackiert - allesamt Fahrer, die Wiggins in der Gesamtwertung nicht gefährlich werden konnten.

Erst als der bisherige Gesamtvierte Nibali antrat, reagierte Wiggins und führte die Verfolgung an - zuvor hatte sich der Brite stets hinter seinen Helfern positioniert und Körner gespart.

Froome lässt Wiggins stehen

Für Verwirrung sorgte Wiggins' Teamkollege Froome, der drei Kilometer vor dem Ziel plötzlich attackierte und seinen eigenen Kapitän stehen ließ.

Der Brite wurde von seinem Team aber umgehend per Funk zurückgepfiffen und leistete anschließend wieder die Nachführarbeit für den Mann in Gelb.

Evans muss abreißen lassen

Durch die Tempoverschärfung platzte die Favoritengruppe endgültig, Evans musste rund sechs Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen.

Kurz darauf setzte Wiggins gemeinsam mit Froome zur Attacke an und schloss die Lücke zu Nibali und Van den Broeck.

Europcar-Profi Rolland, letztes Überbleibsel einer früh gestarteten Ausreißergruppe, rettete sich vor den heranstürmenden Favoriten ins Ziel und machte einen Tag nach dem Sieg seines Teamkollegen Thomas Voeckler den französischen Doppelschlag perfekt (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Tour).

Gescheiterte Attacke am zweiten Anstieg

Der schwer geschlagene Evans hatte bereits auf dem zweiten schweren Anstieg des Tages zum Col de la Croix de Fer sein Glück versucht und sich kurzzeitig um 15 Sekunden von Wiggins lösen können 583323(DIASHOW: Die Bilder der zweiten Woche.

Dieser blieb aber unbeeindruckt im Schatten seiner Helfer, angeführt vom ehemaligen T-Mobile-Profi Michael Rogers fuhr Sky die Lücke zu Evans souverän wieder zu.

"Ich war überrascht, dass Cadel da schon attackiert hat, weil ich geglaubt habe, dass man das hohe Tempo nicht bis zum Ende durchhalten kann", sagte Wiggins.

26-köpfige Spitzengruppe fährt vorne weg

Die Etappe, eine der kürzesten der 99. Frankreich-Rundfahrt, war von Beginn von Attacken geprägt.

Schon früh auf dem Anstieg zum 2000 m hohen Col de la Madeleine bildete sich eine 26-köpfige Spitzengruppe, darunter neben Rolland die Altstars Alexander Winokurow (Kasachstan/Astana) und Ivan Basso (Italien/Liquigas).

Während sich der Slowake Peter Velits (QuickStep) den Bergpreis sicherte, kontrollierte Wiggins' Sky-Phalanx das Tempo im Hauptfeld, hielt den Rückstand bei knapp drei Minuten.

Kessiakoff schnappt sich das Bergtrikot

Auf dem Weg zum Col de la Croix de Fer schrumpfte die Spitzengruppe auf sechs Fahrer, die aber über vier Minuten auf das Hauptfeld hinausfuhren - ehe Sky nach Evans' Antritt Tempo machte.

Auf der 2067 m hohen Passhöhe gewann der Schwede Fredrik Kessiakoff (Astana), der wieder das Bergtrikot übernahm, den ruhmreichen Wertungspreis Souvenir Henri Desgrange.

Längste Tour-Etappe steht an

Nach dem Höllenritt durch die Alpen steht am Freitag die längste Etappe der 99. Tour de France an. Über 226 km geht es von Saint-Jean-de-Maurienne aus dem Hochgebirge in ebenere Gefilde nach Annonay Davezieux (578701DIASHOW: Die Etappenprofile).

Doch nicht nur wegen ihrer Länge hat es die Etappe in sich: Auf den ersten 80 km stehen zwei Berge der 1. Kategorie an - wer da schon abreißen lässt, dem droht das Duell mit dem Besenwagen.

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