
Druckansicht
Abbrechen
Doping: Cofidis-Profi di Gregorio angeklagt
Dem Franzosen werden Dopingbesitz und verbotene Blutbehandlungen vorgeworfen. Di Gregorio ist sich keiner Schuld bewusst.
Marseille - Der am Ruhetag der Tour de France (
täglich im LIVE-TICKER) verhaftete französische Radprofi Remy di Gregorio ist am Donnerstag wegen des Besitzes verbotener Substanzen beziehungsweise unerlaubter medizinischer Ausrüstung angeklagt worden, beteuert jedoch seine Unschuld.
"Ich habe niemals gedopt. Allen, die mich unterstützen, kann ich nur sagen, dass ich noch immer in den Spiegel schauen kann" sagte di Gregorio.
Beim Cofidis-Profi waren Präparate für Glukose-Injektionen gefunden worden, die ohne ein entsprechendes medizinisches Gutachten verboten sind.
Blutbehandlung mit Ozon
Zudem hat di Gregorio zwischen Ende Mai und Ende Juni sein Blut anscheinend mindestens vier Mal von einem ebenfalls verhafteten Arzt mit Ozon behandeln lassen.
Dieser Vorgang dient vor allem der Entschlackung und soll die Durchblutung fördern. Die leistungssteigernde Wirkung von Ozonbehandlungen ist jedoch umstritten.
"Es geht um medizinische oder halbmedizinische Praktiken, die verboten sind. Wir reden vielleicht nicht von einer Dopingsubstanz, doch die Methode ist nicht erlaubt", sagte der zuständige Staatsanwalt Jacques Dallest.
Anwalt Mattei zeigt kein Verständnis
Sport1 Quiz
10 Fragen zu den Rekorden der Tour de France
Di Gregorios Rechtsbeistand Dominique Mattei sieht seinen Mandanten zu unrecht beschuldigt.
"Wo ist die Grenze zwischen körperlicher Vorbereitung und Doping? Diese Frage werden nun Experten beantworten müssen", so der Anwalt.
Ein 75 Jahre alter Arzt, der neben di Gregorio und einer weiteren Person verhaftet worden war, hatte die Behandlung mit Ozon und Glukose-Injektionen gestanden. Der Mediziner soll wegen "verbotener Behandlungsmethoden" angeklagt werden.
Dritte inhaftierte Person kommt frei
Die dritte inhaftierte Person wurde am Mittwoch auf freien Fuß gesetzt.
Sie war mit Vitaminen, Bluttransfusionen, Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Substanzen aufgegriffen worden, die derzeit genauer untersucht werden.
"Diese Person war ein Freund aus Marseille, der die vom Fahrer aus dem Internet gekauften Produkte liefern wollte", sagte Dallest.
Verfahren läuft seit letztem Jahr
Deutsche Dopingsünder
Jörg Paffrath
Der Kölner Halbprofi wurde bei den deutschen Meisterschaften 1996 positiv getestet und für sechs Monate gesperrt. Er gestand 1997, über 20 Dopingmittel in seiner
Karriere eingenommen zu haben, und prangerte gleichzeitig systematisches Doping im Radsport an. Er wurde vom BDR lebenslang gesperrt und am 13. Mai 2003 nach einer Entschuldigung begnadigt.
Uwe Ampler
Uwe Ampler wurde Anfang August 1999 bei der Sachsen-Tour positiv auf Testosteron getestet und daraufhin für neun Monate gesperrt. Bereits 1994 hatte Ampler behauptet, in seiner Zeit bei Telekom (1992, 1993)
unwissentlich mit EPO gedopt worden zu sein.
Dirk Müller
Der spätere Deutsche Meister von 2006 wurde bei der Regio-Tour 2000 positiv auf das Schwangerschaftshormon HCG
getestet und für ein halbes Jahr gesperrt. Er fuhr damals für Post Swiss.
Danilo Hondo
Der Cottbuser wurde als Gerolsteiner-Fahrer im März 2005 zweimal positiv auf Carphedon getestet. Hondo kämpfte
juristisch vor mehreren Instanzen erfolglos gegen seine zweijährige
Sperre an und startete einen Neuanfang beim zweitklassigen Rennstall Diquigiovanni.
Matthias Kessler
Am 24. April 2007, einen Tag vor dem Halbklassiker Fleche Wallonne, wurde der Nürnberger positiv auf Testosteron getestet. War Ende 2006 von T-Mobile zu
Astana gewechselt, das ihn nach der Bestätigung durch die B-Probe entließ.
Bert Dietz
Der frühere Vuelta-Etappensieger brachte den Telekom-Skandal ins Rollen. Dietz beichtete am 21. Mai 2007 in der ARD-Sendung "Beckmann" als Erster, während seiner Telekom-Zeit unter anderem EPO und
Cortison genommen zu haben.
Christian Henn
1999 wurde beim damaligen Telekom-Profi und heutigen Gerolsteiner-Sportdirektor ein erhöhter Testosteron/Epitestosteron-Quotient festgestellt. Er wurde für
sechs Monate gesperrt. Henn legte am 22. Mai 2007 ein Doping-Geständnis ab. In seiner Telekom-Zeit von 1995 bis 1999 habe er EPO genommen.
Udo Bölts
Der Heltersberger legte am 23. Mai 2007 ein Doping-Geständnis ab. Er habe in seiner Telekom-Zeit zwischen 1995 und 1998 EPO und Wachstumshormone genommen.
Rolf Aldag
Der Westfale legte am 24. Mai 2007 mit Erik Zabel ein Doping-Geständnis ab. Er habe von 1995 bis
2002 EPO genommen.
Erik Zabel
Der Sprinter legte am 24. Mai 2007 gemeinsam mit Rolf Aldag in Bonn ein Doping-Geständnis ab. Er habe bei Telekom während der Tour 1996 "einmalig" EPO genommen.
Patrik Sinkewitz
Am 8. Juni 2007 wurde er bei einer Trainingskontrolle positiv auf Testosteron getestet. Er legte ein
Geständnis ab, ist nach Ablauf seiner einjährigen Sperre aber noch ohne neuen Rennstall.
Jörg Jaksche
Der Ansbacher gestand am 30. Juni 2007 in einem "Spiegel"-Interview langjähriges Doping. Er bestätigte zugleich, in den Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes
verwickelt zu sein.
Stefan Schumacher
Der WM-Dritte von 2008 wurde bei der Tour de France und positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet. Auch von den Olympischen Spielen in Peking liegt eine positive A-Probe vor. Schumacher war schon mehrfach ins Visier der Dopingfahnder geraten, unter anderem wegen eines erhöhten Hämatokrit-Werts vor der WM 2007.
Jan Ullrich
Verwicklung in die Fuentes-Affäre: Im Februrar 2012 sprach der CAS Jan Ullrich schuldig, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Sämtliche Ergebnisse Ullrichs seit Mai 2005 werden gestrichen, zudem wird er zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt.
Di Gregorio war am ersten Ruhetag der 99. Tour de France bei einer Razzia im Mannschaftshotel der französischen Equipe Cofidis in Bourg-en-Bresse verhaftet worden
(BERICHT: Razzia bei Cofidis: Profi verhaftet).
Die Verhaftung di Gregorios ist Teil eines Ermittlungsverfahrens, das bereits seit vergangenem Jahr bei der Staatsanwaltschaft Marseille läuft. (DIASHOW: Die spektakulärsten Dopingfälle)
Damals stand der 26 Jahre alte di Gregorio bei der kasachischen Mannschaft Astana unter Vertrag.