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Fabian Cancellara (l.) fährt seit 2006 im gleichen Team wie Fränk Schleck © getty

Fuglsang und ein Star-Trio warten auf Geld, der Däne klagt sogar. Vom drohenden Aus will man bei RadioShack aber nichts wissen.

Von Jakob Gajdzik und Raphael Weber

München - Der Finanzstreit bei RadioShack-Nissan spitzt sich zu.

Nachdem schon länger über Geldprobleme beim luxemburgischen Radsportteam spekuliert wurde, geht Fahrer Jakob Fuglsang jetzt in die Offensive.

Der Däne zieht wegen der ausstehenden Gehälter gegen die Rennstall-Trägergesellschaft Leopard S.A. vor Gericht, wie die dänische Tageszeitung "Ekstrabladet" berichtet.

Schon vor der Tour de France (täglich im LIVE-TICKER) haben sich laut "SZ" die Team-Stars Fabio Cancellara, der dieses Jahr sieben Tage in Gelb fuhr, und die Schleck-Brüder Fränk und Andy über die fehlende Vergütung beim Weltverband UCI beschwert.

Rennstall bestätigt Beschwerde

Eine Reaktion aus den Reihen von Teameigner Flavio Becca ließ nicht lange auf sich warten.

"Es hat uns natürlich überrascht, dass sich die Schlecks und Fabian Cancellara bei der UCI beschwert haben", sagt dessen Vertreter Carlo Rock der" SZ".

Durch Fuglsangs Klage bekommen die Gehaltsquerelen bei RadioShack eine neue Qualität.

Jeder der Schleck-Brüder soll auf 500.000 Euro warten, Fuglsang auf 150.000. 586553(DIASHOW: Die Bilder der 3. Woche der Tour)

Kollaps-Gerüchte dementiert

Team-Mäzen und Immobilien-Makler Becca soll in finanziellen Nöten stecken und deswegen nicht das nötige Kleingeld zur Hand haben.

Dass die Equipe deshalb vor dem Kollaps stehe, wird offiziell aber dementiert.

"Wir bestreiten, dass es ein Szenario gibt, das als Zusammenbruch oder Insolvenz interpretiert werden kann", ließ das von der Leopard SA geführte Team verlauten.

Im schlimmsten Fall Lizenzentzug

Dagegen spricht ein Bericht des luxemburgischen "Tagblatt", wonach Leopard S.A in seiner Bilanz von 2011 nach dem ersten Geschäftsjahr Schulden in Höhe von 7,6 Millionen Euro hat.

Im schlimmsten Fall droht RadioShack gar der Lizenzentzug. Insider gehen inzwischen offenbar davon aus, dass es so kommen wird.

Zudem wird wegen Verdacht der Unterschlagung von Firmeneigentum gegen Becca ermittelt. Im September 2011 und im Januar 2012 Razzien bei ihm durchgeführt.

Angeblich Sicherheitsmaßnahme

Die fehlende Zahlung an Fuglsang begründet Leopard in Person von Rock mit einer Namensänderung von dessen Firma, auf deren Konto das Gehalt überwiesen wird.

"Wir haben ihn darum gebeten, uns zu belegen, dass es sich um ein seriöses Geschäft handelt", erklärt Rock: "Bis heute haben wir keine entsprechenden Dokumente erhalten. Deshalb haben wir kein Geld ausgezahlt."

Ähnlich verhalte es sich bei den Schlecks. Die Brüder warten noch auf etwa ein Viertel ihres Gehalts, den Anteil für "Image-Rechte". Diese können in Luxemburg günstig versteuert werden.

Man habe das Geld einbehalten weil es "auf Konten von undurchsichtigen Firmenkonstrukten überwiesen werden soll. Wir müssen doch sicher sein, dass wir da nicht Geldwäsche unterstützen", begründet Rock.

Fuglsang kaltgestellt

Im Falle Fuglsang kommt ein pikantes Detail hinzu: Der dänische Zeitfahrmeister und Bergspezialist Fuglsang wurde von RadioShack überraschend nicht für die Tour nominiert.

Nach seinen geäußerten Wechselabsichten wird der Däne außerdem in diesem Jahr keine World-Tour-Rennen für das luxemburgische Team bestreiten, ließ Teamchef Johan Bruyneel seinerzeit mitteilen.

Schlecks direkt nach Deutschland?

Verliert RadioShack tatsächlich die Lizenz, wären alle Fahrer frei für neue Teams.

Da passt die Meldung von Anfang Juli ins Bild, dass Shampoo-Gigant Alpecin in Deutschland ein neues Superteam auf die Beinen stellen will (Bericht) ? mit den Schleck-Brüdern sowie RadioShacks deutschen Fahrern Jens Voigt und Linus Gerdemann.

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