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Fränk Schleck wurde bereits viermal luxemburgischer Meister im Straßenrennen © getty

Die Tour de France 2012 hat ihren ersten Dopingfall. Der Luxemburger bestreitet bewusstes Doping und will Anzeige erstatten.

Pau - Nach der positiven Dopingprobe geht Fränk Schleck in die Offensive: Der Luxemburger schiebt das positive Ergebnis auf eine Vergiftung zurück.

Per Pressemitteilung teilte der unter Dopingverdacht stehende Kapitän vom Team RadioShack mit, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

"Ich bestreite, eine verbotene Substanz genommen zu haben. Ich kann mir das Ergebnis der Probe nicht erklären", teilte Schleck mit.

"Sollte die B-Probe das Ergebnis bestätigen, werde ich Anzeige gegen Unbekannt wegen Vergiftung stellen."

Bombe platzt am Abend

Am Abend des zweiten Ruhetages hatte der Radsport-Weltverband UCI die Bombe platzen lassen:

In der Urinprobe des Luxemburger Vorjahresdritten wurden Spuren des Diuretikums Xipamid nachgewiesen.

Das Team nahm Schleck daraufhin noch am Abend aus dem Rennen. (DATENCENTER: Die Ergebnisse der Tour)

RadioShack-Nissan weist Verantwortung zurück

"Auch wenn dies nach einer solchen A-Probe kein notwendiger Schritt ist, haben sich Mannschaftsleitung und Fahrer auf diesen Schritt verständigt, damit sich Herr Schleck mit seinen Anwälten beraten kann", hieß es in einem Statement des Rennstalls, ehe Schleck schon von der französischen Polizei vernommen wurde:

"Wir möchten klarstellen, dass Xipamid keine von uns verwendete Substanz ist und die Ursache des positiven Tests für uns nicht erklärbar ist."

Zuvor hatte der Weltverband verkündet: "Die UCI erwartet, dass Schleck im Einklang mit den Anti-Doping-Regeln mit sofortiger Wirkung suspendiert wird."

Franke überrascht

Der 32-Jährige habe nun das Recht, die Öffnung der B-Probe zu beantragen.

Der Heidelberger Molekularbiologe und Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke sagte:

"Ich hätte nicht gedacht, dass er so naiv ist. Die Rechnung von Dopingarzt Fuentes für die Schleck-Brüder habe ich ja noch vorliegen. Die hat das Bundeskriminalamt damals ja gefunden."

Schleck schon lange im Fokus

Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass der Name Schleck im Zusammenhang mit dem Thema Doping fällt. 2008 wurde Fränk Schleck verdächtigt, in die Operacion Puerto verwickelt zu sein.

Er soll dem berüchtigten Doping-Arzt Eufemiano Fuentes Gelder überwiesen haben. Die luxemburgische Anti-Doping-Agentur ALAD stellte das Verfahren gegen Schleck mangels Beweisen jedoch ein.

Ein Kontakt zu Fuentes wurde auch Jan Ullrich nachgewiesen, was 2006 zu dessen Ausschluss von der Tour de France führte.

Mittel zur Maskierung von Doping-Substanzen

Xipamid ist ein Mittel, um die Ausscheidung von Flüssigkeiten und Elektrolyten über die Nieren zu steigern.

Es wird verwendet, um Wassereinlagerungen aus dem Körper auszuschwemmen.

Dadurch hat es eine mögliche maskierende Wirkung für Doping-Substanzen. Eine direkte leistungssteigernde Wirkung haben Diuretika nicht.

Schleck unauffällig im Hauptfeld

Die betreffende Probe hatte das von der Welt-Antidopingagentur WADA akkreditierte Labor in Chatenay-Malabry am Samstag nach Etapppenende in Cap d'Agde genommen.

Schleck war unauffällig im Hauptfeld ins Ziel gekommen. (586553DIASHOW: Die Bilder der 3. Woche der Tour)

Der Teamkollege der deutschen Routiniers Jens Voigt und Andreas Klöden lag zum Zeitpunkt der Bekanntgabe seines positiven Tests auf dem zwölften Platz des Gesamtklassements.

Fränk Schleck ist der ältere Bruder von Andy Schleck, der die laufenden Frankreich-Rundfahrt wegen eines Steißbeinbruches hatte absagen müssen.

Der 27-Jährige war nach der Verurteilung des ursprünglich siegreichen Spaniers Alberto Contador nachträglich zum Tour-Gewinner 2010 erklärt worden.

Weitere Hiobsbotschaft

Für RadioShack-Nissan ist der positive Test eine weitere Hiobsbotschaft. Nach diversen Querelen und Streitigkeiten kämpft das erst zum Saisonanfang gegründete "Super-Team" um seinen Fortbestand.

Das Team soll akute finanzielle Schwierigkeiten haben, zuletzt legten einige Fahrer, darunter auch die Schleck-Brüder, Beschwerde bei der UCI über Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen ein. (BERICHT: RadioShack in Bedrängnis)

Zudem wird RadioShack vom Belgier Johan Bruyneel geleitet, der von der US-Anti-Doping-Agentur USADA wegen Dopings angeklagt ist.

Er soll Lance Armstrong mit dessen Wissen durch systematisches Doping zu sieben Tour-Siegen geführt haben. Aufgrund der jüngsten Vorwürfe war Bruyneel der Tour 2012 ferngeblieben.

Auswirkungen auf Deutschland?

Ein Dopingfall Fränk Schleck könnte auch Auswirkungen auf den Profi-Radsport in Deutschland haben.

Die Schleck-Brüder waren zuletzt als Stars einer möglichen deutschen Top-Mannschaft gehandelt worden, die als "Team Alpecin" ab dem kommendem Jahr an den Start gehen soll.

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