Heftiger Zoff um Fall Armstrong
Von Martin Hoffmann
München - In den Dopingermittlungen um Lance Armstrong ist ein offener und heftiger Zuständigkeitsstreit entbrannt.
Der Radsport-Weltverband UCI im Fall um den siebenmaligen Tour-de-France-Gewinner die Entscheidungsgewalt – was die Anklage der US-Anti-Doping-Agentur USADA ausbremsen würde.
Dies ist am Freitag im Zuge des Rechtsstreits zwischen dem Armstrong-Lager und der USADA öffentlich geworden.
In einem Brief, den UCI-Präsident Pat McQuaid am 13. Juli an die USADA verfasste, spricht der Ire der Behörde die Zuständigkeit für den Fall ab und verlangt von ihr die Herausgabe aller ihn betreffenden Dokumente.
UCI "die einzige Autorität"
Sein Verband sei die "einzige Autorität in der Verwaltung der Testergebnisse".
Die UCI wolle, dass der Fall "mit all seinen Beweisen von einem unabhängigen Gremium beurteilt wird, dass dann entscheidet, ob sich die Beklagten verantworten müssen".
Die UCI finde das Vorgehen der USADA rechtlich und ethisch "problematisch": "Die UCI hat keine anderen Informationen, außer dass potenzielle Zeugen von der USADA angesprochen wurden und ihnen Vorteile als Gegenleistung für belastende Aussagen versprochen wurde, was ebenfalls problematisch ist."
Verwunderlich dabei: McQuaid hatte kurz zuvor in mehreren Interviews erklärt, dass sein Verband in den Fall "nicht involviert" sei, was von den meisten Beobachtern als Anerkennung der USADA-Zuständigkeit gedeutet wurde.
"Fuchs, der den Hühnerstall bewacht"
Die USADA weist McQuaids Position nun entschieden zurück und lehnt es ab, der UCI das Material des Armstrong-Falls zu übergeben - unter Berufung auf die Regularien der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und des US-amerikanischen Olympia-Komitees USOC.
"Auf die Unfähigkeit von Sportorganisationen, Dopingpraktiken effektiv zu verfolgen, ist oft hingewiesen worden", heißt es in einem Antwortschreiben von USADA-Anwalt William Bock an McQuaid.
Bock spricht mit Blick auf das UCI, dem häufig eine zu große Nähe zu dem früheren Aushängeschild der Sportart vorgeworfen wurde, vom sprichwörtlichen "Fuchs, der den Hühnerstall bewacht".
McQuaid benutze "dieselben Argumente wie Armstrongs Anwälte und PR-Berater".
USADA-Chef will sich nicht einschüchtern lassen
USADA-Chef Travis Tygard geht noch weiter: "Die UCI und die Teilnehmer der Verschwörung, die den Sport mit gefährlichen Dopingmitteln betrogen haben, haben einen starken Anreiz zu vertuschen, was sich ereignet hat."
Jeder Versuch, "uns durch Einschüchterung oder Druck dazu zu bringen, das zu tun, wird uns nicht davon abhalten, die Arbeit zu tun, für die wir zuständig sind".
Die Anti-Doping-Agentur fordert von der UCI die Gründung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission "um den Radsport endgültig zu reinigen".
Aberkennung der Tour-Siege droht
Die USADA hatte den Anfang 2011 zurückgetretenen Armstrong im Juni formal des Dopings angeklagt.
Die Agentur gründet ihre Vorwürfe auf zehn Zeugen, unter ihnen Armstrongs einstige Teamkollegen Tyler Hamilton und Floyd Landis.
Armstrong, der alle Anschuldigungen zurückweist, droht neben einer lebenslangen Sperre auch die Aberkennung seiner Tour-Siege.