Contador-Comeback auf 36 Gipfeln
Von Dominik Laska
München - Der Kampf um das Rote Trikot ist wieder eröffnet.
Die Jubelbilder der Medaillengewinner von den Olympischen Spielen in London sind kaum aus den Köpfen verschwunden, da steht auf der iberischen Halbinsel die dritte große Rundfahrt der Saison an.
Nach dem Giro d'Italia und der Tour de France startet am 18. August 2012 die Vuelta a Espagna.
Auf 21 Etappen quälen sich die insgesamt 198 Fahrer von Pamplona ausgehend über 3300 Kilometer. Das Ziel heißt Madrid, wo am 9. September die 67. Auflage der Spanien-Rundfahrt zu Ende gehen wird.
Kurze, explosive Etappen
Das Profil der Rundfahrt ist perfekt auf die Kletterspezialisten im Feld zugeschnitten. 36 Gipfel müssen erklommen werden, darunter stehen sechs schwere Bergankünfte auf dem Plan.
Bereits die dritte Etappe von Faustino nach Eibar endet mit einem im Schnitt 7,8 Prozent steilen Anstieg hinauf zum Alto de Arrate.
Das "Dach" der Rundfahrt wird auf der vorletzten Etappe befahren. Im Schlussanstieg hinauf zum Bola del Mundo geht es auf satte 2247 Höhenmeter.
"Das haben die Fans gefordert. Wir wollten kurze, aber dafür explosive Etappen", sagte Renndirektor Javier Guillen zu dem straffen Profil durch Nordspanien.
Im Gegensatz zur Tour de France wird der Kampf gegen die Uhr nicht zu viel Einfluss auf die Entscheidung im Gesamtklassement haben. Lediglich ein Mannschaftszeitfahren über 16,2 Kilometer zu Beginn und ein Einzelzeitfahren über 40 Kilometer von Cambados nach Pontevedra stehen auf dem Programm.
Contador peilt Gesamtsieg an
Auf den Gesamtsieg können sich gleich mehrere Fahrer berechtigte Chancen machen.
Das Team Saxo Bank-Tinkoff Bank setzt alles auf Alberto Contador, der nach seiner am 5. August abgelaufenen Doping-Sperre und dem Comeback bei der Eneco-Tour (Vierter im Gesamtklassement) wieder eine große Rundfahrt bestreiten wird.
"Unser einziges Ziel bei der Vuelta ist, durch Alberto Contador die Gesamtwertung zu gewinnen. Alberto hat sich bei der Eneco Tour Rennhärte geholt und gezeigt, dass er zu alter Stärke zurückgefunden hat. Er ist bereit, die letzte große Rundfahrt der Saison zu gewinnen", sagt Teamchef Bjarne Riis.
Van den Broeck und Froome lauern
Neben Contador sind aber auch Jürgen van den Broeck (Lotto Belisol) und Christopher Froome (Sky ProCycling) ganz heiße Kandidaten für das Rote Trikot.
Der Belgier van den Broeck beendete die diesjährigen Tour de France auf einem starken vierten Platz. Auch im letzten Jahr fuhr der 29-Jährige in Spanien schon in die Top Ten und kam in Madrid als Achter ins Ziel.
Auch Froome, Zweitplazierter aus dem letzten Jahr, zeigte sich in dieser Saison bereits in bärenstarker Verfassung, belegte bei der Tour Platz zwei hinter Teamkollege Bradley Wiggins und sicherte sich bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren.
Falls es nötig sein sollte, wolle sich Froome aber vollends in den Dienst der Mannschaft stellen: "Ich fahre zwar für das Gesamtklassement, aber sollte einer meiner Teamkollegen in einer besseren Ausgangslage sein, das Rennen zu gewinnen, werde ich gerne für sie arbeiten."
Movistar setzt auf Spanien-Duo
Zudem sollte man das spanische Duo um Alejandro Valverde und Juan Jose Cobo (beide Movistar) auf der Rechnung haben.
Titelverteidiger Cobo kann sich dabei auf die Hilfe seines Landsmannes verlassen. "Ich will um Etappensiege kämpfen, vor allem, weil mir einige Zielankünfte liegen, und Juan Jose Cobo helfen, der unser Kapitän sein wird", erklärte Valverde, der im Jahr 2009 bei der Spanien-Rundfahrt triumphieren konnte.
Sechs Deutsche am Start
Jörg Paffrath
Der Kölner Halbprofi wurde bei den deutschen Meisterschaften 1996 positiv getestet und für sechs Monate gesperrt. Er gestand 1997, über 20 Dopingmittel in seiner Karriere eingenommen zu haben, und prangerte gleichzeitig systematisches Doping im Radsport an. Er wurde vom BDR lebenslang gesperrt und am 13. Mai 2003 nach einer Entschuldigung begnadigt.
Neben Grischa Niermann (Rabobank), Linus Gerdemann (RadioShack), John Degenkolb, Simon Geschke und Johannes Fröhlinger (alle Argos-Shimano) wird auch Tony Martin (Omega Pharma-Quickstep) als einer von sechs Deutschen im 198-köpfigen Fahrerfeld stehen.
Der in der bisherigen Saison von Verletzungen geplagte Zeitfahrweltmeister von 2011 wird in Spanien zwar im Sattel sitzen, hat das Gesamtklassement jedoch nicht als Primärziel.
Vielmehr soll die Rundfahrt für den Silbermedaillengewinner von London als Vorbereitung für die anstehenden Straßen-Weltmeisterschaften (15. - 23. September in Limburg/Niederlande) dienen.
"Tony kann seine Fähigkeiten als Zeitfahrer im eröffnenden Mannschaftszeitfahren und auch im Einzelzeitfahren unter Beweis stellen. Er könnte einen weiteren wichtigen Schritt Richtung seines Top-Niveaus machen, sogar in den Bergen", sagt sein Sportdirektor Davide Bramati.
Auf den 36 Gipfeln von Pamplona nach Madrid wird er dazu genügend Gelegenheit haben.