"Niemanden betrogen": Miller verteidigt Armstrong
München - Ski-Star Bode Miller hat nach dem überraschenden Rückzug des früheren Radprofis Lance Armstrong in dessen Dopingverfahren einen zweifelhaften Verteidigungsversuch unternommen.
"Niemand ist in diesem Sport wirklich sauber, also hat er auch niemanden betrogen", twitterte der Olympiasieger und viermalige Weltmeister am Freitag:
"Sollten sie jemanden erwischen, ist das in Ordnung. Aber das jetzt ist Vergangenheit", schrieb der 34-Jährige weiter.
Miller hält den siebenmaligen Tour-Sieger für ungerecht behandelt. "Ich bin unglücklich über die Umstände und den Verlauf der ganzen Sache. Er hat etwas Besseres verdient", erklärte er.
"Er war im Radsport der Beste"
Der Skirennfahrer glaubt aber, dass die Geschehnisse Armstrongs Popularität keinen Abbruch tun werden. Der Texaner sei ein "inspirierender Fahrer" gewesen, der "eine Menge Arbeit für Krebs-Stiftungen geleistet" habe.( ARMSTRONG: Alle Tour-Titel wohl futsch)
"Ich stecke in diesem Fall nicht drin, weiß nicht, ob die Sache jetzt beendet ist. Ich weiß nur, dass er als Radfahrer eine große Stärke und Intelligenz besaß", hält sich auch Alberto Contador, dem der Sieg 2010 wegen Dopings aberkannt worden war, mit einem Urteil zurück.
Pedro Delgado, bei seinem Tour-de-Frace-Sieg 1988 nachweislich gedopt, meint: "Wir wissen, dass die Opfer immer die Radfahrer sind. Lance Armstrong ist ein Mensch mit Charakter, der viel für den Radsport getan hat, ich verstehe seine Entscheidung. Aber man kann ihn nicht vom Podium stoßen."
"Man muss nicht jemanden nachrücken lassen"
Rudolf Scharping, Präsident des BDR, vertritt da eine ganz andere Meinung: "Wenn man Ruhe in den Radsport bringen will, muss man dafür sorgen, dass Sportler wie Armstrong aus den Ergebnislisten gestrichen werden", ergänzte aber:
"Man muss aber nicht zwingend jemanden nachrücken lassen. Stellen Sie sich mal vor, gegen irgendeinen derer, die da nachgerückt sind, wird nach Jahren aufgrund neuer Methoden etwas entdeckt und Anklage erhoben. Ich glaube, das führt zu nichts."
Wenig milde geht auch die internationale Presse mit dem Noch-Rekordsieger der Frankreich-Rundfahrt um. Die Presseschau:
SCHWEIZ
Berner Zeitung: "Das Ende des Lügensystems Armstrong. Will der Familienvater, der sich selbst als moralische Institution darstellte, nicht als notorischer Lügner und Betrüger in die Geschichte des Radsports eingehen, muss er nun den letzten Schritt machen und zugeben, dass er bei seinen Erfolgen mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen hat."
FRANKREICH
Le Parisien: "Der Verfall eines Siegers ohne Normen. Lance Armstrong wirft das Handtuch und zieht einen Schlussstrich."
Le Monde: "Wer hat die Rundfahrten nach 1999 wirklich gewonnen? Der Rückzug von Lance Armstrong und die Aberkennung seiner sieben Tour-Titel zeigt sehr gut, dass Doping Diebstahl ist."
Liberation: "Doping: Armstrong wird seine sieben Tour-Titel verlieren."
USA
Daily News: "Tour des Betrugs: Armstrong will nicht länger kämpfen und die Anfeindungen seiner früheren Teamkollegen hinnehmen. Jetzt zeigt er sich selbst verwundbar."
Washington Post: "Lance Armstrong hat die schwersten Rad-Rennen der Welt durchgestanden und den Hodenkrebs besiegt, den jetzigen Kampf will er aber nicht fortsetzen."
ITALIEN
Repubblica: "Armstrong kapituliert. Er ist weder ein Heiliger, noch ein Monster. Er ist ein Mensch, der gewonnen, verloren und gekämpft hat. Er ist ein Radprofi, der zur Bekämpfung des Tumors Substanzen eingenommen hat, die auch diejenigen einnehmen, die Doping betreiben. In vielen Jahren ist Armstrong kein einziges Mal positiv bei Dopingkontrollen getestet worden. Und dies bei Hunderten von Tests. Er hat sich jedoch stets geweigert, Beweise vorzulegen, um alte, oft sehr alte Vorwürfe zu bestreiten, wie zum Beispiel die Urinproben aus dem Jahr 1999, die wie alter, kostbarer Wein aufbewahrt worden sind."
DÄNEMARK:
Jyllands-Posten: "Dieser Lance Amrstrong, der größte Radfahrer der jetzigen Generation, fiel definitv von seinem Thron, nachdem er den Kampf gegen die USADA aufgegeben hatte."
Berlinske: "Neue Tour-Gewinner - sind sie sauber? Wenn Lance Armstrong seine sieben Titel verliert, werden stattdessen bestimmt nicht die unschuldigsten Fahrer ausgezeichnet."