Kaugummi statt Kaltstart
Lance Armstrong wehrt sich nicht länger dagegen, des Dopings bezichtigt zu werden.
Von einem Erfolg sprechen seine Jäger von der US-Anti-Doping-Agentur USADA dennoch nicht, obwohl sie die Weigerung des Tour-de-France-Rekordgewinners, sich bei der Verhandlung zu rechtfertigen, als Schuldeingeständnis werten.
Sie sagen nun, dass alle Ergebnisse des Amerikaners seit dem 1. August 1998 zu streichen sind. ( ARMSTRONG: Alle Tour-Titel wohl futsch)
Doch dafür ist der Weltverband UCI zuständig - und der wartet lieber eine ausführlichere Begründung ab.
Nachdem sich der Kampf gegen den einstigen "Patron" der Tour seit Monaten wie ein Kaugummi hinzieht und den gegen aktuelle Sünder behindert, verpasst die UCI es, einen Schlussstrich unter dieses dunkle Kapitel zu ziehen.
Und dabei will selbst der Beschuldigte nichts anderes, als endlich seine Ruhe zu haben. Dabei sind die Aussagen der Zeugen - darunter Armstrongs Ex-Kollegen Tyler Hamilton und Floyd Landis - erdrückend.
Armstrong belehrt zudem auch die letzten Gutgläubigen eines Schlechteren, wenn er sich der Ullrich'schen Verteidigung anschließt und sagt, dass er nur das getan habe, was alle tun: "Ich weiß, wer diese Titel gewonnen hat, meine Teamkollegen wissen es und auch die früheren Konkurrenten wissen es. Es gab keine Abkürzungen, keine spezielle Behandlung, immer dieselben Routen und Regeln. "
Nach diesen Regeln sind auch die gefahren, die im Falle einer Aberkennung der Armstrong-Erfolge nun dessen Erbe antreten würden: Auf den Tour-Zweiten Alex Zülle (1999), Joseba Beloki (2002): Andreas Klöden (2004), Ivan Basso (2005) und nicht zuletzt Jan Ullrich (2000/2001/2003) lastet ebenfalls ein Dopingschatten.
Zögert die UCI deshalb zu handeln? Dabei ist doch angesichts der Vergehen, die auch den Dritt- und Viertplatzierten nachgewiesen worden sind, klar, dass es keine Sieger geben kann.
Mit der Streichung aller Ehren für diese Stand heute finsterste Radsport-Ära wäre ein Kaltstart erreicht, der Hoffnung auf eine neue machen könnte, in der Doping schneller und konsequenter aufgearbeitet wird.
Nun vergeht weitere Zeit mit dem Rätseln, wer den nun diese sieben Titel haben soll und will. Ullrich versucht sich immerhin daran abzulehnen: "Ich bin stolz auf meine zweiten Plätze." ( ULLRICH: Keine Vorfreude auf Tour-Siege)