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Floyd Landis: Sein Toursieg 2006 wurde ihm wegen Dopings aberkannt. © getty

Floyd Landis steht nach seiner Doping-Sperre vor dem Comeback. Von Einsicht keine Spur: Landis lehnt die Doping-Agenturen ab.

München - Er verlor seinen Sieg bei der Tour de France wegen Dopings, prozessierte sich nach seiner Sperre fast in den Ruin und ist immer noch von seiner Unschuld überzeugt:

Am Donnerstag läuft die zweijährige Sperre von Radprofi Floyd Landis ab. Der US-Amerikaner fährt künftig für das zweitklassige Team Ouch, traut den Doping-Kontrolleuren nach seiner Justiz-Odyssee aber nicht mehr über den Weg.

"Ich habe kein Vertrauen mehr in die Anti-Doping-Agenturen. Sie interpretieren die Regeln, die sie selbst geschrieben haben, wie sie sie gerne hätten", sagte Landis.

Landis: "Ich will fahren

Trotzig fügte er an: "Das sind halbherzige Tests, aber ich habe keine Wahl. Ich will fahren und muss die Regeln akzeptieren."

Landis fuhr lange Jahre im Team von Lance Armstrong, stand stets im Schatten des siebenmaligen Tour-Siegers. Doch 2006, ein Jahr nach dem ersten Rücktritt Armstrongs, schien die Stunde des streng gläubigen Rundfahrers gekommen. Er war - im Gegensatz zu Armstrong - in Frankreich beliebt, galt als freundlich und intellektuell.

Die Tour 2006 wird zum Desaster

Die Tour sollte der Höhepunkt seiner Karriere werden - und wurde letztlich für ihn zum Desaster. Auf der 16. Etappe brach Landis, im Gelben Trikot fahrend, komplett ein und verlor in der Gesamtwertung mehr als zehn Minuten.

Mit einem nie dagewesenen Alleingang gewann er einen Tag später die schwere Bergetappe nach Morzine, machte sieben Minuten gut und lag auf Platz drei der Gesamtwertung.

Doping beim Husarenritt

Landis kämpfte sich ganz nach vorn und gewann die Tour mit 29 Sekunden Vorsprung auf den Spanier Oscar Perreiro. Wenige Tage später wurde der Jubel um den US-Boy plötzlich erstickt - Landis wurde nach seinem Husarenritt nach Morzine positiv auf Testosteron getestet.

Sein Rennstall Phonak entließ den damals 30-Jährigen, er wurde gesperrt, und am 20. September 2007 wurde ihm von Tour-Organisator ASO der Sieg beim wichtigsten Radrennen der Welt aberkannt. Landis führte einen Millionen Dollar teuren Prozessmarathon, zweifelte an der Glaubwürdikeit der Labors und der Tests.

Juristische Achterbahn

Am 30. Juni 2008 besiegelte der Internationale Sportgerichtshof CAS den Fall endgültig. Das Gericht bestätigte die Sperre, die Aberkennung des Tour-Sieges und eine sechsstellige Geldstrafe.

Die juristische Achterbahnfahrt hat der Rotschopf abgehakt. "Es war eine traumatische Erfahrung, aber jetzt will ich nur noch Rennen fahren", sagte Landis. Für sein neues Team Ouch, ein Zentrum für Sportmedizin, will er vorrangig in den USA aktiv sein. Eine Rückkehr nach Europa oder gar zur Tour strebt Landis vorerst nicht an.

Comeback im Februar

Sein Comeback gibt er am 14. Februar bei der Kalifornien-Rundfahrt, die er bereits 2006 gewann. Daneben will Landis weitere Rennen wie die Tour of Missouri, Tour of Utah oder diverse Eintagesrennen fahren.

Das Team wird von Landis' Leibarzt Brent Kay gesponsert. Der Amerikaner hatte auch die Operation an der Hüfte des Rundfahrt-Spezialisten durchgeführt.

Armstrong: "50 Prozent glauben an seine Unschuld"

Kurz vor seinem Comeback klingt er wie sein alter Weggefährte Armstrong. Er fühle sich ein bisschen nervös. Er habe gut trainiert, aber ein Rennen könne man nicht simulieren. Und sein alter Boss hält zu seinem Wasserträger. "Floyd wurde zwar schuldig gesprochen, aber wenn man die Leute fragt, glauben bestimmt 50 Prozent an seine Unschuld", sagte Armstrong. (Armstrong attackiert nur für die Kamera)

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