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Alberto Contador übernimmt das Rote Trikot von Joaquin Rodriguez © getty

Dank einer Leistungsexplosion gewinnt der Spanier die 17. Etappe der Vuelta. In der Gesamtwertung fliegt er an Rodriguez vorbei.

Fuente De - Auf einmal war alles wieder wie früher. So, als wäre Alberto Contador nie weg gewesen.

Auf der Zielgeraden in Fuente De war von seinem großen Rivalen Joaquin Rodriguez weit und breit nichts zu sehen.

Mit einem kaum noch für möglich gehaltenen Antritt auf dem Schlussanstieg der zweiten Kategorie hatte Contador seinen spanischen Landsmann auf der 17. Etappe einfach stehen lassen und das Rote Trikot abgejagt.

Der zweite Vuelta-Sieg nach 2008 ist für Contador damit in greifbarer Nähe.

Contador attackiert früh

Nach seinem ersten Etappensieg bei der 67. Spanien-Rundfahrt schien Contador über seinen Coup selbst ein wenig verwundert zu sein.

"Es war ein bisschen verrückt, so früh anzugreifen. Aber ich habe es machen müssen, um noch eine Chance auf den Gesamtsieg zu haben", sagte der 29-Jährige, der in seiner Heimat die erste große Rundfahrt nach seiner zweijährigen Dopingsperre bestreitet.

Bereits 50 Kilometer vor dem Ziel, in verhältnismäßig flachem Terrain, startete Contador seinen Angriff.

Zuerst schien die Verzweiflung eines bereits geschlagenen Ex-Champions in jedem Tritt mitzufahren, denn alle Versuche, ihm die Führung abzujagen, hatte Katjuscha-Fahrer Rodriguez auf den schweren Bergetappen zuvor stets vereitelt.

Rodriguez' Team zu siegessicher?

"Joaquin ist mental unheimlich stark. Er ist ein ruhiger Bursche. Je ruhiger er wird, desto unruhiger wird Contador. Und weil Joaquin das weiß, versucht er eben noch ruhiger zu wirken", hatte Rodriguez' sportlicher Leiter Valerio Piva während des Ruhetags am Dienstag gesagt.

Das Gefühl des sicheren Sieges war ihm anzumerken, immerhin lag die Königsetappe im Skigebiet Valgrande-Pajares mit dem brutalen Anstieg von teilweise 22 Prozent Steigung hinter dem Fahrerfeld, und Rodriguez hatte seinen Vorsprung dort sogar ausgebaut.

"Einer der schönsten Tage meiner Karriere"

Doch Contador unterschätzen sollte niemand, der sich im Radsport auskennt, und solange noch ein Berg vor dem zweimaligen Tour-Sieger liegt, verliert auch der Saxo-Bank-Fahrer nicht den Glauben in die eigenen Fähigkeiten.

"Das ist selbstverständlich einer der schönsten Tage meiner Karriere", sagte Contador im Ziel auf 1080 Meter Höhe: "Es gab viele Leute, die an mich geglaubt haben, und ich wollte das Vertrauen mit Emotionen und Kampfgeist zurückzahlen."

Lediglich Valverde kann folgen

Unwiderstehlich war sein Antritt, bis zu zwei Minuten Vorsprung legte Contador zwischen sich und seine Verfolger.

Erst auf den immer flacher werdenden Schlusskilometern holte Alejandro Valverde (Movistar) auf und kam letztlich mit sechs Sekunden Rückstand ins Ziel.

Der Spanier hat ebenso wie Contador eine Dopingvergangenheit und war bis zum 31. Dezember 2011 wegen seiner Kontakte zum Madrider Frauenarzt Eufemiano Fuentes weltweit gesperrt. Nun liegt Valverde mit 1:52 Minuten hinter Contador auf Platz zwei der Spanien-Rundfahrt.

Contador greift nach Gesamtsieg

Der große Verlierer des Tages heißt Rodriguez, der nun 2:28 Minuten Rückstand auf Contador hat.

Bereits beim Giro d'Italia hatte der 33-Jährige in diesem Jahr den Sieg in den Bergen verspielt, war am Ende jedoch immerhin Zweiter geworden.

Eine Chance bleibt Rodriguez noch, um Contadors Triumph zu verhindern. Die vorletzte Etappe endet in Bola del Mundo mit einer Bergankunft.

Sollte aber tatsächlich alles so wie früher sein, dann kann es am 9. September in Madrid keinen anderen Sieger als Alberto Contador geben.

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