Radsport-Welt fürchtet Armstrongs Sog
München - Der beispiellose Absturz von Lance Armstrong lässt sich jetzt auch an konkreten Zahlen festmachen.
Nur noch auf Platz 2064 wird der gefallene Radstar in einem US-Ranking geführt, das den Werbewert von Prominenten beziffert. Früher stand der Held einer ganzen Sportler-Generation noch regelmäßig unter den Top 50 - auf Augenhöhe mit Stars wie Schauspieler Brad Pitt.
Die Dopingenthüllungen haben seine Glaubwürdigkeit allerdings zutiefst erschüttert.
Auch Trek kündigt Armstrong
Die einschneidenden finanziellen Konsequenzen machen sich zunehmend bemerkbar.
Seitdem Nike am Mittwoch sein Engagement mit dem (noch) siebenmaligen Tour-de-France-Siegers aufgelöst hatte ( Bericht), trennen sich reihenweise die Sponsoren von ihm.
Am Donnerstag gab Radhersteller Trek mit sofortiger Wirkung das Ende der Zusammenarbeit bekannt.
Verfahren aufgenommen?
Es wird einsam um den früheren Helden.
Zudem drohen dem 41-Jährigen Schadenersatzklagen in Millionenhöhe und ein Meineid-Prozess.
Die "Süddeutsche Zeitung" spekulierte zudem, ob nicht auch das eingestellte Verfahren wegen des Missbrauchs von Steuergeldern beim US-Postal-Team wieder aufgenommen werden könnte.
Sky stellt Ultimatum
Verständlicherweise versuchen mittlerweile Funktionäre, Teams und Fahrer mit fast allen Mitteln, sich aus dem Sog von Amstrongs Untergang zu befreien.
Denn nicht mehr nur die Glaubwürdigkeit des einstigen Protagonisten, sondern die der gesamten Sportart steht auf dem Spiel.
Der britische Radrennstall Sky um Tour-de-France-Gewinner und Olympiasieger Bradley Wiggins stellte daher seinen Fahrern ein Ultimatum.
"Kein Platz für Doper"
Jeder Sportler muss eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit mit Doping zu tun hatte. Ansonsten drohe der Rauswurf aus dem Team.
"Wenn jemand die Unterschrift verweigert oder es im Nachhinein herauskommt, dass er die Erklärung gebrochen hat, muss er das Team verlassen", hieß es in dem Schreiben.
"Wir wollen ein Team, dessen Fahrer sauber sind und denen die Fans ohne Zweifel und Zögern glauben können. Es gibt im Team Sky kein Platz für diejenigen, die mit Doping in Verbindung stehen. Das betrifft sowohl die Fahrer als auch das Management und Helfer."
Das Team sei von den zuletzt öffentlich gewordenen Erkenntnissen über systematisches Doping im Radsport "geschockt".
Deshalb habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, um das Bekenntnis für ein sauberes Team noch einmal zu bekräftigen.
Harsche Kritik an UCI
Unterdessen forderte Luxemburgs Radsport-Präsident Jean Regenwetter in der "Berliner Zeitung", dass "alle Verantwortlichen bei der UCI ihren Hut nehmen" - wenn die Anschuldigungen der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) stimmen würden.
"Aber ich fürchte, dass das nicht passieren wird", sagte Regenwetter weiter, der darüber hinaus die fehlende Transparenz in der Führungsriege der UCI kritisierte.
Eine Aussprache über essenzielle Dinge habe nie stattgefunden ( BERICHT: UCI gerät in Erklärungsnot).
Gravierende Auswirkungen
Druck kam auch von Jaimie Fuller, dem Vorsitzenden des Rabobank-Partners Skins.
Er forderte die UCI-Spitze in einem offenen Brief auf, in der Angelegenheit unverzüglich Position zu beziehen oder zurückzutreten, um den Zusammenbruch des Weltradsports zu verhindern.
Umso länger sich die UCI in Schweigen hülle, desto gravierender seien die Auswirkungen für den Radsport.