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Rabobank Cycling Team war 2011 das erfolgreichste Radsportteam der Niederlande © imago

Die niederländische Rabobank zieht angesichts der Dopingproblematik am Ende des Jahres als Sponsor einen Schlussstrich.

Den Haag/München - Geständnis, Rücktritt und der Ausstieg eines Großsponsors: Das durch den Fall Lance Armstrong und US Postal ausgelöste Beben im Radsport nimmt an Intensität dramatisch zu.

Am Freitag gab die niederländische Rabobank bekannt, dass sie sich angesichts der Dopingproblematik Ende des Jahres als Geldgeber zurückziehen wird.

"Wir vertrauen nicht mehr darauf, dass der internationale Profiradsport in der Lage ist, einen sauberen und ehrlichen Sport durchzuführen", teilte Rabobank-Vorstandsmitglied Bert Bruggink mit.

Deutsche Fahrer betroffen

Der ohnehin schon arg gebeutelte Radsport verliert damit einen treuen Verbündeten.

Seit 1996 war Rabobank als Hauptsponsor engagiert, die jährliche Investition in den Straßen-Rennstall belief sich auf 15 Millionen Euro.

Für Rabobank fahren unter anderem Grischa Niermann (Hannover) und Paul Martens (Rostock).

Erik Zabels Sohn Rick startet im Nachwuchsteam. Zu den Stars des Teams gehörte unter anderem auch der dreimalige Straßen-Weltmeister Oscar Freire (Spanien).

"Habe keine Worte dafür"

"Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Natürlich sind in Radsport viele Dinge schief gelaufen, für einen Sponsor ist das natürlich schlecht. Die heutige Generation muss die Scheiße einer anderen, die falsche Dinge getan hat, ausbaden", sagte Robert Geesink, der im Sommer bei der Tour Rabobank-Kapitän war.

"Wir verlieren einen der größten Sponsoren der Radsport-Geschichte, ich habe keine Worte dafür, aber das ist eine der schlimmsten Dinge, die passieren konnten."

UCI zeigt Verständnis

Der Radsport-Weltverband UCI nahm den Rückzug zur Kenntnis, von Bedauern jedoch keine Spur.

"Der Radsport ist dankbar für die vielen Jahre der Partnerschaft mit Rabobank, von der alle profitiert haben. Ihr Engagement hat das Leben vieler Fahrer verändert", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid.

Man habe angesichts der aktuell schwierigen Lage und umfangreichen Enthüllungen Verständnis für diese Entscheidung (BERICHT: Radsport-Welt fürchtet Armstrongs Sog).

"Ein schmerzlicher Schritt"

Der Bericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte bei Rabobank das Fass zum Überlaufen gebracht.

Das in der Vorwoche veröffentlichte Dossier enthält nach USADA-Darstellung überwältigende Beweise dafür, dass Lance Armstrong und sein früheres US-Postal-Team "das hochentwickeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm durchgeführt haben, das die Sportwelt jemals gesehen hat".

"Daher war unser Schritt notwendig", sagte Bruggink, der von einem "schmerzlichen Schritt" sprach, "nicht nur für Rabobank, vielmehr auch für die Fans und die Fahrer, die damit nichts zu tun haben."

Barredo suspendiert

Den Amateur-Radsport wolle man jedoch ebenso weiter unterstützen wie das Cross-Team und die Jugend.

"Dafür sind wird dankbar. Das ist wichtig für unseren Sport", sagte McQuaid, der auch den Fall Carlos Barredo als einen weiteren möglichen Grund für den Abschied von Rabobank ausmachte.

Am Donnerstag hatte Rabobank seinen spanischen Fahrer suspendiert. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten in seinem Blutpass hatte die UCI ein Disziplinarverfahren gegen den früheren Vuelta-Etappensieger eingeleitet.

Die WADA entscheidet

Dass der Australier John Fahey, Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), eine Generalamnestie für Dopingsünder im Sport ins Gespräch gebracht hat, dürfte Pat McQuaid ebenfalls nicht gefallen haben.

In einem Gespräch mit nationalen Medien sagte der 67-jährige Fahey: "Der Aufsichtsrat ist sehr interessiert daran, über diese Angelegenheit nachzudenken."

Die UCI hatte sich im September gegen eine Amnestie für ihre betroffenen Sportler ausgesprochen (BERICHT: UCI gerät in Erklärungsnot).

Fahey: "Nicht die UCI entscheidet über eine Amnestie, das ist Sache der WADA."

Hodge zieht Konsequenzen

Ebenfalls aus Australien kamen am Freitag ein weiteres Dopinggeständnis und der logische Rücktritt.

Der Vizepräsident des australischen Verbandes Cycling Australia, Stephen Hodge, gestand Doping in seiner aktiven Karriere und zog die Konsequenzen.

"Während einer Phase in meiner Karriere als Radprofi habe ich leistungsfördernde Mittel genommen, eine Entscheidung, auf die ich nicht stolz bin", teilte Hodge mit, "es tut mir leid, dass ich das getan habe. Es war falsch. Ich entschuldige mich bei meiner Familie, beim Verband, meinen Freunden und meinen Fans."

Hodge hatte für Australien an zehn Weltmeisterschaften sowie an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta teilgenommen. In jenem Jahr beendete der sechsmalige Tour-Teilnehmer auch seine Karriere.

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