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Lance Armstrong war von 2003 bis 2006 mit der Sängerin Sheryl Crow liiert © imago

Der Weltverband folgt der Entscheidung der USADA und streicht alle Ergebnisse Lance Armstrongs seit Januar 1998.

Genf/München - Der Mythos Lance Armstrong ist endgültig ausgelöscht, das sportliche Lebenswerk des gefallenen Rad-Helden ein Trümmerhaufen.

Der Weltverband UCI hat alle sieben Tour-Triumphe des einstigen Überathleten aus den Siegerlisten gestrichen und damit in der größten Doping-Affäre der Sportgeschichte eine Entscheidung von historischer Tragweite gefällt.

"Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport, er muss vergessen werden", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid am Montag in Genf.

Der Weltverband folgte damit der Beweisführung der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, die Armstrong in einem mehr als 1000 Seiten starken Bericht systematisches Doping nachgewiesen hatte.

In beispielloser Weise hatte der heute 41 Jahre alte Texaner demnach selbst manipuliert und ein ganzes Doping-Netzwerk aufgezogen.

Kein Rücktritt McQuaids

"Der Fall Armstrong ist die größte Krise, der sich der Radsport jemals entgegenstellen musste. Die Bewältigung dieser Krise kann uns Möglichkeiten für die Zukunft bringen", sagte der umstrittene UCI-Präsident:

"Mir wurde schlecht, als ich den Bericht der USADA gelesen habe."

Persönliche Konsequenzen schloss er aus: "Ich werde nicht zurücktreten."

Rückzahlung der Preisgelder droht

Die UCI, die unter McQuaids Vorgänger Hein Verbruggen Armstrongs Machenschaften lange geduldet und gedeckt haben soll, will mit dem Fall des Texaners nun restlos aufräumen und bereits am Freitag weitere Maßnahmen beschließen.

Neben der lebenslangen Sperre und der Streichung aller Resultate seit dem 1. Januar 1998 droht Armstrong nun die Rückzahlung sämtlicher Preisgelder aus dieser Zeit.

Schmerzhaft für den Amerikaner, dem nach der Verlust hoch dotierter Sponsoren-Verträgen ohnehin Millionen entgehen.

Tour-Chef Christian Prudhomme kündigte am Montag bereits an, die Prämien von Armstrong zurückzufordern: "Das Reglement der UCI ist in diesem Fall eindeutig." Allein für seine Gesamtsiege hatte Armstrong rund drei Millionen Euro kassiert.

Rücken Tour-Zweite nach?

"Heute nehmen wir Armstrong die sieben Siege weg, am Freitag werden wir Weiteres besprechen. Dazu müssen wir die UCI-Regeln ändern", sagte McQuaid.

Ebenso will der Weltverband am Freitag darüber entscheiden, ob die Tour-Zweitplatzierten der Jahre 1999 bis 2005 nachträglich zu Siegern erklärt werden.

Der seinerseits gesperrte Jan Ullrich wäre dann viermaliger Sieger der Frankreich-Rundfahrt, Andreas Klöden erhielte den Titel von 2004.

Über die Aberkennung von Armstrongs Olympia-Bronze im Zeitfahren von Sydney 2000 muss das Internationale Olympische Komitee entscheiden. "Darüber wird das IOC nach der für Freitag angekündigten weiteren Entscheidung der UCI befinden", sagte der designierte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach.

Einzig richtige Entscheidung

Die USADA begrüßte das Urteil gegen Armstrong: "Heute hat die UCI im Fall von Lance Armstrong die richtige Entscheidung getroffen. Es ist die einzig glaubwürdige", teilte die Agentur in einer Erklärung mit:

"Aber dadurch ist der Radsport keineswegs gesäubert. Dies sollte nun Aufgabe einer unabhängigen Wahrheits- und Schlichtungskommission" sein, forderte die USADA.

Scharping begrüßt Urteil

Auch in Deutschland traf die Entscheidung überwiegend auf Zustimmung. Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) sagte: "Die Entscheidung der UCI ist nach der Beweislast nur konsequent. Entscheidend ist, dass ein 'verseuchtes Jahrzehnt' aufgearbeitet und endlich abgeschlossen."

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), erklärte: "Das ist der Super-Gau für diese Sportart. Aber auch die historische Chance für einen Neubeginn. Eine ganze Dekade Radsport-Geschichte muss neu geschrieben werden."

Über WADA-Code hinweggesetzt

Der Heidelberger Doping-Fachanwalt Michael Lehner kritisierte hingegen, dass sich die UCI über den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hinweggesetzt habe.

"Dass die UCI das Urteil der USADA voll übernommen hat, ist nicht okay. Sie schießt über das Ziel hinaus, denn sie darf das Sportrecht nicht beliebig handhaben. Dopingvergehen unterliegen einer achtjährigen Verjährungsfrist. Der WADA-Code lässt ein Urteil mit Aberkennung von Titeln und Resultaten bis zurück zum Jahr 1998 nicht zu."

Schatten desBetrugs über Siegern

Ohnehin muss die Tour-Historie wieder geändert werden. Nach dem Bannspruch gegen Armstrong kehren Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain mit jeweils fünf Gesamtsiegen als Rekordsieger in die Geschichtsbücher zurück.

Die Radsport-Jahre 1996 bis 2008 hingegen werden nach dem Urteil gegen Armstrong endgültig als schwärzeste Ära in die Geschichte eingehen:

Bjarne Riis, Ullrich, Marco Pantani, Armstrong, Floyd Landis, Alberto Contador - über sämtlichen sportlichen Toursieger jener Epoche, ob offiziell noch als Sieger geführt oder nicht, liegt der Schatten des Betrugs.

Jene Ära soll nun endgültig aus den Geschichtsbüchern getilgt werden: "Die Dopingkultur hat sich geändert und wird sich weiter ändern", sagte McQuaid am Montag.

Armstrong gelassen

Armstrong, dem als einziger Erfolg der Weltmeister-Titel von 1993 bleiben dürfte, hatte sich am Wochenende noch betont gelassen gezeigt.

"Es ging mir schon einmal besser, aber auch schon bedeutend schlechter", sagte Armstrong bei der Gala zum 15-jährigen Bestehen seiner von ihm 1997 gegründeten Krebsstiftung Livestrong, als dessen Chairman er kurz zuvor zurückgetreten war.

Weiterhin Kampf gegen den Krebs

Dem Kampf gegen den Krebs will sich der in den USA nach wie vor höchst populäre Sportler weiter widmen.

"Wir werden uns nicht abschrecken lassen. Wir werden weitermachen. Die Mission muss weitergehen."

Armstrongs Mission als Berufsradfahrer ist spätestens seit Montag endgültig gescheitert.

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