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Lance Armstrong hatte © imago

Vom Tour-Helden zum gefallenen Idol: Lance Armstrong ist jahrelang die Ikone des Radsports. Jetzt ist sein Denkmal eingestürzt.

München - Radsporttalent, Krebspatient, Tour-Dominator, Machtmensch - es war ein weiter Weg, den Lance Armstrong in seiner bewegten Karriere zurückgelegt hat.

Einst war der Texaner ein großes Talent im großen Fahrerfeld der Tour de France. Als er beinahe zwei Jahrzehnte später nach sieben Tourerfolgen vom Rad stieg, war Armstrong eine Ikone, ein mächtiger Mann mit Einfluss in Politik und Wirtschaft.

Nach dem erschütternden Bericht der US-Antidoping-Agentur USADA über Armstrongs erschreckende Doping-Praktiken und der Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Siege am Montag ist das Denkmal des siebenmaligen Toursiegers endgültig eingestürzt (BERICHT: Armstrong am Ende - Alle Tour-Siege weg).

Aufstieg zum Star der Nation

"Ich kann nicht sagen, dass ich irgendetwas bereue. Es war eine exzellente Reise", hatte Armstrong nach seinem zweiten Karriereende im Februar 2011 gesagt.

Warum auch?

Trotz aller Dopingvorwürfe, die den Amerikaner seit seinen Erfolgen bei der Frankreich-Rundfahrt begleitet hatten, avancierte er vom Randsportler zum Star einer ganzen Nation.

Radeln mit Geaorge W. Bush

Dank Armstrong fuhr in den USA plötzlich jeder mit dem Rad.

Gemeinsam strampelte er mit dem damaligen Präsidenten George W. Bush durch die Landschaft, hielt Vorträge vor den einflussreichsten Wirtschaftsbossen des Landes und machte den US-Soldaten im Irak und Afghanistan Mut.

Immer im Gepäck hatte Armstrong seine Geschichte, die sein Schaffen im fernen Frankreich für seine Landsleute erst vergoldete.

Sieg beim Comeback

Am 2. Oktober 1996 war bei Armstrong Hodenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert worden. Es sollte seine "Tour des Lebens" werden, wie später auch der deutsche Titel seiner Biographie hieß.

Armstrong besiegte den Krebs, verlor dabei einen Hoden - und war fortan nicht mehr zu bremsen.

Nur ein Jahr nach seiner Rückkehr in den Radsport gewann er erstmals die Tour de France.

Respekt für Jan Ullrich

Das große Duell mit Jan Ullrich, das eigentlich keines war, weil Armstrong in den Alpen und Pyrenäen stets schneller war, prägte die große Schleife einige Jahre lang.

Beide Kontrahenten begegneten sich mit Respekt.

"Ich mag ihn wirklich sehr. Es ist keine Rivalität voller Hass", hatte Armstrong einmal gesagt: "Er ist der einzige Fahrer, der mir Furcht einflößt. Wenn er ein gutes Jahr hat, ist er unmöglich zu schlagen."

In der Glitzerwelt mit Stars

Unmöglich war es den Kontrahenten jedoch nur, Armstrong zu schlagen. Der dominierte die Tour bis 2005 und stieg mit dem siebten Sieg in Serie vom Rad.

Fortan kümmerte sich Armstrong um seine Krebsstiftung "Livestrong", die er mit seinem Ausrüster und Großsponsor ein Jahr zuvor gegründet hatte. Die gelben Armbänder wurden zum Markenzeichen.

Armstrong war liiert mit Stars wie Rocksängerin Sheryl Crow oder Schauspielerin Kate Hudson, die Ehe mit seiner ersten Frau Kristin war längst geschieden.

Dritter beim zweiten Comeback

Irgendwann wurde dem Radsport-Rentner sein Dasein zu langweilig, die Rückkehr in den Sattel verlief jedoch weniger erfolgreich als es die Experten befürchtet hatten.

Ein dritter Platz bei der Tour 2009 - zu mehr reichte es nicht. In seiner dritten Karriere als Radprofi häuften sich auch die Dopinganschuldigungen, sie vermiesten Armstrong die Touren durch Europa.

Abschied im Stillen

Sein endgültiger Abschied im Februar 2011 verlief daher stiller als geplant.

Zur Ehrenrunde bei der Rundfahrt in Kalifornien kam es nicht mehr, auch weil die US-Anti-Doping-Agentur ihren Kampf intensiviert hatte und erschütternde Ergebnisse vorlegte.

Nun ist Armstrongs Reise endgültig zu Ende. Es war ein weiter Weg - für alle Beteiligten.

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