"Der gelbe König ist jetzt nackt"
München - Der Mythos Lance Armstrong existiert nicht mehr. ( BERICHT: Armstrong "muss vergessen werden")
Der Weltverband UCI hat dem US-Amerikaner aufgrund der größten Doping-Affäre der Sportgeschichte alle seine sieben Tour-de-France-Siege aberkannt.
Dem 41-Jährigen drohen drastische Strafen. ( BERICHT: Armstrongs tiefer Fall)
"Am Montag, den 22. Oktober, ist die Rad-Legende gefallen", schrieb die Zeitung "Le Parisien".
Und die "Marca" ergänzte: "Die Tour der Lügen. Die Liste der Titelträger von 1999-2005 ist leer wie eine Wüste."
Die Pressestimmen zum Fall Armstrong:
FRANKREICH
L'Equipe: Die UCI wird ihre Glaubwürdigkeit nach dieser Geschichte nicht wiederbekommen, solange sie sich damit begnügt, die Siegerliste der Tour de France auszuradieren. Der Weltverband muss seine Arbeitsweise, seine Organisation und seine eigenen Verantwortlichen in Frage stellen.
Le Parisien: Am Montag, den 22. Oktober, ist die Rad-Legende gefallen. Der amerikanische Held ist nicht mehr als ein zerschlagener Mythos. Ihm bleiben nur noch der Weltmeistertitel von 1993, zwei Klassiker-Siege und ein 36. Platz bei der Tour de France 1995.
Le Monde Diplomatique: Lance Armstrong werden seine Titel abgenommen, er ist nicht mehr siebenmaliger Gewinner der Tour de France. Der Name des ehemaligen Radprofis wurde von der UCI ein für alle Mal aus den Listen entfernt. Die UCI folgte dem vernichtenden Bericht der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), nachdem der Texaner während seiner Karriere systematisch gedopt hatte.
SPANIEN
Sport: Die große Lüge. Armstrong wird ein Leben lang gesperrt und hat keinen Tour-Titel mehr. Der tiefe Fall eines Idols.
El Mundo Deportivo: Alle sieben Toursiege aberkannt. Es ist einer der größten Skandale in der Sportgeschichte. Für Lance Armstrong gibt es keinen Platz mehr im Radsport.
Marca: Die Tour der Lügen. Die Liste der Titelträger von 1999-2005 ist leer wie eine Wüste.
As: Lance Armstrong werden alle Toursiege aberkannt. Die spanischen Fans wollen neue Sieger für die Tour de France von 1999-2005. Armstrong könnte ins Gefängnis wandern und 15 Millionen Euro verlieren.
ITALIEN
Gazzetta dello Sport: Game Over. Armstrong in der ganzen Welt verbannt. Pat McQuaid hat zwar die Kraft gehabt, über die Regeln hinaus Armstrong aus dem goldenen Album der Tour de France zu löschen, es hat ihm jedoch der Mut zu einem weiteren Schritt gefehlt:
Er hat sich nicht entschuldigt und nicht die Verantwortung für die Unfähigkeit des internationalen Radsportverbandes übernommen, Doping einschneidender zu bekämpfen. Mindestens 15, vielleicht sogar 20 Jahre lang hat Doping den Radsport dominiert und das Ergebnis der Rennen beeinflusst.
Corriere dello Sport: Der gelbe König ist jetzt nackt. Armstrong kann mindestens zehn Millionen Euro verlieren und wird sehr wahrscheinlich wieder vor Gericht müssen. Der Radsport war jahrelang eine Art unabhängige Republik oder ein Privatklub mit Geheimnissen. Niemand hat es bisher komisch gefunden, dass auch eine Muskelsammlung wie Armstrong sieben Mal die Tour de France gewonnen hat. Jetzt will man sieben Jahre Tour löschen.
Tuttosport: Armstrong ist vom Doping-Tsunami hinweggefegt worden. Der Ex-Held ist zum Dieb, zum Fälscher geworden. Der Texaner hat den Radsport zerstört und ihm Schäden in katastrophalem Ausmaß zugefügt. Er hat einen Mythos vernichtet: Jenen eines Menschen, der eine schreckliche Krankheit wie Krebs besiegt und nicht nur normal, sondern sogar unbesiegbar zurückkehrt.
USA
Washington Post: Lance Armstrongs Rekord von sieben Tour-Siegen machte eine Nischensportart weltweit bekannt. Er besiegte den Hodenkrebs und überschritt die Grenze des Sports, indem er Millionen von Menschen inspirierte, gesundheitliche Probleme zu überwinden. Am Montag sagte der Chef des Radsport-Weltverbandes, ein langjähriger Verteidiger Armstrongs, dass der Sport besser ohne ihn dran ist.
Chicago Tribune: Die Entscheidung zerstört Armstrongs letzte Hoffnung auf eine Säuberung seines Namens, nachdem er als enttarnter Dopingsünder eine Welle von Verurteilungen und Gerichtsprozessen ausgelöst hat.
ENGLAND
The Sun: Lance Armstrong wird Mega-Millionen verlieren, genau wie seine sieben Tour-de-France-Titel nach seiner widerlichen Doping-Schande.
The Telegraph: Dopingsünder Lance Armstrong steht vor dem finanziellem Zusammenbruch. Als Folge der Enthüllung als größter Doping-Schwindler der Geschichte droht ihm alleine in den nächsten Monaten ein geschätzter Verlust von mehr als 30 Millionen Pfund.
BELGIEN
De Standaard: Armstrongs beste Tour de France? Ein 36. Platz im Jahr 1995. Die UCI hat dem Amerikaner seine sieben Toursiege weggenommen. Aber ob das Vertrauen im Radsport so restauriert wird, ist fraglich. Der UCI-Vorsitzende Pat McQuaid und der Ehrenvorsitzende Hein Verbruggen bleiben ruhig auf ihren Posten.
DÄNEMARK
BT: Montagmittag fiel Lance Armstrong. Bis jetzt hatte er sich hartnäckig geweigert, seine sieben Titel aufzugeben. Aber nun scheint es so, als hätte er sich damit abgefunden.
Ekstra Bladet: Lance Armstrong schickte eine SMS an Pat McQuaid. Er war daran interessiert zu hören, wie die Entscheidung der UCI ausgefallen war. Bisher hatte er den Eindruck gemacht, dass es ihm egal war, was die Anti-Doping-Behörden sagten oder taten.
NIEDERLANDE
De Telegraaf: McQuaid sorgt für Ärger - nach den Gesetzen der UCI gilt Armstrong im Radsport als Persona non grata. Aber der Besen, mit dem der Weltverband gefegt hat, ging zur Enttäuschung vieler nicht durch die eigene Organisation.
AD (Algememeen Dagblad): Nur auf Armstrong zu zeigen: Die UCI lässt alles beim alten. Und so verpasste McQuaid die einmalige Chance, alle Fenster und Türen zu öffnen, sodass ein frischer Wind wehen kann. Da sich McQuaid und seine verrosteten Kollegen weigern, Konsequenzen zu ziehen, müssen andere das Wort führen. In diesem entscheidenden Augenblick ist der gesamte Radsport für eine Veränderung verantwortlich.
NuSport.nl: Es geht ums Erkennen, Erkunden, Anpacken und Versöhnen. Vergessen ist etwas für Dummköpfe.