vergrößern verkleinern
Lance Armstrong (l. mit Contador) wurden alle sieben Titel bei der Tour de France aberkannt © getty

Ein Quartett stellt sich auf die Seite des wegen Dopings überführten Armstrong, allen voran Contador. Kittel ärgert sich.

Von Hardy Heuer

München - Er hat gelogen und betrogen.

Aufgrund von Zeugenaussagen und erdrückenden Indizien wurde Lance Armstrong von der US-Anti-Doping-Agentur des Dopings überführt. (BERICHT: Armstrong am Ende - Alle Tour-Siege weg)

Und das auf so fulminante Art und Weise, dass der Armstrong vorher wohlgesonnene Radsport-Weltverband nicht mehr anders konnte, als ihm alle sieben Tour-Siege abzuerkennen.

"Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport. Er hat es verdient, vergessen zu werden", hatte UCI-Präsident Pat McQuaid unlängst erklärt. Wie aufrichtig dieses Abrücken von der einstigen Ikone ist, sei dahingestellt. (EINWURF: Heuchler mit dem Henkersbeil)

Contador unterstützt Armstrong

Fast noch verblüffender ist, wie viele aktuelle und ehemalige Granden des Sports den Sturz des Armstrong-Denkmals immer noch nicht wahrhaben wollen.

Allen voran Alberto Contador, selbst bereits des Dopings überführt, unterstützt noch immer seinen früheren Teamkollegen. (BERICHT: Keine neuen Tour-Sieger)

Für den Spanier, dessen Tour-Titel von 2010 und der Sieg beim Giro d'Italia 2011 aberkannt worden sind, wurde Armstrong "gedemütigt und gelyncht". Contador will überhaupt nicht einsehen, dass Armstrong gedopt hat.

"Jetzt reden die Leute über Lance, dabei gibt es keinen neuen Test oder etwas anderes. Alles basiert auf Zeugenaussagen, die auch schon 2005 hätten existieren können", sagte Contador: "Er ist zerstört worden."

Indurain glaub an Unschuld

Auch Landsmann Miguel Indurain, Tour-Dominator von 1991 bis 1995, stellt sich auf die Seite des Texaners. ( 126156 DIASHOW: Spektakulärste Dopingfälle )

Die Tatsache, dass Armstrong ohne positiven Dopingtest bestraft wurde, kritisiert auch er.

"Ich glaube, dass Lance unschuldig ist", erklärte er dem spanischen Sender "Radio Marca" allen Ernstes. Kurioses Argument: "Er gewann alle Prozesse, die man gegen ihn angestrengt hatte."

Sanchez fordert Beweise

Alejandro Valverde ist es ebenfalls ein Anliegen, Armstrong zur Seite zu springen: "Die Tours wurden mit seinen Beinen und seinem Körper gewonnen. Niemand soll glauben, dass er nicht für seine Erfolge leiden musste."

Das spanische Verteidigungs-Quartett wird durch Samuel Sanchez komplettiert.

"Es liegen keine direkten Beweise gegen Armstrong vor, nur mündliche Vorwürfe, es gibt also keinen Grund, ihn zu bestrafen", sagte er.

Und ignoriert damit ebenso wie seine Landsmänner die Tatsache, die die Affäre Armstrong einmal mehr bewiesen hat: Dass Dopingtests ein nur bedingt taugliches Mittel sind, um Sportbetrügern wie Armstrong auf die Schliche zu kommen.

Merckx fühlt sich reingelegt

Eddy Merckx hingegen, der sich mit fünf Erfolgen wieder Rekordsieger der Tour de France nennen darf, ist von Armstrong enttäuscht, will aber von dessen Dopingpraktiken nichts gewusst haben.

"Ich habe Lance Armstrong mehrere Male getroffen. Nie hat er mit mir über das Thema Doping gesprochen. Ich bin einfach auf ihn hereingefallen", schilderte der Belgier in der Tageszeitung "Le Soir".

Merckx, selbst mehrfach wegen Dopings aufgeflogen und auch einmal gesperrt, sagt über Armstrong:

"Sein Verhalten erstaunt und enttäuscht mich sehr, natürlich umso mehr, nachdem er vorher seine Krebserkrankung überstanden hatte." (BERICHT: Armstrongs Reise - Krebspatient, Tour-Dominator, Betrüger)

Attacke auf die Zeugen

Doch damit nicht genug. Die Radprofis, die gegen Armstrong ausgesagt haben, bekamen ebenfalls ihr Fett weg.

"Ich bin sauer auf die Fahrer, die erst hinterher bei den Ermittlern ausgepackt haben", sagte er:

"Es hat zwar geholfen, dass sie überhaupt gesprochen haben, aber es war viel zu spät. Wenn man sich Sorgen um seinen Sport macht, hat man die Aufgabe, sich zum Nutzen aller zu äußern."

Kittel ist sehr verärgert

Sauer ist auch der deutsche Radprofi Marcel Kittel.

"Mir wird richtig schlecht, wenn ich höre und lese, dass Contador, Valverde, Sanchez oder ein Indurain Armstrong weiter unterstützen", ärgerte er sich in der "Süddeutschen Zeitung": "Sie sind einfach nur unglaubwürdig, das stinkt mir gewaltig und nervt."

Etwaige Reaktionen dieser Fahrer fürchtet er nicht. "Ich stelle mich einfach daneben. Die können mir nichts. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen", betonte Kittel und forderte für Betrüger im Radsport deutlich härtere Strafen.

Contador mit Tests zufrieden

"Wir müssen den Kampf gegen Doping jetzt endlich vorantreiben, und zwar nicht nur mit mehr Kontrollen", analysierte er.

Auch hierzu hat Contador eine andere Meinung. "Im Moment gibt es wenig, was geändert werden muss. Die Tests, die wir haben, sind so rigoros wie möglich", sagte der Spanier.