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Im Mai 2011 lieferte Hamilton in einem TV-Interview sein Doping-Geständnis ab © getty

Der US-Amerikaner erhebt schwere Vorwürfe gegen das CSC-Team unter Bjarne Riis und fühlt sich von den Beschuldigten verraten.

München - Ex-Radprofi Tyler Hamilton, der mit seinen Aussagen maßgeblich zum Sturz von Lance Armstrong beigetragen hatte, hat den deutschen Rad-Profi Jens Voigt hinsichtlich seiner Wahrnehmung bei Doping-Maßnahmen im CSC-Team attackiert.

In einem Interview mit der dänischen Tageszeitung "B.T." erklärte Hamilton, der Berliner sage nicht die Wahrheit, wenn er erkläre, er habe im Team von Bjarne Riis niemals etwas von Doping mitbekommen.

"Du musst von Blinden umgeben sein, wenn du in deiner 15-jährigen Karriere nie etwas gehört oder gesehen haben willst", berichtete Tyler Hamilton dem dänischen Blatt.

"Er kennt jeden im Feld"

"Voigt ist jemand, der gerne redet. Er kennt jeden im Feld, und da wurde über Doping geredet. Ich selbst war da sehr vorsichtig, aber andere haben es gemacht", ergänzte Hamilton.

Er glaube definitiv, dass Jens Voigt auch selbst gedopt habe.

"Aber ich habe keine spezielle Kenntnis davon", sagte Hamilton.

Voigt hat es "soo satt"

Voigt reagierte verärgert auf die neuen Anschuldigungen, juristisch dagegen vorgehen will er aber nicht.

"Tja, es sieht so als, als würde es nie enden, oder? Bin gerade vom Training nach Hause gekommen und habe die Nachricht gelesen. Ich habe es soo satt", twitterte er am Nachmittag.

Und der "B.Z." sagte der 41-Jährige: "Dagegen kann ich nichts machen. Er behauptet ja nicht, dass ich gedopt habe. Ich werde keine Rechtsmittel einsetzen."

Voigt hatte in der vergangenen Woche der "B.T." gesagt, er habe nie etwas von Doping im Team gehört und auch nichts gesehen.

"Er hat mir ins Gesicht gespuckt"

Der US-Amerikaner war von 2002 bis 2003 für CSC unter der Leitung von Bjarne Riis aktiv, Voigt stieß 2004 zum dänischen Rennstall.

Bitter stößt Hamilton die Aussage von Jens Voigt auf, Riis hätte erklärt, man könne im Team nicht dopen (126156DIASHOW: Spektakulärste Dopingfälle).

"Auf eine gewisse Art hat er mir damit ins Gesicht gespuckt. Ich weiß nicht, was er in so einer Situation sagen könnte, aber es sollte nicht das sein, was er im Moment sagt", erklärte Hamilton, der auch Bjarne Riis nicht verschonte.

Schwere Vorwürfe gegen Riis

"Er hat mich ans Doping herangeführt. Er hat mir den Namen und die Telefonnummer von Eufemiano Fuentes gegeben. So konnte ich ihn in der Saison 2002 anrufen, nachdem ich bei CSC unterschrieben hatte", sagte Hamilton dem dänischen Internetportal "sporten.dk".

Er habe mit Riis über Blutdoping gesprochen, dass es die sicherste Methode sei, weil es sich um das eigene Blut handele und man dies nicht testen könne, berichtete Hamilton.

Fuentes-Kontakt bestätigt

Erstmals habe er Fuentes im Februar 2002 kontaktiert. Riis hatte selbst stets erklärt, er habe keinen Kontakt zu Fuentes gehabt.

"Aber das ist nicht wahr", behauptet Hamilton. Man habe sich 2003 einmal zusammen in einem Hotelzimmer in Spanien am Rande der Baskenland-Rundfahrt getroffen. Riis habe gewusst, dass er Fuentes kontaktieren wollte und habe gefragt, ob er mitkommen könne.

"Ich weiß nicht, ob sie sich da zum ersten Mal getroffen haben, aber an diesem Tag wir waren alle drei zur gleichen Zeit im gleichen Raum", so Hamilton.