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Tyler Hamilton war von 1999 bis 2001 ein wichtiger Helfer bei Armstrongs ersten Tour-Siegen © getty

Das Who des Who der Dopingjäger schließt sich zusammen, um die Verantwortlichen für den Imageschaden zur Verantwortung zu ziehen.

München - Pat McQuaid muss sich derzeit wie in einem dieser schlechten, vorhersehbaren und oft nicht enden wollenden Horrorfilme vorkommen.

Gerade schien der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI den Fall Lance Armstrong mit ein paar Kratzern überstanden zu haben, da lauert hinter der nächsten Tür bereits eine weitere Gefahr (BERICHT: UCI sucht Weg aus der Krise - McQuaid unter Beschuss).

Nun ist der 63-jährige Ire von Natur aus ein zäher Bursche, doch eine neu formierte und hochkarätig besetzte Widerstandsbewegung dürfte auch McQuaid ernsthaft beunruhigen.

Frustration und Ärger

Unter Federführung des Sportartikelherstellers Skins haben sich Experten zu einer "Bewegung für den sauberen Radsport" zusammengeschlossen.

"Change Cycling Now" heißt das Bündnis, das die UCI für ihre umstrittene Rolle im Dopingfall Lance Armstrong und dem daraus resultierenden massiven Imageschaden für den Radsport zur Verantwortung ziehen will.

"Die Gruppe spiegelt die Frustration und den Ärger wider, den ich und viele Personen im Umfeld des Radsports gegenüber der UCI und ihrer Methoden im Management hegen. Ich denke, wir haben eine sehr starke Formation gebildet, die die Gedanken Tausender Leute innerhalb des Sports repräsentiert und sich einen klaren Wandel wünscht", sagte Jaimie Fuller, Gründer des australischen Unternehmens Skins.

Das Who is Who der Dopingjäger

Tatsächlich liest sich die Zusammensetzung von "Change Cycling Now" wie das Who is Who der Dopingjäger im Radsport.

Da wäre Dr. Michael Ashenden, ein weltweit anerkannter Blutdoping-Experte aus Australien, dessen Einschätzungen halfen, neben Lance Armstrong auch Alberto Contador zu überführen (126156DIASHOW: Spektakulärste Dopingfälle).

Oder Antoine Vayer, einst Arzt beim Skandalteam Festina und inzwischen Sportprofessor und Radsport-Zweifler. Auch Journalisten wie David Walsh oder Paul Kimmage, der der UCI Korruption vorwarf und sich juristisch mit McQuaid und dessen nicht minder umstrittenem Vorgänger Hein Verbruggen auseinandersetzt, zählen dazu.

Weitere Namen sollen im Laufe der Woche bekannt gegeben werden.

Einführung einer Dopingkontroll-Instanz

Erstmals zusammenkommen wird die Gruppierung am 2. und 3. Dezember in London, wo ein Fahrplan erstellt und "die Voraussetzungen für einen grundlegenden Wandel im Weltverband und die Einführung einer unabhängigen Dopingkontroll-Instanz" diskutiert werden sollen.

Nach Beiträgen von Gastrednern, zu denen auch USADA-Chefermittler Travis Tygart zählt, will "Change Cycling Now" eine Absichtserklärung unterzeichnen.

Organisation erhält viel Unterstützung

Fraglich ist jedoch, welchen Einfluss die Gruppe trotz der prominenten Besetzung haben wird. "Wir wollen damit vor allem auch Druck auf die nationalen Verbände ausüben", sagte Fuller.

Über diese könne direkt auf die UCI eingewirkt werden, so Fuller, der eigenen Angaben zufolge "fast stündlich private Unterstützung aus dem Umfeld des Profiradsports" erfährt. Auch gehe es darum, Radsportfans aus aller Welt zu mobilisieren.

Klage gegen UCI angestrebt

Wie ernst es dem 47-Jährigen ist, hatte Fuller bereits Anfang November verdeutlicht. Damals hatte Skins angekündigt, die UCI auf zwei Millionen Dollar (ca. 1,5 Millionen Euro) zu verklagen, da sie durch jahrelange Fehlleistungen im Kampf gegen Doping auch das Markenimage des Sponsors beschädigt habe.

Aus Quellen der US-Antidoping-Agentur USADA wisse er, dass "die UCI die Untersuchung der USADA behindert und blockiert hat", so Fuller in der "Süddeutschen Zeitung": "Wir müssen Verbruggen und McQuaid ihre schlechte Geschäftsführung und ihre Verantwortung für das, was passierte, nachweisen."

UCI im Fall Armstrong beteiligt

Die UCI war im Bericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA über Armstrong indirekt beschuldigt worden, positive Dopingproben des Amerikaners verschleiert zu haben (BERICHT: Peinliche Pro-Armstrong-Armada).

Nach dem Bericht war Armstrong vom Weltverband lebenslang gesperrt worden, zudem wurden ihm seine sieben Tour-de-France-Siege aberkannt.

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