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Andre Greipel gewann bei der diesjährigen Tour de France drei Etappen © imago

Greipel zeigt sich besorgt, nimmt sich selbst aber von aller Kritik aus. Die UCI nimmt er im Anti-Doping-Kampf in die Pflicht.

Hasselt - Dem Zauber des Plopsa konnte sich auch Andre Greipel nicht entziehen.

In der Halle im belgischen Hasselt, zwischen Piratenschiff und Kettenkarussell, wagte sich der 30 Jahre alte Radprofi - Spitzname "Gorilla" - mit reichlich Spaß eine 50 Meter lange Rutsche auf einem künstlichen Berg hinunter.

Sein Team Lotto-Belisol hatte dort, wo Kinderträume wahr werden, zur Präsentation für die neue Saison geladen.

Es ging um Ziele, Pläne und Wünsche für 2013.

"Bin der beste Beweis, dass es auch sauber geht"

Und es ging erneut auch um den Schatten, der sich nach dem Dopingskandal um Lance Armstrong abermals über Greipels eigenen, längst in Erfüllung gegangenen Lebenstraum vom Radprofi gelegt hat.

"Der Radsport darf sich keine neuen Dopingfälle erlauben", sagte Deutschlands Topsprinter.

Armstrong war nach einem Bericht der US-Antidoping-Agentur USADA vom Weltverband UCI lebenslang gesperrt worden, zudem wurden ihm seine sieben Tour-de-France-Siege aberkannt (BERICHT: Armstrong verliert alle Titel).

"Ich bin im Lance-Armstrong-Zeitalter nicht gefahren. Mit meinen über 100 Profisiegen bin ich aber der beste Beweis, dass es auch sauber geht", sagte Greipel, der schon zuvor ein massives Durchgreifen gegen Dopingsünder gefordert hatte.

Kampf um Glaubwürdigkeit

Der saubere Radsport und die Anerkennung ehrlich erbrachter Leistung sind für Greipel (20 Saisonsiege 2012) wichtige Anliegen.

So sei es etwa eine "Selbstverständlichkeit", dass sein Team Teil der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) sei und auch er ein entsprechendes Schriftstück unterschrieben habe.

"Ich weiß, was ich für den Radsport mache und opfere", sagte der Rostocker: "Ich muss jeden Tag angeben, wo ich mich befinde. Insofern geht es uns schlimmer als manchem Verbrecher, der auf Bewährung draußen ist. Wir leisten genug, um den Radsport glaubwürdig zu machen."

Kritik am Weltverband

Der Rad-Weltverband UCI könne in der Bewältigung der aus dem Fall Armstrong resultierenden Vertrauenskrise dagegen mehr unternehmen.

"Das Image, das jetzt nach außen getragen wird, ist sicher nicht das beste", sagte Greipel.

Die UCI steht für ihre umstrittene Rolle in der Affäre um den Texaner in der Kritik (BERICHT: Bündnis formiert sich gegen UCI).

Sie war im Bericht der USADA über Armstrong indirekt beschuldigt worden, positive Dopingproben des Amerikaners verschleiert zu haben.

Auch Sieberg gegenüber UCI kritisch

"Wenn das stimmt, was ihnen vorgeworfen wird, müsste man da eine radikale Personaländerung machen. Mit denen kann man dann keinen Neuanfang machen", sagte Greipels Teamkollege und enger Freund Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel).

Der 30-Jährige spielt im Sprintzug Greipels eine tragende Rolle.

Greipel und Sieberg starten beim Kriterium in Adelaide am 20. Januar in die neue Saison.

Zwei Tage später beginnt mit der Tour Down Under (22. bis 27. Januar) die neue World-Tour-Saison.