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John Degenkolb (r.) muss von Paris bis Roubaix 254,5 Kilometer zurücklegen © getty

Der Klassiker Paris-Roubaix steht an, Degenkolb trägt die deutschen Hoffnungen. Der Favorit stürzt schon vor dem Start zweimal.

Paris/München - Die "Hölle des Nordens" wird niemanden verschonen - auch den Sieger nicht.

Mehr als 50 Kilometer auf zum Teil mittelalterlichen Pflasterstraßen werden Schmerzen verursachen am ganzen Körper.

Paris-Roubaix wird die Königin der Radsport-Klassiker genannt, doch es mutet eher wie ein Ausflug in die Folterkammer an (91392DIASHOW: Paris - Roubaix: Die Hölle des Nordens).

"Es wird sich nicht nur am Sonntag beschissen anfühlen, Montag und Dienstag ist es auch nicht besser. Da willst du am liebsten nur rumliegen", sagt John Degenkolb.

"So schlimm wie immer"

Vor der 111. Austragung hatte der 24-Jährige wieder mal gehofft, dass die Erinnerungen nicht der Wahrheit entsprechen.

Doch als er am Donnerstag einige der insgesamt 27 Paves wie jenes im Wald von Arenberg besichtigte, musste der Kapitän des Teams Argos-Shimano einsehen: "Es ist so schlimm wie immer, da würdest du normalerweise nicht mal mit dem Auto drüberfahren. Das ist wie auf der Buckelpiste."

Unheimlich staubig und dreckig sei es zudem, berichtete Degenkolb: "Wenn es regnet, gibt es eine Schlammschlacht."

Aldags Rat beherzigen

Diese Schinderei, dieser Kampf jedes Einzelnen gegen die Umstände und die eigene Erschöpfung und die Unberechenbarkeit des Rennens machen Paris-Roubaix jedoch auch so faszinierend.

Es ist alles möglich, es kann unzählige Wendungen geben. Die Defekt-Hexe lauert überall.

Degenkolb erinnert sich an einen Rat, den er von Ex-Profi Rolf Aldag bekommen hat: "Immer weiterfahren, immer weiterfahren, egal, was ist. Du kannst immer wiederkommen und plötzlich wieder in der ersten Gruppe sein."

Top Fünf als Ziel

Der Thüringer, der bisher einmal in die Top 20 gefahren ist, träumt davon, dieses geschichtsträchtige Rennen einmal zu gewinnen.

Die Aura von Roubaix hat ihn gefangen genommen, er will am Sonntag zeigen, dass er dort inzwischen zu den Besten gehört. Gerade nachdem Degenkolb mit Platz neun bei der Flandern-Rundfahrt Selbstvertrauen getankt hat (13575DIASHOW: Die Bilder der Flandern-Rundfahrt).

"Ich bin entspannt und werde nicht in Hektik verfallen. Mit viel Glück sind die Top Fünf möglich", sagt er.

Po-Grabscher Sagan pausiert

Ohne den belgischen Titelverteidiger Tom Boonen (Rippenbruch) und den als Hostessen-Grabscher in die Schlagzeilen gekommenen Slowaken Peter Sagan, der sich eine Pause gönnt, hat der Schweizer Fabian Cancellara seinen dritten Roubaix-Sieg nach 2006 und 2010 im Visier.

Nach seinem Triumph bei der "Ronde" am Ostersonntag könnte der 32-Jährige dazu zum zweiten Mal nach 2010 das begehrte Double erringen.

Cancellara fordern

Alle werden im Rennen auf den RadioShack-Profi achten, auf seine Attacke warten und ihm die Verantwortung zuschieben.

"Das Ziel ist, sich nicht von ihm abhängen zu lassen. Er wird keinen Sprint riskieren", sagt Degenkolb und hofft darauf, Cancellara womöglich sogar in Bedrängnis zu bringen: "Vielleicht gibt es eine Chance, ihm zuvorzukommen."

Ähnlich wie vor zwei Jahren, als der Belgier Johan van Summeren überraschend gewann, weil Cancellara zu spät reagierte.

Als Sturzopfer ins Rennen

Zudem bleibt abzuwarten, ob Cancellara die beiden Schreckmomente der letzten Tage geschwächt haben.

Der Zeitfahr-Olympiasieger von 2008 war erst beim belgischen Scheldepreis am Mittwoch gestürzt und dann auch noch bei der Streckenbesichtigung am Donnerstag.

Außer Hautabschürfungen passierte zwar nichts, doch: "Das war gar nicht so unspektakulär", sagt Degenkolb, "das hätte leicht auch einen Schlüsselbeinbruch geben können. Da hat auch er gemerkt, wie tückisch das Pflaster ist."

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