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Der 19-Jährige Rick Zabel gewann 2013 die Flandern-Rundfahrt der U 23 © getty

Im SPORT1-Interview der Woche spricht Rick Zabel über seinen Erfolg bei der Flandern-Rundfahrt und die Vergleiche mit dem Vater.

Von Hardy Heuer

München - Rick Zabel befindet sich auf gutem Wege, in die Fußstapfen seines Vaters Erik zu treten.

Mit dem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt der U 23 hat der 19-Jährige, der für das Nachwuchsteam von Rabobank fährt, die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Der Sprung zu den Profis scheint näher zu rücken, doch Zabel lässt sich nicht unter Druck setzen.

Zunächst will er erst einmal seine guten Leistungen bestätigen, eher er sich mit Größen wie Fabian Cancellara misst.

Im SPORT1-Interview der Woche erklärt Rick Zabel, warum er sich für den Radsport entschieden hat und die Vergleiche mit seinem Vater.

SPORT1: Herr Zabel, erst einmal Glückwunsch zu Ihrem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt der U 23. Wie ordnen Sie diesen Erfolg ein?

Rick Zabel: Er war äußerst wichtig. Es ist wahrscheinlich das anspruchs- und stimmungsvollste Weltcup-Rennen und einer der schönsten Erfolge meiner noch jungen Laufbahn. Mit so einem Sieg empfiehlt man sich schon für weitere Aufgaben bei größeren Teams.

SPORT1: Gibt es schon Anfragen?

Zabel: Nein, bisher noch nicht. Ich muss schon noch die Leistung bei der Flandern-Rundfahrt mit anderen Erfolgen bestätigen. Eine gute Saison ist natürlich auch mein Ziel. Wenn das so klappt, dann werden im Laufe der Zeit Angebote kommen.

SPORT1: Wann sieht man Sie auf der Profi-Tour?

Zabel: Das ist schwer zu sagen. Mein Ziel ist es natürlich, Profi zu werden, aber ich bin mit 19 Jahren noch sehr jung. Ich lasse mich auf keinen Fall hetzen und gehe ein bisschen nach meinem Gefühl. Wenn ein Angebot eines Teams kommen würde, das mich total umhaut, dann würde es mir schwer fallen, zu widerstehen. Von meinen Eltern erhalte ich eine super Unterstützung, die mir weiterhelfen wird.

SPORT1: Glauben Sie, dass Sie schon mit Fabian Cancellara, der die Flandern-Rundfahrt bei den Profis gewonnen hat, mithalten können?

Zabel: Die Flandern-Rundfahrt der U 23 zu gewinnen, war ein super Ding und hat gezeigt, dass ich mich im U-23-Bereich mit den Weltbesten messen kann. Aber es gehört viel mehr dazu, um bei den Profis zu bestehen. Es ist aber mein Ziel, irgendwann bei den Profis mithalten zu können.

SPORT1: Sie werden natürlich mit Ihrem Vater verglichen. Spüren Sie Druck?

Zabel: Nein, der Vergleich schmeichelt mir eher. Mein Vater war einer der größten Rennfahrer, die es im Radsport gegeben hat - der Beste aus Deutschland. Dieser Vergleich macht mich stolz.

SPORT1: Was unterscheidet Sie von Ihrem Vater, der als Sprintexperte galt?

Zabel: Ich bin so ein bisschen veranlagt wie er. Ich kann auch sprinten. Auch bei den Klassiker-Rennen, wo er immer stark war, ähneln wir uns sehr. Ich kann Rennen gut lesen und mir eine gute Position erarbeiten. Wenn eine 30-Mann-Gruppe ins Ziel kommt, dann ist das mein Ding. Mein Vater war aber auch bei flachen Etappen wie bei der Tour de France stark, wenn 200 Mann ins Ziel eingelaufen sind. Da will ich noch hinkommen.

SPORT1: Welchen Anteil hat ihr Vater an ihrem Erfolg?

Zabel: Einen relativ großen. Er hat nie aktiv in meine Karriere eingegriffen, sondern hat es sich von außen angeschaut. Das hat mir sehr geholfen.

SPORT1: Wenn man sich Ihren Vornamen genau betrachtet, ähnelt er doch sehr dem Ihres Vaters. Wie finden Sie die Wortspiele mit dem "E" vor Rick?

Zabel (lacht): Ich weiß auch nicht, was sich meine Eltern bei meinem Namen gedacht haben. Es gab ja früher aus Belgien gute Radrennfahrer, die den Namen "Rick" hatten.

SPORT1: Sie sind 2011 ohne Abitur vom Gymnasium gegangen. Was hätten Sie gemacht, wenn es mit dem Radsport nicht geklappt hätte?

Zabel: Ich habe das Angebot der Nachwuchsmannschaft des Rabobank-Teams bekommen, das im U-23-Bereich als das beste Team der Welt gilt. Da ich Profi werden wollte, habe ich mich dafür entschieden. In der U 23 hat man vier Jahre Zeit, um Profi zu werden. Sollte absehbar sein, dass ich nicht gut genug bin, müsste ich mit meinem guten Realschul-Abschluss eben eine Ausbildung machen oder an der Abendschule das Abitur nachholen.

SPORT1: Warum wollten Sie Radprofi werden, obwohl der Sport gerade in Deutschland nach den zahlreichen Doping-Skandalen in einem negativen Licht steht?

Zabel: Es ist schade, dass die Situation in Deutschland so ist. Ich liebe aber den Radsport und sehe, wie er in Italien, Belgien, Spanien und Holland lebt. Deshalb bin ich über Deutschland so ein bisschen weggekommen.

SPORT1: Ihr Vater hat 2007 die Einnahme von Doping gestanden. Wie sind Sie persönlich damit umgegangen?

Zabel: Jeder Mensch macht Fehler. Ich habe es so empfunden, dass er mit seiner Beichte dem Radsport helfen und der neuen Generation eine Chance geben wollte, damit wir den Radsport ohne Doping betreiben können. Das war früher leider nicht der Fall. Deshalb ist er meiner Meinung nach einer der Vorreiter des sauberen Radsports. Ich habe vor seiner Beichte größten Respekt.

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