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Stefan Schumacher hatte bei der Tour 2008 beide Zeitfahren gewonnen © getty

Der bei der Tour de France 2008 überführte Ex-Gerolsteiner-Profi darf zwei Jahre nicht in Frankreich fahren, will aber kämpfen.

München - Fahrverbot für den "Rad-Schumi":

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD hat den zweifachen Tour-de-France-Etappensieger Stefan Schumacher aufgrund eines positiven Dopingbefundes bei der Tour 2008 nach monatelangen Diskussionen für zwei Jahre gesperrt.

Dies bestätigte Schumachers Anwalt Michael Lehner.

Die Sperre gilt für alle Veranstaltungen des französischen Radsportverbandes und sämtliche in Frankreich organisierten Rennen.

Schumacher spricht von "Skandalurteil"

Schumacher zeigte sich in einer ersten Stellungnahme schockiert und gab sich kämpferisch.

"Die Entscheidung der AFLD ist ein Schock für mich und macht mich fassungslos. Nicht nur das Verfahren war eine Farce", erklärte Schumacher in einem gemeinsam mit Lehner verfassten Statement und sprach von einem "Skandalurteil".

Lehner: "Wesentliche Unterlagen vorenthalten"

Lehner selbst reagierte ebenfalls mit scharfer Kritik auf die Entscheidung

"Das Urteil ist am Mittwoch von einer Kommission der AFLD unter Vorsitz ihres Präsidenten Pierre Bordry nach mündlicher Verhandlung ohne jede Beweisaufnahme über die von Stefan Schumacher und seinen Anwälten bestrittenen Sachverhalte gefällt worden. Wesentliche Verfahrensunterlagen sind uns vorenthalten worden", sagte Lehner.

Berufung vor dem obersten Verwaltungsgericht

Schumacher, WM-Dritter von 2007, will das Urteil nicht hinnehmen: "Ich habe nicht gedopt. Und allein schon deshalb kann es für mich nur eine Reaktion auf dieses beispiellose Vorgehen und das unglaubliche Urteil geben. Das Urteil der AFLD zu akzeptieren, wäre das Ende jedes Fairplay."

Er habe seine Anwälte beauftragt, "gegen das im Verfahrensablauf und in der Begründung skandalöse Urteil Berufung beim zuständigen Conseil d Etat, dem obersten französischen Verwaltungsgericht, einzulegen."

Schon mehrfach im Visier der Fahnder

Bereits 2005 bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt und zwei Jahre später bei der Straßen-WM in Stuttgart war Schumacher ins Visier der Dopingfahnder geraten. Dabei ging er bislang stets straffrei aus, auch nach Amphetamin-Befunden in seiner Blutprobe nach einem Autounfall im Oktober 2007.

"Ich bin aus sportverbandsrechtlicher Sicht nicht verurteilt. Meldungen, dass mich die UCI gesperrt hat, sind schlichtweg falsch", sagte Schumacher nun. Diese Aussage bestätigte am Donnerstag auch der Radsport-Weltverband UCI der französischen Presseagentur AFP mit Hinweis auf die AFLD-Zuständigkeit.

Positiv auf CERA

Der 27-Jährige aus Nürtingen war wie sein damaliger Teamkollege Bernhard Kohl positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden. Während der Österreicher Doping zugegeben hat und inzwischen eine zweijährige Sperre verbüßt, hatte Schumacher Verfahrensfehler geltend gemacht.

"Bei der AFLD war Pierre Bordry Ankläger und Richter zugleich, ein Vorgehen, das nicht nur mich sprachlos macht. Alles, was ich will, ist ein faires Verfahren. Denn dann kann ich endlich meine Unschuld beweisen. Ich gebe nicht auf und werde für mein Recht bis zur letzten Instanz kämpfen", sagte der deutsche Vizemeister von 2004.

Kritik an der Blutuntersuchung

Auch Lehner sieht im Ablauf des Verfahrens eine Chance für seinen Schützling: "Trotz mehrfacher Anforderung wurde eine angeblich vorhandene Validitierungsdokumentation des neuen Testverfahrens nicht ausgehändigt. Es bestehen berechtigte Zweifel, dass es eine solche, für die Einführung bzw. Anwendung jedes Testverfahrens rechtlich zwingend notwendige Forschungsstudie überhaupt gibt."

Der Jurist kritisiert die Art und Weise der Blutuntersuchungen: "Ob es tatsächlich sein Blut war, ist nicht bewiesen und zweifelhaft."

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