vergrößernverkleinern
Hans-Michael Holczer war bis Oktober 2012 Teammanager bei Katjuscha © imago

Auf Gerolsteiners Ex-Boss kommen m Betrugsverfahren seines Ex-Profis prekäre Fragen der Verteidigung zu. Was sagen die Ärzte?

Stuttgart - So entspannt wie zu Beginn seiner Vernehmung wird es für Hans-Michael Holczer sicher nicht:

Wenn am Dienstag der Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher mit der zweiten Befragung von dessen einstigem Teamchef fortgesetzt wird, kommt auch Schumachers Verteidigung zu Wort - und wird mit allen Mittel versuchen, den bislang so selbstsicheren, ehemaligen Gerolsteiner-Boss als Lügner zu entlarven.

Holczer hatte in seiner ersten Vernehmung am vergangenen Donnerstag mehrfach bekräftigt, nichts von den Dopingpraktiken Schumachers gewusst zu haben. (BERICHT: Holczer beharrt: Schumacher lügt)

Zudem habe Schumacher "ohne Umschweife" im Gespräch mit der Teamleitung die Einnahme der Epo-Modifikation Cera abgestritten.

Holczer hintergangen?

Deshalb wirft die Staatsanwaltschaft dem inzwischen geständigen Dopingsünder Schumacher in dem Prozess vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Suttgart vor, Holczer hintergangen zu haben.

Zudem soll der Profi sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" erschlichen haben.

Es geht um rund 150.000 Euro in den betreffenden Monaten 2008.

Dementi während der Tour 2008

Konkret soll der bei Nachtests überführte Schumacher seinem Teamchef während der Tour de France 2008 versichert haben, keine Dopingmittel zu nehmen - dies bestätigte vor Gericht auch Schumacher.

Allerdings sei er nach Bekanntwerden der Nachweisbarkeit von Cera so aufgelöst und verwirrt gewesen, dass Holczer ihm kein Wort hätte glauben können.

Der Teamchef wiederum sagte aus: "Ich hatte nie das Gefühl, dass Schumacher in irgendeiner Form etwas gestehen wollte. Oder dass er mir etwas mitteilen wollte, was ihm schwer fällt."

Vorwürfe "vollkommen gelogen"

Auch alle anderen Vorwürfe Schumachers, die Holczer als Mitwisser der Dopingpraktiken bei Gerolsteiner entlarven würden, bestritt der 59-Jährige vehement.

"Blank erfunden" und "vollkommen gelogen" seien die Worte Schumachers, sagte er.

Mediziner von Holczer schwer belastet

Deutlich beschleunigen könnte den Prozess die Vernehmung der betreffenden Gerolsteiner-Teamärzte.

Der ehemalige Teammediziner Mark Schmidt, der von Holczer schwer belastet wurde, wird aller Voraussicht nach von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und nicht in Stuttgart erscheinen.

Der ebenfalls geständige Dopingsünder Bernhard Kohl ließ verlauten, er wolle nicht in Stuttgart, sondern wenn überhaupt in Österreich aussagen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel