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Hanka Kupfernagel wurde 2007 Straßenrad-Weltmeisterin in Stuttgart © getty

Nach dem Rauswurf von Hanka Kupfernagel proben Athleten und Trainer einen Aufstand gegen Rudolf Scharping. Seine Wiederwahl ist ungewiss.

München - Im deutschen Radsport fliegen die Fetzen: Drei Wochen vor seiner angestrebten Wiederwahl proben Olympiasieger und Weltmeister den Aufstand gegen Präsident Rudolf Scharping.

Unter dem früheren Verteidigungsminister stolpert der Bund Deutscher Radfahrer von einer Panne in die nächste, jüngst traf es Hanka Kupfernagel.

Die Olympiazweite von Sydney wurde aus dem Straßenkader gestrichen. Das geschah offenbar bereits im Oktober, mitgeteilt hatte es ihr der BDR jedoch nicht.

4000 Euro gehen flöten

"Wir haben das per Zufall durch einen Anruf bei der Sporthilfe erfahren. Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagte Kupfernagels Trainer und Lebensgefährte Mike Kluge. Er hoffe, dass das alles nur ein Versehen sei: "Ich verstehe den Hintergrund nicht. Hanka hat immer ihre Leistung gebracht. Das ist grob und unsportlich."

Kupfernagel flog durch die Streichung aus der Sporthilfe, muss im Jahr auf etwa 4000 Euro verzichten - im Frauen-Radsport eine Menge Geld. Der neue Bundestrainer Thomas Liese wird die frühere Zeitfahr-Weltmeisterin zwar auf jeden Fall weiterhin einsetzen, mehr kann aber auch er nicht tun.

"Ich habe die Kader-Einteilung von meinem Vorgänger übernommen und mich auch gewundert, warum sie nicht dabei war. Im Moment kann ich daran aber nichts ändern", sagte Liese.

Kein Glückwunsch zu Gold

Auch Mountainbikerin Sabine Spitz ist mit dem BDR und seinen Funktionären alles andere als zufrieden. Nach ihrem Olympiasieg von Peking wartete sie vergeblich auf einen Anruf von Scharping.

Als Spitz allerdings einen offenen Brief für einen ehrlichen Sport initiierte, nachdem die mittlerweile zum slowenischen Verband gewechselten Mountainbiker Lado und Manuel Fumic gegen das Meldesystem rebelliert hatten, kam der Anruf von Scharping.

Der Präsident wollte die Streichung eines Absatzes, in dem Spitz vom Verband den Einsatz für eine konsequente Anti-Doping-Politik forderte. "Ich habe den Eindruck, nur wenn es um seine Person und Reputation geht, wird er aktiv", sagte Spitz' Ehemann und Manager Ralf Schäuble der Tageszeitung "Die Welt".

Berkmann als Gegenkandidat

Scharpings Wiederwahl ist äußerst fraglich, immer mehr Kritiker wagen sich hervor. Den Anfang machte Mitte der Woche der frühere Bahnfahrer Dieter Berkmann, der sich als Gegenkandidat des früheren Politikers für die Wahl am 21. März in Leipzig aufstellen ließ.

Gestützt wird Berkmann vom früheren BDR-Vize Dieter Kühnle sowie von einigen Ex-Weltmeistern und Olympiasiegern.

Scharping und Bremer in der Kritik

Neben Scharping steht vor allem Sportdirektor Burckhard Bremer im Brennpunkt der Kritik. "Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen, aber man müsste den ganzen Verband auf den Kopf stellen. Es wäre besser, ihn (Bremer, d. Red.) auszutauschen", sagte Berkmann.

Für viele ist es unverständlich, warum Bremers Vertrag schon vor Olympia bis ins Rentenalter verlängert worden war.

Momentan sind weder Scharping noch Bremer für eine Stellungnahme zu erreichen.

Versäumte Einladung

"Der Frust", sagt Kluge, "war im Radsport nie auf so einem hohen Level wie heute."

Ein Olympiasieger, der anonym bleiben will, sagte: "Bremer betreibt eine Basta-Politik und setzt sich in seiner Position über alles. Er schließt ältere Fahrer aus, obwohl jüngere die Leistung nicht bringen. Wir betreiben aber immer noch Leistungs- und keinen Alterssport."

Die Bahn-Fahrer Maximilian Levy, Carsten Bergmann und Stefan Nimke dürften ebenfalls einen Hals auf den BDR haben. Eine offizielle Einladung zu einer Keirin-Tour in Japan erhielten sie erst nach Ablauf der Frist. Dadurch musste jeder der Drei auf bis zu 60.000 Euro verzichten.

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