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Der Brite Mark Cavendish hat bislang 25 Tour-Etappensiege auf seinem Konto © getty

Rüpel-Vorwurf, Urin-Attacke: Nach verkorkster zweiter Woche meldet sich der Star zurück und überrascht mit Lob selbst für Kittel.

Lyon - Mark Cavendish wurde gereizt, herausgefordert, düpiert und bepöbelt. Die zweite Woche der 100. Tour de France war ein harte Prüfung für den sieggewohnten britischen Radprofi.

Der Sprintstar von der Isle of Man verlor zweimal gegen Marcel Kittel, musste sich rüpelhaftes Benehmen vorwerfen lassen und wurde sogar von einem Wirrkopf mit Urin beworfen.

Nachdem er in Saint-Amand-Montrond triumphiert hatte, war all das aber vergessen (BERICHT: Cavendish beendet deutsche Serie).

Liebe zur Tour

Der 28-Jährige wurde nach seinem 25. Tour-Etappensieg von Glücksgefühlen durchströmt und gestand der Frankreich-Rundfahrt einmal mehr seine Liebe (744458DIASHOW: Die Bilder der Tour de France).

"Der Gedanke an dieses Rennen treibt mir manchmal die Tränen in die Augen, es ist einfach das Größte für mich", sagte Cavendish, der auf der ereignisreichen 13. Etappe stets am richtigen Ort gewesen war und die richtigen Entscheidungen getroffen hatte.

Exzellente Teamleistung

Wie immer wieder in der Vergangenheit widmete Cavendish seinem Quick-Step-Team den Erfolg. Er habe sie in den Tagen zuvor im Stich gelassen, sagte der Ex-Weltmeister, weil er deren Arbeit nicht gekrönt habe. "Und dann fahren sie noch härter, noch früher, geben noch mehr. Das zeigt, wie großartig diese Mannschaft ist."

Auch den Veranstalter ASO veranlasste diese Leistung zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Zum ersten Mal erhielt eine gesamte Equipe den Titel "Kämpferischster Fahrer des Tages", der mit der roten Startnummer auf der folgenden Etappe kenntlich gemacht wird.

Cavendish trug die Auszeichnung nach Lyon somit stellvertretend auf seinem Trikot.

Novum in der Tour-Geschichte

"So etwas gab es noch nie in der Tour-Geschichte. Die Jury konnte sich einfach nicht entscheiden, einen Fahrer besonders hervorzuheben. Wir freuen uns alle riesig über diese Würdigung. Wir sind alle stolz auf uns. Und der Sieg von 'Cav' tut nicht nur ihm, sondern uns allen gut", schrieb Tony Martin auf seiner Homepage.

Cavendishs Mannschaftsgefährte war von der Attacke, die Quick Step über 100 Kilometer vor dem Ziel lanciert hatte, "anfangs ehrlich gesagt nicht überzeugt". Doch das Ergebnis änderte Martins Meinung. "Alles riskiert, alles gewonnen."

Cavendish in Unfall verwickelt

Riskiert hatte Cavendish auch in den vorherigen Tagen, doch seine Pläne waren nicht aufgegangen. In St. Malo war der Manxman so aufgebracht, dass er einem Journalisten gleich das Diktiergerät aus den Händen riss.

Sauer war Cavendish dort auch über Marcel Kittels niederländischen Anfahrer Tom Veelers. Beide waren auf den letzten Metern kollidiert, Veelers daraufhin gestürzt und Cavendish entscheidend aus dem Rhythmus gebracht.

Cavendish wurde von einigen Fahrern verantwortlich gemacht, sah es selbst aber anders. Die Jury ahndete den Vorfall nicht. Veelers und Cavendish bereinigten die Unstimmigkeit später am Telefon.

Kittel "der nächste "Sprint-Superstar"

Doch ein Teil des Publikums reagierte erbost. Vor seinem Start zum Einzelzeitfahren am Mittwoch wurde Cavendish mit Urin bespritzt. Er reagierte zunächst schwer enttäuscht und später mit Galgenhumor. "Der Apfelsaft sieht heute alles andere als appetitlich aus", twitterte er.

Die Niederlage in Tours räumte Cavendish dann aber sportlich fair ein. Kittel sei einfach schneller gewesen. "Ich denke, er wird der nächste Sprint-Superstar", sagte er.

In Paris auf der Avenue des Champs Elysees dürften beide sich noch einmal im direkten Duell begegnen. Cavendish hat dort vier Jahre in Folge triumphiert.

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