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Christopher Horner fährt seit 2012 für RadioShack Leopard © getty

Der 41-jährige Chris Horner führt die Gesamtwertung der Vuelta an und kann Historisches schaffen. Dafür übt er Verzicht.

Tarazona/München - Christopher Horner hat der Erfolgshunger gepackt und dafür lässt der 41-Jährige sogar die geliebten Hamburger und Pizza links liegen.

Der Amerikaner ist zu einem ernsthaften Kandidaten auf den Gesamtsieg bei der Spanien-Rundfahrt geworden und verkneift sich wegen der historischen Chance auch seine Ernährungssünden.

Horner (RadioShack-Leopard) könnte der älteste Gewinner einer Grand Tour werden, zum ältesten Etappensieger und Träger des Führungstrikots hat er es bereits gebracht.

Vogt: "Mein Held"

Horners Vorstellung ist so beeindruckend, dass sie selbst seinem noch einen Monat reiferen Teamkollegen Jens Voigt Respekt abnötigt. "Ich muss sagen - wenn ich älter werde, dann möchte ich so sein wie er!! Mein Held", twitterte der deutsche Routinier ein wenig scherzhaft.

Voigt, der die Vuelta nicht fährt, wird am 17. September 42 Jahre und geht 2014 in seine letzte Saison als Radprofi. Am 23. Oktober zieht Horner nach und auch er zeigt wie der deutsche Ausreißerkönig keine Anzeichen eines Radsport-Rentners.

Tour-Favoriten ohne Chance

Horner, der aus Bend im US-Bundesstaat Oregon stammt, hat sich als guter Kletterer bereits in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht.

Doch wie er am schweren Alto Hazallanas in der Sierra Nevada im gleichmäßigen Wiegetritt die Vuelta-Favoriten Vincenzo Nibali aus Italien sowie Alejandro Valverde und Joaquim Rodriguez aus Spanien stehen ließ, war erstaunlich. "Die Beine waren sehr gut. Ich weiß nicht, ob es die stärksten im Feld sind, aber sie waren gut heute", sagte Horner.

Seine bisherigen Auftritte, die ihn zehn Jahre jünger erscheinen lassen, haben die Konkurrenz durchaus aufgerüttelt. "Horner war eine Überraschung, auch wenn er bisher schon stark war. Aber dieser Sieg war sehr überzeugend", sagte Valverde. "Es war unmöglich, Horner einzuholen", gestand Giro-Sieger Nibali.

Zwei Etappensiege und 43 Sekunden Vorsprung

Horner, der vor der zehnten bereits die dritte Etappe gewonnen hatte, führte am Ruhetag in der Gesamtwertung 43 Sekunden vor Nibali und fühlt sich in der Verfassung, ein Wort in der Rundfahrtentscheidung mitzusprechen. "Ich bin in toller Form, mir liegt der Kurs und ich fühle mich stark. Ich denke, ich kann die Spanien-Rundfahrt gewinnen."

Und dass nach einem bisher eigentlich verkorksten Jahr. Seit ihn im März hartnäckige Knieschmerzen plagten, war er außer Tritt. Kurz darauf musste Horner ganz pausieren, verpasste es, mit Altersgenossen Voigt bei der Tour de France ein Seniorenduo zu bilden und stieg erst im August wieder ins Renngeschehen ein.

Allerdings ist Horner durch die Zwangspause auch wesentlich frischer als manch anderer nach einer langen, strapaziösen Saison.

Dank an Zeitfahrspeziallist Cancellara

Für seinen Sprung an die Spitze dankte er besonders dem Zeitfahrspezialisten Fabian Cancellara (Schweiz), der sich am Mittwoch, wenn Horner rund um Tarazona beim 38,8 km langen Kampf gegen die Uhr sein Rotes Trikot verteidigt, mit Weltmeister Tony Martin (Cottbus/Quick Step) duellieren dürfte.

Neben Horners Jagd nach dem Altersrekord wird mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Florenz (22. bis 29. September) auch der Schlagabtausch dieser beiden interessant.

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