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Christopher Horner geht als ältester Gewinner einer dreiwöchigen Rundfahrt in die Geschichte ein © getty

Der 41-Jährige schreibt mit seinem Sieg bei der Spanien-Rundfahrt Geschichte. Sein elfjähriger Sohn macht den Triumph möglich.

Madrid/München - Bisher waren Hamburger und Pizza die Lieblingsspeisen von Rad-Senior Christopher Horner, jetzt kommt Paella wohl noch hinzu.

Mit fast 42 Jahren hat der US-Profi die 68. Spanien-Rundfahrt gewonnen und damit Vincenzo Nibalis Doppeltriumph aus Giro d'Italia und Vuelta verhindert.

"Es ist einfach unfassbar"

Horner ist ab sofort der älteste Gesamtsieger einer der großen dreiwöchigen Landesrundfahrten.

"Dass ein Kerl in meinem Alter eine Grand Tour gewinnt, wird man vielleicht nie wieder sehen. Daran werde ich mich das ganze Leben lang erinnern. Es ist einfach unfassbar", sagte er.

Horner pulverisiert 91 Jahre alten Rekord

Horner löschte den Belgier Fermin Lambot aus den Rekordbüchern, der vor 91 Jahren die Tour de France im Alter von 36 für sich entschieden hatte.

Auch vehemente Attacken des Italieners Nibali im mit Teilpassagen von über 20 Prozent Steigung fürchterlichen Anstieg zum Angliru brachten den Oldie, der am Samstag mit drei Sekunden Vorsprung in die entscheidende Etappe gegangen war, nicht aus dem Tritt.

Horner parierte erst und distanzierte den "Hai von Messina" schließlich im asturischen Nebel auf den letzten beiden Kilometern.

"Es war unmöglich, Horner abzunhängen"

Nibali hatte sich dennoch nichts vorzuwerfen.

"Ich habe alles versucht, aber es war unmöglich, Horner abzuhängen. Ich bin trotzdem zufrieden. Sieg beim Giro und Zweiter bei der Vuelta - das ist doch ziemlich gut", sagte der 28-Jährige, der bei der anstehenden WM in Florenz (22. bis 29. September) die Tifosi im Straßenrennen mit dem Regenbogentrikot beglücken will.

37 Sekunden Vorsprung

Horner zeigte nie Anzeichen eines Radsport-Rentners und brachte ein Polster von 37 Sekunden auf die Straßen von Madrid, wo die Rundfahrt nach einer Flachetappe mit dem Tagessieg von Michael Matthews (Australien/Orica) zu Ende ging.

Er ließ sich auch von aufgrund mutmaßlichen Wattwerten und seiner Konstanz geäußerten Verdächtigungen nicht verunsichern.

Als bester Deutscher erreichte Dominik Nerz (Wangen/BMC) in der Gesamtwertung einen guten 14. Rang, Nikias Arndt (Buchholz/Argos) wurde auf der Schlussetappe starker Dritter.

Voigt twittert Glückwünsche

Jens Voigt, sein beinahe gleichalter deutscher Teamkollege bei RadioShack-Leopard, übermittelte umgehend via Twitter Glückwünsche.

"Der gute, alte Horner hat all die Arbeit der Mannschaft und seine eigene perfekt zum Abschluss gebracht. Ich freue mich sehr für ihn! ", schrieb der gebürtige Grevesmühlener, der am Dienstag 42 wird, der Vuelta-Sieger dann am 23. Oktober.

Erfolg für Horner nicht überraschend

Horner, der aus Bend im US-Bundesstaat Oregon stammt, hatte sich als guter Kletterer bereits einen Namen gemacht, aber nie auf der großen Bühne geglänzt.

Für ihn kommt der Gesamterfolg dennoch nicht überraschend.

"Ich habe nie die Gelegenheit gehabt, das schon vorher zu beweisen. Ich bin immer unterschätzt worden", sagte er.

Elfjähriger Sohn verhindert Karriereende

Dazu kamen häufige Verletzungen, die Horner oft ausbremsten.

Diese Saison plagten ihn hartnäckige Knieschmerzen und er verpasste es, mit Altersgenossen Voigt bei der Tour de France ein Seniorenduo zu bilden.

Gedanken ans Aufhören redete ihm in dieser Phase sein elfjähriger Sohn aus.

"Das ist nicht cool", habe er gesagt.

"'Ich sag' meinen Schulkameraden immer, dass mein Papa Radprofi ist. Ich kann doch nicht sagen, er ist ein Ex-Radprofi'", berichtete Horner.

Comeback im August

Erst im August stieg er nach fünfmonatiger Zwangspause in Utah wieder ins Renngeschehen ein.

Für die Vuelta war Horner aber dadurch wesentlich frischer als zum Beispiel die Spanier Alejandro Valverde (Movistar) und Joaquim Rodriguez (Katjuscha), die beide die Tour bestritten hatten.

Horner denkt nicht ans Aufhören

Und der Oldie fühlt sich noch frisch genug für weitere Großtaten.

Zwei Jahre wolle er noch fahren, sagte Horner dem Internetportal "velonews.com".

Gerüchten zufolge könnte er sich dem Radsport-Projekt von Formel-1-Champion Fernando Alonso anschließen.

2015 wird Horner dann Voigt als ältester Profi im Peloton ablösen, denn der deutsche Ausreißerkönig geht 2014 auf seine Abschiedstournee. Horner hat noch mehr vor.

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