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Rui Costa gewann in diesem Sommer die Tour de Suisse und zwei Etappen der Tour de France © imago

Der Portugiese wird nach einer dramatischen Regenschlacht Straßen-Weltmeister. Die Durststrecke der Deutschen geht weiter.

Florenz - Nach fast siebeneinhalb Stunden Knochenarbeit im toskanischen Dauerregen hat der Portugiese Rui Alberto Costa den größten Sieg seiner Karriere gefeiert.

Der 26-Jährige behielt in einem Radsport-Krimi die Nerven und sicherte sich erstmals den Weltmeistertitel im Straßenrennen der Profis.

Der dreimalige Etappengewinner der Tour de France ließ nach 272,26 km von Lucca nach Florenz den Spanier Joaquim Rodriguez am Nelson Mandela Forum mit einen Kraftakt im Sprint stehen und kürte sich zum ersten WM-Titelträger seines Landes.

Bester Deutscher auf Platz 14

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) muss dagegen auch 47 Jahre nach dem Triumph von Rudi Altig weiter auf einen Sieg im WM-Profirennen warten.

Der Berliner Simon Geschke war nach einem insgesamt sehr angriffsfreudigen und mutigen Auftritt auf Rang 14 mit 34 Sekunden Rückstand der bestplatzierte BDR-Fahrer.

Bronze holte sich der Spanier Alejandro Valverde vor der großen italienischen Hoffnung Vincenzo Nibali, die im Finish nicht mehr genügend Reserven mobilisieren konnte und unglücklicher Vierter wurde.

Lokalmatador mit Aufholjagd

Nibali war zuvor nach über sechs Stunden andauernden Regenfällen, die erst zum Schluss des Rennens nachließen, in der Endphase ständig von den Konkurrenten in die Verfolgung gezwungen worden. Die Attacke von Rodriguez im Anstieg nach Fiesole hatte er noch pariert, doch auf den letzten Metern bezahlte er für seinen Aufwand.

Die italienischen Fans hatten schon vorher die Luft angehalten, als Nibali in der drittletzten Runde zu Fall gekommen war und den Anschluss an die Spitzengruppe verloren hatte. Der Sieger des Giro d'Italia kämpfte sich zurück und viele der tausenden Tifosi schöpften am Straßenrand wieder Hoffnung, dass der Sizilianer ihnen den Heimsieg doch noch schenken könnte.

Auf den ersten 200 Kilometern hatten die Azzurri in nahezu geschlossener Formation ihren Kapitän zunächst sicher durch die widrigen Bedingungen und über den 4,3 Kilometern langen Anstieg nach Fiesole sowie die 600 Meter lange, steile Rampe auf der Via Salviati gesteuert.

Dauerregen sorgt für Stürze

Doch hinter den Italienern gab es immer wieder Unfälle. Der frische Asphalt auf der Runde um Florenz war bei den nassen Verhältnissen eine permanente Gefahr.

Der deutsche Kapitän Dominik Nerz war einer der ersten Fahrer, die den miserablen Bedingungen zum Opfer fielen.

"Der Asphalt mit den neuen Markierungen war das große Problem", sagte der Wangener nach seinem Ausstieg.

Der Vuelta-14. stürzte auf dem knüppelharten Rundkurs, der zehn Mal zu bewältigen war, insgesamt drei Mal und musste aufgeben.

Der 24-Jährige erlitt eine Hüftprellung und klemmte sich den Ischiasnerv ein.

"Bei diesen Bedingungen ist dieser Kurs nicht zumutbar, das ist heute wie Lottospielen", sagte er verärgert.

Neben ihm mussten eine Vielzahl von aussichtsreich gestarteten Profis aussteigen. Vuelta-Gewinner Chris Horner (USA) und der frühere Tour-Sieger Cadel Evans (Australien) zählten zu den prominentesten Sturzopfern dieses chaotischen Rennens.

Auch der diesjährige Tour-de-France-Triumphator Christopher Froome (Großbritannien) und der Tour-Zweite Nairo Quintana

(Kolumbien) gaben gezeichnet von den Strapazen früh auf.

Deutsche Frauen gehen leer aus

Gerade die hoch gehandelten Briten erlebten ein Debakel. Noch vor der entscheidenden Phase war die gesamte Mannschaft inklusive Froome und Zeitfahr-Olympiasieger Bradley Wiggins bereits unter der Dusche.

Am Samstag hatte die Niederländerin Marianne Vos noch bei sonnigem Wetter ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigt.

Die Olympiasiegerin von London holte zum dritten Mal in ihrer Karriere das Regenbogentrikot.

"Die Stärkste hat gewonnen, Glückwunsch", sagte die Münchnerin Claudia Häusler, die als beste Deutsche auf Rang zwölf (+3:34 Minuten) ankam.

Erst zum zweiten Mal seit 2003 bleiben die deutschen Frauen damit ohne WM-Medaille.

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