vergrößernverkleinern
Rudolf Scharping ist seit 2005 als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer im Amt © imago

Der Schlammschlacht folgt der Showdown: Radfahrer-Präsident Rudolf Scharping stellt sich zur Wiederwahl.

München - Der wochenlangen Schlammschlacht folgt der Showdown im Nobelhotel: Radfahrer-Präsident Rudolf Scharping stellt sich am Samstag auf der Bundesversammlung des BDR zur Wiederwahl, sein Herausforderer Dieter Berkmann will der Regentschaft des früheren Kanzlerkandidaten ein Ende setzen.

Vor dem großen Finale in einem Fünf-Sterne-Hotel rühren Beide für die erste Kampfabstimmung seit Jahrzehnten erneut kräftig die Wahlkampftrommel.

"Ich klebe nicht an diesem Amt. Ich brauche auch diese Art von Rampenlicht nicht. Aber ich mache mir Sorgen um den Radsport", sagte Scharping, den die große Aufmerksamkeit der Wahl keinesfalls überrascht: "In der Öffentlichkeit gibt es generell ein großes Interesse daran, zu sehen, ob Leute aus ihren Ämtern abgeschossen werden."

"Kein Neuanfang durch Strippenzieher"

Scharping wolle im Falle der Wiederwahl den BDR weiter so führen, dass die Kontakte in die Wirtschaft und die Politik gehalten werden.

Von der Opposition (Scharping: Propaganda auf meinem Rücken) hält er zwangsläufig wenig: "Ich sehe durch diese Strippenzieher keinen Neuanfang für den Radsport oder einen glaubwürdigen Kampf gegen Doping."

Insgesamt sind 586 Delegierte stimmberechtigt, es genügt die einfache Mehrheit zum Wahlsieg.

Image aufpolieren

Gegenkandidat Berkmann will die Strukturen ändern und enger mit der Basis zusammenarbeiten. "Wir wollen ein dynamisches Netzwerk aufbauen, in dem jeder die Möglichkeit zur Mitarbeit hat. Nur dann bewegt sich etwas. Man kann einen Verband nicht bloß verwalten", sagte der frühere Bahn-Nationalfahrer.

Berkmann will mit seinem Team um den früheren BDR-Vize Dieter Kühnle das ramponierte Image des Radsports aufpolieren.

"Wir müssen einen anderen Weg gehen und in der Öffentlichkeit vertretbare Entscheidungen fällen", sagt der Orthopäde aus Miesbach.

Bremer ein "heißes Eisen"

Dinge, wie die WM-Nominierung Erik Zabels nach dessen Doping-Geständnis hätten nicht passieren dürfen.

Sein Programm "Agenda 2016" stellte Berkmann am Donnerstagabend den Präsidenten der Landesverbände vor.

Zum umstrittenen Sportdirektor Burckhard Bremer will Berkmann erst nach der Wahl Stellung nehmen. "Es ist ein heißes Eisen, an dem man sich leicht die Finger verbrennt. Ich will erst die Situation genau beleuchten und dann eine Entscheidung fällen", sagte der Herausforderer.

Ein Aufpasser für den Sportdirektor

Laut Scharping könne man über das Auftreten Bremers geteilter Meinung sein: "Aber Erfolgslosigkeit kann man ihm nicht vorwerfen."

Beide Kandidaten wollen dem bis 2010 unter Vertrag stehenden Sportdirektor jedoch einen Aufpasser zur Seite stellen. Zumindest darin herrscht Einigkeit.

Gerade die fehlte der Basis in den Landesverbänden. Vielen ist dabei auch das forsche Auftreten der Opposition aufgestoßen (Aufstand gegen Scharping).

Es wurden Vorwürfe laut, dass sie den Radsport noch tiefer in die negativen Schlagzeilen reiße.

Schenk nicht eingeladen

Dafür sorgt allerdings auch die amtierende BDR-Führung. Einmal mehr sorgte die Gästeliste zur am Freitag in Leipzig stattfindenden Feier anlässlich des 125-jährigen Bestehens des BDR.

Dort taucht der Name von Scharpings Vorgängerin Sylvia Schenk nicht auf. "Dass man eine ehemalige Präsidenten nicht einlädt, obwohl nur zwei frühere Präsidenten noch leben, finde ich seltsam", sagte Schenk der Tageszeitung "Die Welt".

Scharping wird den Patzer leicht verkraften, schließlich hat er bereits einen Plan für eine eventuelle Niederlage: "Wenn ich keine Mehrheit bekommen sollte, kann ich wieder Rad fahren und mein Übergewicht abtrainieren."

Diskutieren Sie in der Community!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel