vergrößernverkleinern
Rudolf Scharping war von 1998 bis 2002 Bundesverteidigungsminister © getty

Vor der BDR-Hauptversammlung ist die Wiederwahl Rudolf Scharpings weiter unklar. Aus Sportlerkreisen hagelt es Kritik.

Leipzig - Um die Stimmen der mächtigen Landesfürsten kämpft Radfahrer-Präsident Rudolf Scharping mit feiner politischer Rhetorik, doch ausgerechnet Intimus Burckhard Bremer könnte auf dem Weg zur Wiederwahl zum Stolperstein werden.

Der umstrittene Sportdirektor spaltet den Bund Deutscher Radfahrer vor der Hauptversammlung am Samstag in Leipzig wie keine andere Person. (Aufstand gegen Scharping) Selbst Scharping wohlgesonnene Delegierte könnten sich aufgrund der Personalie Bremer von ihm abwenden.

"Ich bin kein Befürworter von Herrn Bremer und ich weiß, dass sich einige Landesverbände an der Person stören. Er wird von ihnen sehr skeptisch gesehen", sagte Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz.

Sie könne es überhaupt nicht nachvollziehen, warum der Vertrag mit Bremer bereits vor den Olympischen Spielen verlängert wurde.

Bremer ein Sinkewitz-Mitwisser

Bremer war Ende 2007 in die Dopingschlagzeilen geraten, als der frühere Trainer Peter Weibel behauptet hatte, der Sportdirektor habe von den Doping-Praktiken des damaligen Telekom-Fahrers Patrik Sinkewitz bei der WM 2000 im französischen Plouay gewusst und diese sogar unterstützt.

Bremer bestreitet die Vorwürfe bis heute. Zuletzt sorgte der Träger des Bundesverdienstkreuzes für Aufsehen, als er die viermalige Cross-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel aus dem Straßenkader strich, ihr dies aber nicht mitteilte.

Nimke fordert Ende der Alleinherrschaft

Bahnfahrer Stefan Nimke, Teamsprint-Olympiasieger von Athen, hat mit dem mächtigen Funktionär aus Berlin ebenfalls seine Probleme.

"Der hat die Fäden in der Hand und da scheitert es auch ein bisschen. Vielleicht sollt man ihm zwei, drei Personen zur Seite stellen, dass er nicht alles alleine entscheiden sollte und darf", sagte Nimke.

Scharping hatte bereits angekündigt, Bremer einen Vizepräsidenten zur Seite zu stellen. Was ihm Stimmen bringen und die Gemüter beruhigen sollte, schlug eher ins Gegenteil um.

Der frühere Verteidigungsminister verkaufte offenbar die Ideen anderer als seine eigenen. "Das haben wir bereits 2001 zum ersten Mal gefordert, nicht Herr Scharping", sagte Niedersachsens Landesvorsitzender Klaus Peter Haupka der "Welt".

Bartko kündigt Reaktion an

Ob Bremer nun einen Aufpasser bekommt oder nicht, die Sportler befürworten unabhängig vom Ausgang der Wahl die Diskussion. "Es ist ganz gut, dass einige Leute wachgerüttelt werden und merken, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Man sollte einigen Personen mehr auf die Finger schauen", sagte Nimke.

Sydney-Olympiasieger Robert Bartko äußert sich nach seiner offenen Bremer-Kritik, der Sportdirektor führe persönliche Feldzüge, etwas gemäßigter.

"Es gibt auf jeden Fall Gesprächsbedarf, aber ich will mich vor der Bahn-WM nicht damit beschäftigen", sagte der Potsdamer. Auf Bremers Retourkutsche, Bartko habe die verpasste Olympia-Qualifikation des Vierers durch seine Abwesenheit zu verantworten, wolle er "zu gegebener Zeit reagieren".

Entscheidung am Samstag

Einen Tag vor der Wahl war Scharpings ganze rhetorische Finesse gefragt, um den Landesverbände die Alleingänge seines Sportdirektors zu erklären.

Ob seine politischen Schachzüge greifen, erfährt der frühere Verteidigungsminister Scharping am Samstagnachmittag. Dann entscheiden die 586 Stimmberechtigten in einem Leipziger Luxushotel, ob Scharping oder Herausforderer Dieter Berkmann sie in den nächsten Jahren führen soll.

Diskutieren Sie in der Community!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel