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Überführten Tätern drohen in Österreich bis zu fünf Jahre Haft © getty

Ein österreichischer Pedaleur soll über einen längeren Zeitraum organisiert Dopingmittel an andere weitergegeben haben.

Wien - Österreichs Radsport wird von erneuten Doping-Schlagzeilen erschüttert.

Wie die Tageszeitung "Kurier" am Freitag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Wien berichtet, wurde ein einheimischer Radprofi wegen Dopinghandels festgenommen.

Nach Angaben des Radklubs Wels handelt es sich "aller Wahrscheinlichkeit nach" um den 32-jährigen Christof Kerschbaum vom Continental-Team RC ARBÖ Wels Gourmetfein, der seit Tagen von der Vereinsleitung nicht zu erreichen sei.

"Ich kann die Festnahme bestätigen. Der Herr befindet sich in Untersuchungshaft. Er soll über einen längeren Zeitraum organisiert Dopingmittel an andere weitergegeben haben, die von einem Apotheker stammen", erklärte Staatsanwalt Gerhard Jarosch dem "Kurier", ohne einen Namen zu nennen.

Der "Fall Andreas Zoubek"

Damit wurde erstmals in der österreichischen Kriminalgeschichte ein Sportler wegen Dopinghandels festgenommen. (Alle Radsport-News)

Die Kriminalpolizei war im Zuge ihrer Recherchen im "Fall Andreas Zoubek" auf den Radprofi gestoßen.

Zoubek, ehemaliger stellvertretender Leiter des St. Anna Kinderspitals in Wien, war von Zeugen beschuldigt worden, das künstlich hergestellte Blutdopingmittel Epo weitergegeben zu haben.

Bis zu fünf Jahre Haft

Zoubek bestreitet nach wie vor sämtliche Vorwürfe.

Basis für die rechtliche Handhabe bei der Festnahme des Radfahrers ist eine Novelle des 2007 in Österreich erlassenen Anti-Doping-Gesetzes, die Haftstrafen für Handel bzw. Besitz von verbotenen Substanzen vorsieht. Überführten Tätern drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Kohl tappte in die Dopingfalle

Im vergangenen Oktober war Österreichs gerade noch gefeierter Rad-Held Bernhard Kohl in die Dopingfalle getappt.

Nach seinem dritten Platz bei der Tour de France war dem Bergkönig vom früheren Team Gerolsteiner bei nachträglich durchgeführten Bluttests das ebenfalls verbotene Epo-Präparat Cera nachgewiesen worden.

Kohl gestand später, das Mittel während der Frankreich-Rundfahrt eingenommen zu haben. Er wurde für zwei Jahre gesperrt.

Positiver Befund in der A-Probe

Dies geschah nur eine Woche, nachdem Kohls Teamkollegen Stefan Schumacher (Nürtingen) ebenfalls in der A-Probe Cera nachgewiesen worden war (UCI zieht Rad-Schumi aus dem Verkehr).

Schumacher bestreitet nach wie vor jede Schuld. Der 27-Jährige wurde vom Weltverband UCI für zwei Jahre gesperrt, er will seinen Fall aber vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne bringen.

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