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Heinrich Haussler gewann 2009 die Punkt- wertung bei der Katar- und Algarve-Rundfahrt © imago

Nach einem unglaublichen Schlussspurt bei Mailand-San Remo fängt ein Brite den Cottbuser noch ab. Lance Armstrong hat Probleme.

San Remo - Ein Wimpernschlag fehlte zur Sensation: Der Cottbuser Radprofi Heinrich Haussler hat nur um Millimeter den Sieg beim 100. Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo und damit den größten Erfolg seiner Karriere verpasst.

Der 25-Jährige vom neu gegründeten Schweizer Cervelo-Team sah nach einem schier unglaublichen Schlussspurt bereits wie der sichere Sieger aus.

Dann zog der Brite Mark Cavendish noch kurz vor dem Zielstrich vorbei und machte den ersten deutschen Sieg seit Erik Zabels letztem Triumph 2001 im Foto-Finish zunichte.

Wegmann fällt von Spitze zurück

"Ich habe um mein Leben gekämpft, aber 50 Meter vor dem Ziel sind meine Beine explodiert. Es ist schwer, sich über den zweiten Platz zu freuen, wenn man so nah dran war. Die Enttäuschung ist schon groß", sagte Haussler.

Für Lance Armstrong endete das Europa-Comeback nach 1335 Tagen dagegen mit großem Rückstand. 8:19 Minuter hinter Cavendish rollte der Texaner als 125. über den Zielstrich. Auch das Milram-Team um Kapitän Gerald Ciolek spielte im Finish keine Rolle, am besten präsentierte sich noch der deutsche Meister Fabian Wegmann, der einen Kilometer vor dem Ziel noch an der Spitze fuhr.

Die Entscheidung fiel aber wie so oft in den letzten Jahren im Sprint, und da sollte Haussler eigentlich nur den Schlussspurt für seinen Kapitän Thor Hushovd, der am Ende Dritter wurde, anziehen.

Krönung einer starken Saison

Doch der frühere Gerolsteiner setzte sich derart explosiv an die Spitze, dass zunächst keiner folgen konnte. "Wenn ich für mich gefahren wäre, hätte ich den Sprint 100 Meter später angezogen. Es ist aber schwer zu sagen, ob ich dann gewonnen hätte", meinte Haussler.

Nur Sprintstar Cavendish, dessen Stern bei der letzten Tour de France mit vier Etappensiegen aufgegangen war, gelang es schließlich, dass drei, vier Meter große Loch zu schließen.

Für Haussler war der zweite Platz trotzdem die vorläufige Krönung einer bislang starken Saison. Der Sprinter hatte bereits bei der Algarve-Rundfahrt zwei und bei Paris-Nizza eine Etappe gewonnen. (DATENCENTER: Termine und Ergebnisse)

Cervelo-Team greift zu

Dabei war noch im Herbst vergangen Jahres lange Zeit unklar, wie es mit Hausslers Karriere nach dem Aus des Gerolsteiner-Teams weitergeht. Schließlich griff das Cervelo-Team zu, das vom deutschen Teamchef Thomas Campana geleitet wird.

Im Blickpunkt stand derweil auch das Comeback von Armstrong auf den europäischen Landstraßen. Der Texaner hatte Probleme, das Tempo im Hauptfeld mitzugehen.

Mailand-San Remo galt für den siebenmaligen Toursieger ohnehin nur als Aufbaurennen im Hinblick auf den Giro d'Italia und die Tour de France.

Armstrong und die grauen Haare

Der Ex-Weltmeister glaubt aber nicht, sein früheres Niveau noch einmal erreichen zu können. "Vorbei ist vorbei. Ich kann nicht mehr derjenige des Jahres 2005 sein, man sieht es auch, ich habe graue Haare bekommen. Das Leben ohne Radsport war nicht schlecht, doch das Leben mit dem Rad ist besser. Ich bin überzeugt, dass meine Rückkehr für mich das Richtige ist", sagte Armstrong im Interview der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".

Der inzwischen 37-jährige Texaner gibt sich realistisch: "Natürlich träume ich von einem Sieg, jetzt muss ich aber erst sehen, ob ich noch wettbewerbsfähig sein kann. Ich will bestimmte Antworten von meinem Körper haben. Ich bin aber zuversichtlich."

Tests vor den Augen der Kinder

Armstrong sieht sich beim Astana-Team in der Rolle des Helfers. "Ich bin nicht mehr der beste Radprofi der Welt. Der Beste ist heute Alberto Contador. Sollte ich aber beim Giro d'Italia als Dritter abschneiden, könnte ich Alberto helfen, bei der Tour de France zu siegen. Ich könnte nichts mehr verlangen", erklärte der US-Profi.

Mit den verschärften Kontrollen hat der oft in Dopingverdacht, aber in seiner aktiven Zeit nie positiv getestete Armstrong keine Probleme. (Armstrong mit Haarprobe überrascht)

Nach eigenen Angaben wurde er seit vergangenem Herbst 24-mal kontrolliert. "Ich bin weder verärgert, noch nervös. Ich kenne die Regeln und habe nichts zu verbergen. Ich mache alles auf transparente Weise. Oft werden diese Tests zu Hause durchgeführt, vor den Kindern, was nicht immer angenehm ist."

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